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»Es gehört dringend aufgeräumt«

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Im Naturschutzgebiet Hirschauer Bucht stapelt sich nicht nur angeschwemmtes Holz, auch jede Menge Plastikmüll ist zu finden – und niemand weiß, was die Kanister und Tonnen enthalten. »Da kann Gefahrgut drin sein«, warnt Klaus Steiner.

»Was da reinkommt, ist nicht mehr natürlich!« Mit dieser Feststellung reagierte Landrat Hermann Steinmaßl sichtlich erschrocken bei einem Ortstermin in der Hirschauer Bucht mit dem Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten Klaus Steiner, Grabenstätts Bürgermeister Georg Schützinger und Berufsfischern. Wie wiederholt berichtet, türmen sich dort angeschwemmtes Holz und Abfall – und niemand räumt es weg, weil im Naturschutzgebiet nichts verändert werden darf. Selbst Plastikkanister, deren Inhalt unbekannt ist, bleiben liegen.


Bei dem durch das Hochwasser Anfang Juni angeschwemmten Holz – Schätzungen gehen von einer Menge bis zu 100 000 Kubikmeter aus – handelt es sich zum größten Teil um bereits bearbeitetes Holz. Für Steinmaßl ist klar: Die fortschreitende Verlandung der Hirschauer Bucht durch derartige Mengen von bearbeitetem Holz, Müll sowie erodiertem Erdreich sei alles andere als eine natürliche Verlandung. »Der Raum vor dem Chiemsee ist alles Kulturlandschaft und das lädt man im Chiemsee ab«, so der Landrat. Man müsse den Unrat und das Holz entfernen, außerdem sei es notwendig, für die Zukunft ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, in das neben dem Naturschutzgebiet mit dem Achendelta auch der Oberlauf der Tiroler Achen mit einbezogen werden muss. Auch wenn das Ziel ein Gesamtkonzept sei, so müsse bezüglich des Mülls und des angeschwemmten Holzes so schnell wie möglich gehandelt werden. »Es gehört dringend aufgeräumt«, so Steinmaßl. Problem ist jedoch: Der Chiemsee gehört zwar zum Landkreis Traunstein, bezüglich des Naturschutzgebietes hat aber nicht der Landkreis, sondern die höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern das Sagen.

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Grabenstätt und Übersee »saufen ab«

Nach Ansicht von Klaus Steiner muss die Frage der Holz- und Müllablagerungen in der Hirschauer Bucht im Rahmen eines Hochwasserschutz-Gesamtkonzepts von Kössen bis zur Achenmündung diskutiert werden. Auch gegen die Verlandung müsse etwas getan werden. Wegen des aufgrund der Verlandung erhöhten Mündungsdeltas der Achen werden Grabenstätt und Übersee nicht mehr entwässert, wenn das so weiter gehe, »saufen die ab«. Er und Grabenstätts Bürgermeister Schützinger verwiesen in diesem Zusammenhang auch auf das Problem, dass die Gräben im oberen Bereich geräumt werden dürfen, nicht jedoch im Naturschutzgebiet.

Dass ein Gesamtkonzept, mit dem man die Verlandung des Chiemsees zwar nicht stoppen, aber verlangsamen könne, notwendig ist, darüber bestand ebenso Einigkeit wie zur Frage der Müllproblematik. Klaus Steiner und auch Heinz Wallner, dessen Frau Irmi den Fischereibetrieb »Thomafischer« in Chieming betreibt, wiesen darauf hin, dass niemand wisse, welche Stoffe sich in den geschätzt 1000 Kubikmeter Plastikmüll, der in der Hirschauer Bucht liegt, befinden. »Da kann Gefahrgut drin sein«, so Steiner. In diesem Zusammenhang kritisierte Wallner, dass die Schlösser- und Seenverwaltung hier nichts unternimmt: »Der Grundeigentümer ist untätig.«

»In- und außerhalb der Kernzone des Naturschutzgebietes liegen Unmengen an Holz und Unrat«, betonte Wallner und wies darauf hin, dass der Chiemsee und auch die Hirschauer Bucht seit der letzten Eiszeit Jahrtausende überstanden haben, aber innerhalb weniger Jahrzehnte eine von Menschenhand gemachte Verlandung das Aus der Bucht bedeute. Unverständnis zeigte Wallner in diesem Zusammenhang dafür, dass ein Landschaftspflegeunternehmen angeboten habe, das Holz aus dem Naturschutzgebiet gegebenenfalls kostenlos zu verwerten, vom Wasserwirtschaftsamt jedoch lediglich ein Antwortschreiben bekam, wonach seitens des Amtes »keine Entnahme von Schwemmholz aus dem Naturschutzgebiet im Bereich des Deltas der Tiroler Achen geplant ist«.

Diese Absage versteht auch der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Chiemsee, Thomas Lex, nicht. Man hätte mit dem Unternehmen zumindest darüber reden können, wie es sich das Vorhaben vorstellt. Lex hat eine klare Position: Das Holz und vor allem der Müll gehören weggeräumt, erklärte er gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Auch er verweist auf die möglichen Gefahren, die von dem Müll ausgehen. Niemand wisse, was sich in den Kanistern und Tonnen befinde. »Wenn was auskommt und es passiert etwas, dann ist der Naturschutz schuld«, so Lex in Anspielung darauf, dass im Naturschutzgebiet nichts verändert werden darf und deshalb auch der Müll dort bleiben muss. Lex: »Es muss auf jeden Fall etwas getan werden«, die zuständigen Stellen sollten sich schnellstens zusammensetzen.

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