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Erstmals Böcke für über 1000 Euro versteigert

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14 Zuchtböcke des Alpinen Steinschafs auf dem zweieinhalbstündigen Weg von der Kleinrechenbergalm (1465 Meter) in den Wössner Kurpark (560 Meter). Sie waren die »Hauptdarsteller« beim Volksfest rund um ihre Bewertung und Versteigerung.

Unterwössen – Volksfeststimmung brachte nun schon zum achten Mal der jährliche Schafabtrieb von heuer 14 Böcken des Alpinen Steinschafs von der Kleinrechenbergalm.


Über 1000 Besucher nahmen sich im Kurpark Unterwössen die Zeit für das Geschehen rund um die Tiere oder für die gemütliche Runde bei Musik vor dem Musikpavillon. Die Versteigerung der Zuchtböcke brachte sensationelle Preise. Kratzten die besten Böcke der Zuchtklasse I in früheren Jahren an 800 Euro, wechselte heuer der Spitzenbock für 1450 Euro den Besitzer.

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Für die Schäfer und ihre Helfer, darunter eine ganze Reihe Kinder, hatte der Tag früh begonnen. Während die eine Hälfte die Kleinrechenbergalm auf 1465 Metern winterfest machte und den Schafzaun umlegte, begann die andere mit den Kindern den Abtrieb der 14 Schafböcke hinunter ins Tal. Gut zweieinhalb Stunden dauerte es bis in den Unterwössner Kurpark.

Während ein Teil der Zuschauer auf den Bänken vor dem Musikpavillon Platz nahm und dem Standkonzert der Musikkapelle Wössen unter Leitung von Franz Glanz lauschte, interessierten sich die anderen für die Körung der Steinschafe. Die federführende Bayerische Herdbuchgesellschaft für Schafzucht, Grub, hat sich zur Aufgabe gesetzt, mit dem Alpinen Steinschaf ein anpassungsfähiges, widerstandsfähiges, robustes Schaf zu züchten. Es soll vor allem für die rauen Lagen des Hochgebirgs gerüstet sein, ausgezeichnete Trittsicherheit, beste Muttereigenschaften, Langlebigkeit sowie hohe Fruchtbarkeit und Aufzuchtleistung mitbringen. Dieses Ziel zu erreichen, dient die Körung, die Auswahl der Tiere zur Zucht.

Die Bewertung der Tiere oblag der Körkommission, Josef Rebitzer von der Bayerischen Herdbuchgesellschaft und Heinz Gerstner aus der Gesellschaft alter und gefährdeter Haustierrassen. Rebitzer züchtet Waldschafe in Hemau, Gerster betreibt einen Bioland- und Arche-Hof in Thalmässing. Während die beiden Züchter die Tiere eingehend begutachteten, begleitete Dr. Christian Mendel vom Bayerischen Amt für Landschaftspflege (LFL) das Geschehen mit einer Fülle von Informationen für die Zuschauer.

Von ihm erfuhr das Publikum mehr über das Projekt: Die ungefähr drei Hektar große Kleinrechenbergalm war früher mit Rindern bestoßen worden. Für eine große Schafherde sei sie nicht geeignet, dafür bestens für das Projekt mit jährlich rund 15 Spitzenböcken. Besonders sei dabei heuer gewesen, dass jeder der Böcke von einem anderen Vater stammte, was für die besondere Vielfalt spreche. Jeder der Züchter, so Dr. Mendel, dürfe auf eigene Kosten und Gefahr nur einen Bock für den Almsommer stellen. Das sei immer sein Spitzenbock. Beim Auftrieb würden die Merkmale der Schafböcke erfasst. Wenn die Tiere dann unter gleichen Bedingungen vier Monate auf der Alm blieben, biete sich ein objektiver, vergleichbarer Aufschluss über den Schafbock und seine Zuchtmerkmale.

Im Anschluss an die Körung wurden die zehn Schafböcke der Wertungsklasse I im Gatter entsprechend der Bewertung gereiht. Da erwies sich, was Dr. Mendel, bereits angekündigt hatte. Es war heuer ein besonders guter Sommer für die Tiere.

So spannend wie heuer war die Versteigerung noch nie. Der beste Bock, Alonso aus der Zucht von Markus Zieher-Kaiser, hatte die Körkomission mit Spitzenpunktzahlen in allen Merkmalen überzeugt. In der Zuchtklasse I begann die Auktionatorin Andrea Kaufmann, Agraringenieurin mit eigener Schaf- und Pferdezucht in Kirchroth, Niederbayern, bei 300 Euro. Viele Gebote später standen sich dann zwei bietende Damen am Gatter gegenüber und überschritten erstmals in Unterwössen das 1000-Euro-Gebot. Und als dann die eine passte, sprang plötzlich ein Neubieter ein. Erst bei 1450 Euro erfolgte der Zuschlag. Dem zweiten Bock Grouchot ging es nicht viel anders. Erst bei 1050 Euro wechselte er den Eigentümer. Auch die anderen Tiere der Wertungsklasse I wechselten zu ansehnlichen Preisen.

Spaßgebot ging beinahe ins Auge

Dann auf einmal erneute Aufregung. Hatten zuvor zwei Jugendliche immer wieder Spaßgebote in den Ring geworfen, bekamen sie jetzt eine deutliche Ermahnung der Auktionatorin. Das hielt einen jungen Erwachsenen einer Reisegruppe junger Trachtler aus Steingarten im Pfaffenwinkl nicht ab. 340 Euro warf er ein keckes Gebot in die Runde. Sah er sich zuerst noch auf der sicheren Seite schnell überboten zu werden, wurde er kurz darauf sehr nachdenklich. Er erhielt nämlich den Zuschlag. Nein, von Schafzucht habe er keine Ahnung, gestand er auf Nachfrage bedrückt ein.

Doch auch die Geschichte hatte ein Happy-End. Ein junger Schafzüchter hatte sich mit Bedacht eine Höchstgrenze von 400 Euro für seine Wahlböcke gesetzt. Jedes Mal war er überboten worden. Als nun der an den Steingartner versteigerte Bock noch einmal aufgerufen wurde, gelang ihm endlich ein Zuschlag.

Auf die Frage, warum die Versteigerung heuer so hohe Preise brachte, meinte Dr. Mendel, das sei der hohen Nachfrage nach den Zuchtböcken zuzuschieben. Eine Züchterin aus Sachsen-Anhalt mit einer Herde von 500 Schafen ersteigerte gleich mehrere Zuchtböcke. Sie möchte in Zukunft auf das Alpine Steinschaf setzen.

Am Ende lautete das Fazit der Organisatoren einhellig: Es war eine großartige Veranstaltung. Der Förderverein der Musikkapelle, der sich mit viel Einsatz und Helfern um das Wohl der Gäste sorgte, war trotz Nachlieferung ausverkauft. Und am Ende gab es auch keinen Kuchen mehr. Die Besucher hatten bis in den Abend ausgehalten. Das war auch der Wössner Tanzlmusi zu danken, die ab Nachmittag aufspielte. lukk