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Erzählungen vom Leben auf der Alm

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Vom Leben auf der Alm berichtete die Krankenschwester, Bäuerin und Sennerin Martina Fischer zum Abschluss der Ausstellung »Almblumen und Kräuter« im Galerieraum. (Foto: T. Eder)

Grassau – Zum krönenden Abschluss der Ausstellung »Unsere Almen im Achental – Pflanzen und Kräuter« erzählte die Sennerin und Buchautorin Martina Fischer im Galerieraum aus ihrem Leben als »Almerin« und las aus ihrem Buch »Die Alm – ein Ort für die Seele«.


Romantisch und idyllisch wird das Leben auf der Alm oft beschrieben. Dass es sich aber um ein hartes, arbeitsreiches Leben handelt, das die Sennerinnen abgelegen von der Zivilisation führen, ist weniger populär. Was treibt aber nun eine junge Frau auf die Alm? Martina Fischer, gelernte Krankenschwester und Bäuerin, verbrachte bislang fünf Sommer auf der Alm, zunächst auf der Rampoldalm und die letzten zwei Jahre auf der Laubensteinalm. Mit leuchtenden Augen beschrieb sie die Aussicht an klaren Tagen und das Freiheitsgefühl so hoch oben, wenn sie auf die Täler blickt.

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Die Arbeit auf der Alm heute und früher sei nicht vergleichbar, sagte sie und erklärte ihre Hochachtung vor den Almleuten von früher. Den Sommer 2014, den sie nicht auf der Alm verbrachte, nützte sie, um ihre Erfahrungen, Erlebnisse, aber auch, um Rezepte niederzuschreiben. Wahrscheinlich ist das Buch auch der Sehnsucht nach der stillen Alm geschuldet. Zeitgleich habe sie eine Ausbildung in Kräuterheilkunde gemacht.

»Gras soll den Viechern ins Maul wachsen«

Die Kühe werden bei der Rampoldalm Mitte Mai aufgetrieben. »Das Gras soll den Viechern ins Maul wachsen«, sagt Fischer. Bis Ende September durfte das Vieh auf der Alm bleiben. Das Besondere am Almleben sei, dass man eine Arbeit nach der anderen machen könne und für jede Arbeit die Zeit habe. Da gebe es keine Ablenkung und nicht die Versuchung, mehrere Dinge gleichzeitig bewältigen zu wollen.

Die Stallarbeit gehöre zu den Hauptaufgaben, wie auch das Melken und Buttern. Aus der Magermilch wird Topfen und Hartkäse hergestellt. Zudem musste sie täglich das Vieh zählen, die Weideflächen begehen und Gestrüpp, wie auch Silberdisteln entfernen.

Natürlich gibt es auf der Alm auch tragische Ereignisse. So berichtete sie, wie eine trächtige Kuh abgestürzt war. Nach einem heftigen Gewitter geriet die Kalbin in Panik, stürzte ab und wurde 300 Höhenmeter tiefer tot gefunden. Mit einem Hubschrauber musste das tote Tier geboren werden. »Eine traurige Situation, die niemand erleben möchte, die aber auch zum Almleben dazu gehört«, erklärte sie. Wenn ein Tier abstürzt, gibt es zwei Möglichkeiten. Falls möglich, wird es »eingesteint« und damit der Natur übergeben. Liegt es aber in der Nähe eines Wanderwegs muss es abtransportiert werden.

Einen Almsommer lang nahm sie auch Ziegen mit auf die Alm. Ziegen seien aber nicht erziehbar. Bei einem Unwetter gelangten sie ins Haus – sie verwüsteten die Almhütte und hinterließen ein Chaos. Sie musste die Tiere wieder abgeben. Ihre Hühner durften bleiben und bekamen einen Stall mit automatischer Schließanlage, sodass das Federvieh nachts vor dem Fuchs in Sicherheit war.

Die Füchse stellten somit kaum eine Gefahr dar, wohl aber freilaufende Hunde. Eine Frau hatte ihre drei Hunde nicht angeleint, die das Federvieh bis zur Erschöpfung jagten. Mit Müh und Not konnte dem einen Hund der einst stolze Hahn entrissen werden. Was die Sennerin noch mehr entsetzte, war die Reaktion der Hundehalterin, die keinerlei Einsicht zeigte. Sie aber trauerte mit ihrem Federvieh, das ihr ans Herz gewachsen war.

2013 gab's Schneefall noch im Mai

Der Almsommer 2013 war ein besonderer. Sie sei am 16. Mai mit dem Vieh hinaufgegangen und bereits am 23. Mai kam der Schneeeinbruch. Der Schnee blieb lange und das Wasser wurde knapp und musste aus dem Dorf nach oben transportiert werden. Am 3. Juni wurde nur ein Grad gemessen, zwei Wochen später waren es bereits 30 Grad. Es folgte dann eine extreme Trockenheit und sechs Wochen lang regnete es nicht.

Das Aufkranzen der Tiere habe mehrere Bedeutungen. Zum einen werde nur aufgekranzt, wenn kein Tier zu schaden kam und auch im Haus des Bauern nichts passierte. Zum anderen stecke ein uralter Volksglaube dahinter. Man hoffte, mit dem bunten Schmuck die bösen Geister zu überlisten. Auch sollten die Kühe für Hexen unkenntlich gemacht werden.

Auf der Nachbaralm der Laubenstein-Hofalm gab es zwei Säue. Eine davon wurde von den Kühen »zerstoßen«. Zunächst wusste man das Erlebte nicht einzuordnen. Früher aber hatten Säue oft Kälber angegriffen und so wurde diese Sau als natürlicher Feind angesehen. Noch viele weitere Erlebnisse erfuhren die vielen Zuhörer. Abschließend sagte Martina Fischer: »Ich habe gelernt, Ruhe auszuhalten und zu genießen«.

Auch Dr. Hans Grabmüller, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins, war begeistert von dem schönen Ausklang der Ausstellung. Er lobte Stefan Kattari, ohne dessen Zutun die Ausstellung nicht so gelungen zu präsentieren gewesen wäre. Zudem hob er Hans Münch, der bei der Organisation geholfen habe wie auch Margarete Huber, die an zehn Sonntagen die Ausstellung offenhielt, hervor. Caroline Zeisberger, Leiter der Grassauer Bücherei, stellte den Kontakt zur Sennerin her. Somit traten bei dieser Veranstaltung die Bücherei und der Heimatverein zum ersten Mal gemeinsam auf. tb