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»Es geht ums Gesamtpaket« gegen den Krebs

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Eine von oft mehreren Ursachen für Krebs ist nach wie vor das Rauchen. Ist die Diagnose gestellt, finden Patienten in Traunstein aber eine hochprofessionelle Behandlung vor.

Traunstein – »Sie haben Krebs« – diesen Satz hören in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land jährlich rund 1000 Menschen. Angesichts des heutigen Weltkrebstags sprach das Traunsteiner Tagblatt mit Professor Dr. Dirk Zaak, dem Sprecher des Onkologischen Zentrums Traunstein, und Heilpraktikerin Christa Einsiedler.


Bundesweit 35 Onkologische Zentren DKG-zertifiziert

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Das Onkologische Zentrum Traunstein ist eines von bundesweit 35 nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierten Zentren. Unter seinem Dach gibt es das Gynäkologische Krebszentrum, das Prostatakrebszentrum, das Brustkrebszentrum und das Darmkrebszentrum sowie Schwerpunkte für Blutkrebserkrankungen, urogenitale Tumoren und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dazu gehören auch niedergelassene Ärzte.

»Für eine professionelle Behandlung müssen sie nicht unbedingt in die Münchener Universitätskliniken«, so Zaak. Die Zertifizierung bedeutet, die Behandlung erfüllt die strengen Qualitätskriterien der DKG. »Der Patient hat einen Anspruch auf die bestmögliche Behandlung nach internationalen Qualitätsstandards. Das kostet natürlich auch alles Geld. Das geht schon mit der EDV los, und man braucht entsprechend viel und hoch qualifiziertes Personal. Aber das ist die Zukunft«, so Zaak. Allein auf die Dokumentation entfallen 3,5 Stellen.

Im Onkologischen Zentrum werden jährlich etwa 1000 Neuerkrankungen erfasst, insgesamt gibt es hier aber mehr Krebsfälle. Behandelt und betreut werden hier darüber hinaus natürlich auch noch mehrere tausend Patienten pro Jahr mit ihrer Krebserkrankung. »Wir leben ja hier in einer absolut privilegierten Region« – bezogen etwa auf Ernährung oder medizinische Versorgung. »Wir wollen den Leuten eine gewisse Geborgenheit geben und versprechen, ihren Weg gemeinsam mit ihnen zu gehen. Wenn heute jemand die Diagnose Krebs erhält, hat er innerhalb von 72 Stunden einen Termin im Onkologischen Zentrum und seinen Kooperationspartnern zur Erstberatung«, verspricht Zaak.

Tumorkonferenz legt die individuelle Behandlung fest

In einer Tumorkonferenz mit allen beteiligten Disziplinen – Strahlentherapeut, Radiologe, Urologe oder Gynäkologe, Onkologe, Pathologe, Psychologe und weiteren – wird die Behandlung festgelegt. Im Blick ist dabei die individuelle Situation des Patienten, etwa weitere Erkrankungen, Heilungschancen oder das soziale Umfeld. »Manchmal heißt die Empfehlung auch 'lasst ihn in Ruhe und quält ihn nicht mit weiteren Behandlungen'. Denn wir wollen nicht um jeden Preis Leben verlängern. Die Lebensqualität ist mindestens genauso wichtig.« Allein in der urologischen Tumorkonferenz wurden im vergangenen Jahr rund 650 Fälle besprochen.

Während erwachsene Krebspatienten also gut heimatnah in Traunstein behandelt werden können, müssen Kinder zu weiterführenden Therapien meist nach München in die Hauner'sche Kinderklinik. »Aber die Primärdiagnostik und die nachfolgende Betreuung sind hier gut gewährleistet«, sagt Zaak.

Die Zahl der Betten für Krebspatienten ist ebenso wie die Zahl der Mitarbeiter schwer abschätzbar. Denn die Patienten werden je nach Krebsart auf den jeweiligen Stationen behandelt. So hat beispielsweise die Urologie jährlich rund 2000 stationäre Patienten, aber nicht alle sind Krebspatienten.

Für Patienten, die keine Heilung mehr erwarten dürfen, gibt es am Klinikum Traunstein seit fünf Jahren die Palliativstation von Chefarzt Dr. Thomas Kubin und seinem Team. Hier geht es nicht mehr um anstrengende Untersuchungen und Therapien, sondern um die Lebensqualität, etwa durch Schmerzlinderung. Auch der Sozialdienst und die Brückenschwestern arbeiten Hand in Hand mit Ärzten und Pflegekräften, um den Patienten ein würdevolles Leben bis zum letzten Atemzug zu ermöglichen.

»Zu einer professionellen Krebsbehandlung gehören aber auch weitere Partner, mit denen wir gut zusammenarbeiten«, erklärt Zaak weiter. »Etwa die Wohlfühlwerkstatt oder die Selbsthilfegruppen für Brustkrebs und Prostatakrebs. Es geht nicht ums rein Medizinische – es geht ums Gesamtpaket.«

So ruft etwa Letztere angesichts des heutigen Weltkrebstags Männer ab dem 45. Lebensjahr dazu auf, die Früherkennungsuntersuchungen bei einem Urologen wahrzunehmen. Denn rechtzeitig erkannt, sei er gut heilbar. »Die Akzeptanz und Umsetzung dieser Empfehlung ist für Männer die beste Möglichkeit mit den Risiken des Prostatakrebses und seinen Behandlungsformen umzugehen«, so Eckhard Pfeiffer, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Traunstein.

Homöopathie kann eine hilfreiche Ergänzung sein

»Glücklicherweise gibt es im Sinne der betroffenen Patienten inzwischen einen respektvollen Umgang zwischen der Schulmedizin und alternativen Heilweisen«, sagt die klassisch homöopathisch arbeitende Heilpraktikerin Christa Einsiedler dazu. »Natürlich ist die Homöopathie kein Ersatz für die Schulmedizin. Aber wir können ergänzend einiges für die Patienten tun.« Viele kämen auf Empfehlung anderer Betroffener zu ihr und ihren Kollegen.

Wie die Schulmediziner, so halten auch etwa 10 bis 14 klassisch homöopathisch arbeitende Ärzte und Heilpraktiker Tumorkonferenzen ab, in denen sie für einzelne Fälle die bestmögliche Begleittherapie suchen. »Unsere Rückmeldungen von Ärzten und Patienten bestätigen, dass die von uns begleitend behandelten Patienten im Blutbild und im Allgemeinbefinden stabiler bleiben. Und im Unterschied etwa zur Misteltherapie oder zu Hochvitamin-Therapien stört die Homöopathie die Chemotherapie nicht«, sagt Einsiedler. Auch die Strahlenbehandlung vertragen ihre Patienten erfahrungsgemäß besser. »Wie gesagt, wir verstehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur Schulmedizin.« coho