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Erstmals ist der »Chiemgauer Zehnerzug« dabei

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Der »Chiemgauer Zehnerzug« stellt eine Besonderheit beim Georgiritt am Sonntag in Stein dar. (Foto: Andrea Reitthaler)

Traunreut – Der traditionelle Georgiritt von Stein nach St. Georgen findet am Sonntag statt. Erstmalig ist heuer der »Chiemgauer Zehnerzug« mit dabei, ein Gespann von zehn Pferden, das einen Wagen zieht.


Der Ritt zu Ehren des heiligen Georg wurde nachweislich schon vor über 300 Jahren durchgeführt. In früheren Zeiten fand er immer am Namenstag des Heiligen am 23. April statt, inzwischen hat er am zweiten Sonntag im April seinen Stammplatz im Kalender. Getreu den alten Aufzeichnungen wird die Reihenfolge beim Ritt heutzutage noch genauso wie anno dazumal eingehalten. Eine Besonderheit gibt es dieses Jahr jedoch mit dem Gespann von zehn Pferden. Einen »Chiemgauer Zehnerzug« gab es bereits in den 1980er Jahren. Damals suchte man für das Programm der Veranstaltung »Bayern-Pferd« eine Besonderheit und es fanden sich bereitwillige Pferdebesitzer, die ihre Rösser zusammen einspannten. Zehnerzüge gibt es in verschiedenen Regionen. Ein Zehnerzug aus dem Berchtesgadener Land war beispielsweise beim historischen Oktoberfest zum 200-jährigen Wiesenjubiläum in München zu sehen. Bekannt ist auch der »Rottaler Zehnerzug« beim Karpfhamer Fest.

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Die Besonderheit und Einzigartigkeit beim Gespann aus dem Chiemgau ist jedoch, dass die Tiere nicht vom Kutschbock aus gelenkt werden. Vielmehr sitzen vier Männer im Sattel, von denen jeder die Zügel von zwei Pferden hält. Lediglich der fünfte und letzte Rosserer sitzt auf dem Wagen und lenkt von dort. Bis vor mehr als 15 Jahren war der »Chiemgauer Zehnerzug« bei diversen Veranstaltungen in unserer Region zu sehen, unter anderem beim Fritz-Seiler-Gedächtnis-Turnier und einigen Umritten. Dann wurde es still um das Gespann, die Aktivitäten schliefen ein. Matthias Hartl aus Gansfelden bei Palling, zweiter Vorsitzender des Steiner Georgivereines, und Hans Marx aus Feichten kamen beim Zehnertreffen im Leitzachtal vor zwei Jahren auf die Idee, diesen Zehnerzug wiederzubeleben, und fanden auch schnell Mitstreiter. Die beiden sind mit je zwei Pferden dabei, ebenso Franz Ramstötter jun. aus Surberg, Michael Lapper aus Taching und Georg Sperger aus Trostberg. Eingespannt sind nur Kaltblüter, zwei Braune ganz vorne und acht Fuchsen dahinter.

Für ihren Einsatz beim Georgiritt am Sonntag mussten die fünf Pferdehalter mehrmals proben. Sie begannen mit vier Pferden, die sich aneinander gewöhnen mussten, erhöhten dann auf sechs und schließlich zehn Tiere. »Seit Dezember sind wir schon damit beschäftigt«, erzählt Matthias Hartl. Es sei nicht so einfach, den Zug zu leiten, »da müssen alle aufeinander aufpassen und sich einfügen«. Auf dem von den schweren Pferden gezogenen Wagen wird die Musikkapelle von Altenmarkt Platz nehmen. Der stellvertretende Vorsitzende freut sich, dass der Verein gerade zum 30. Ritt nach der Wiedergründung im Jahr 1983 mit dieser Besonderheit aufwarten kann.

Für Sonntag hofft der Vorstand auf schönes Wetter und viele Besucher entlang der Strecke. Wie üblich wird sich der Zug um 14 Uhr in Stein in Bewegung setzen. Bereits während der Aufstellung spielen im Steiner Schlosshof und davor drei Musikkapellen auf. Der Zug führt dann über Fasanenjäger und Anning nach St.  Georgen, wo er von der Georgi-Bruderschaft in Empfang genommen wird. Am Kirchplatz in St. Georgen werden Pferde und Reiter gesegnet. Im Anschluss an den Ritt und einer kurzen Andacht in der Pfarrkirche von St. Georgen sorgt die Freiwillige Feuerwehr Stein im Bierzelt neben dem Feuerwehrhaus für die Verpflegung der Ritt-Teilnehmer und Besucher. mix