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Erstochen und erschlagen im Ferienhaus in Aschau

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Der Angeklagte Josef O. (rechts) gestern im Gerichtssaal des Traunsteiner Landgerichts: Ein Polizist bewachte ihn. Der Ex-Wachtmeister muss sich wegen Raubmordes an einem Rentnerehepaar verantworten. (Foto: dpa)

Traunstein – Ein 58-jähriger Ruhestandsbeamter muss sich seit Donnerstag wegen Doppelmords aus Habgier an einem Ehepaar in dessen Ferienhaus in Aschau und wegen weiterer Delikte vor dem Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verantworten. In dem Prozess geht es auch um einen Überfall mit einem Messer auf zwei Frauen in Brannenburg. In beiden Fällen hatte es der 58-Jährige laut Anklage von Oberstaatsanwalt Jürgen Branz auf die EC-Karten samt PIN abgesehen, mit deren Hilfe er später insgesamt einige Tausend Euro an Geldautomaten erbeutete.


Der Angeklagte war bis zu seiner Pensionierung 1993 im Justizdienst in den Gefängnissen München-Stadelheim, Traunstein und Bernau tätig. Die Ermittlungen einer Sonderkommission der Kripo Rosenheim hatten nach dem Mord an dem 90-jährigen Sportarzt und seiner 65 Jahre alte Ehefrau zu dem 58-Jährigen geführt. Er zeigte der Polizei kurz nach seiner Festnahme am 12. Juni 2014 den Fundort der beiden Leichen, die er in einem Waldstück bei Samerberg abgelegt hatte.

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Der Angeklagte mit Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim zur Seite bestätigte am Donnerstag den Sachverhalt der Anklage weitgehend. Zu den Tatmotiven berief er sich auf »psychische Ursachen« und auf die ihm im März 2014 gerichtlich entzogene Betreuung seiner Mutter. Mit Geld habe alles nichts zu tun gehabt. Er sei am Vormittag des 9. Juni 2014 in das vorher ausgespähte Haus eingedrungen, habe nichts Stehlenswertes gefunden. Gegen Mittag hörte er das Ehepaar mit dem Auto kommen. Die beiden saßen in der Essecke, als er vom Keller her im Dunkeln auf sie zuging. Der 58-Jährige forderte EC-Karten und PIN. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem der Arzt zu Boden fiel. Die Frau folgte dem 58-Jährigen ins Schlafzimmer, wo dieser einen Autodachgepäckträger zusammen mit seinem Rucksack deponiert hatte. Die 65-Jährige wurde durch einen heftigen Schlag mit dem Gepäckträger an den Kopf schwerst verletzt und starb infolge eines Schädel-Hirn-Traumas und eines Abrisses der Halswirbelsäule.

Fünf Messerstiche in die Brust

Aus dem Rucksack griff der Täter ein ebenfalls mitgebrachtes Küchenmesser und stach dem Arzt fünfmal in die Brust. Der 90-Jährige verblutete. Auf Frage des Vorsitzenden Richters antwortete der Angeklagte: »Ich habe nicht gleich realisiert, dass sie tot sind.« Er habe eine halbe Stunde gewartet. Dann sei er auf einen »Erpresserbrief« gekommen: »Ich wollte den Verdacht ablenken.« Bei den Angehörigen – eine Schwester der 65-Jährigen ist Nebenklägerin in dem Prozess – entschuldigte er sich fast flüsternd: »Es tut mir leid.«

Den Überfall mit einem Messer am 24. November 2013 bestätigte er ebenfalls, auch, dass er eine der Frauen gezwungen habe, eine Flüssigkeit mit einem Medikament darin zu trinken: »Ich wollte, dass sie einschläft.«

Der Angeklagte deutete an, dass er unter Depressionen litt. 1993 trat er, dienstunfähig krankgeschrieben, in den Ruhestand. Seither verdiente er nie mehr Geld durch Arbeit, lebte von seiner Pension und einer Leibrente, die ihm seine Mutter überlassen hatte. Ab dem 18. Lebensjahr hatte er nach seinen Worten an der Börse spekuliert: »Im Jahr 2002 hatte ich über eine Million Euro auf dem Konto.« Davon habe er einen Kredit seiner Mutter für ein Doppelhaus in Brannenburg zurückgezahlt. Die Mutter lebte in der einen Hälfte, der 58-Jährige mit Familie in der anderen. 2012 wurde die Mutter pflegebedürftig, ihr Sohn zum Betreuer bestellt. Als Verwandte Vorwürfe in Richtung Untreue erhoben, bestellte das Betreuungsgericht im März 2014 einen Rechtsanwalt als Betreuer. Dieser strengte eine Zivilklage an – wegen rund 270 000 Euro, die der Sohn zu Unrecht vom Konto der Mutter abgehoben habe.

Sprach der Angeklagte in seiner Anhörung extrem leise und ließ sich jedes Wort »aus der Nase ziehen«, so änderte sich das, als es um den Betreuungsstreit wegen der Mutter ging. Er äußerte »Hass auf die Justiz« und weitere Personen, redete ohne Pausen, schrie zwischendurch laut auf und brach in Tränen aus. Wörtlich sagte er: »Wahnsinnig seid’s Ihr! Die Mutter hab ich auch noch verloren. Der Rechtsanwalt hat alles aus Hass gemacht.« Er beteuerte, alle Unterschlagungsvorwürfe widerlegt zu haben. Und weiter: »Ohne die Betreuungssache wäre es nicht zur Tat gekommen.« – Das Verfahren wird am 5. und 10. Februar sowie am 3. und 5. März, jeweils um 9 Uhr, fortgesetzt. kd