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Erster Roman mit 16: »Es ist fast unwirklich«

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»Ich schreibe ständig was«: Jungautorin Julia Schweiger mit ihrem Erstlingswerk »24 Lieder«. Die junge Rettenbacherin besucht die elfte Klasse des Chiemgau-Gymnasiums. (Foto: Schwaiger)

Traunstein. Wovon andere ein Leben lang vergeblich träumen, das hat Julia Schweiger mit nur 16 Jahren auf Anhieb geschafft: Die Deutsche Literaturgesellschaft in Berlin hat ihren 300-seitigen Roman »24 Lieder« veröffentlicht. Die Gymnasiastin aus Rettenbach überrascht in ihrem Erstlingswerk mit einem originellen Stoff und feinem Sprachgefühl.


»Es war fast unwirklich, das erste Exemplar in der Hand zu halten«, erzählt Julia Schweiger. Ein wenig scheint es fast so, als hätte sie immer noch nicht ganz begriffen, dass ein Buchverlag das gedruckt hat, was sie als 15-Jährige zu Hause in ihrem Jugendzimmer geschrieben hat.

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»Ich schreibe ständig was«, sagt die Jungautorin, »aber daraus wird oft nichts.« Eigentlich, so erzählt sie, habe sie noch nie eine Geschichte zu Ende erzählt. Mit »24 Lieder« ist ihr das erstmals gelungen. »Obwohl ich dachte, dass ich's auch diesmal wieder nicht schaffen werde.« Doch die Eltern sprachen ihrer Tochter Mut zu, trieben sie an, den Roman fertig zu schreiben. »Wenn ein Kapitel fertig war, durften wir es lesen«, erzählt ihre Mutter. »Und irgendwann war der Wunsch da zu wissen, wie das alles aufhört.«

Tatsächlich überzeugt »24 Lieder« gleich zu Beginn mit einer originellen Idee: Die 16-jährige Sarah, Hauptfigur des Romans, bekommt von ihrer Oma am 1. Dezember einen »musikalischen Adventskalender« geschenkt: eine Kassette, bespielt mit 24 Liedern, allesamt Oldies aus den sechziger und siebziger Jahren. Ob Streit mit den Eltern, Stress mit den Freundinnen oder romantische Treffen mit der ersten großen Liebe – bis zum Heiligen Abend begleiten Sarah die Songs, die jedes Mal wie geschrieben für den jeweiligen Tag erscheinen.

»Ich wollte unbedingt etwas schreiben, was mit Musik zu tun hat« – Autorin Julia Schweiger ist selbst ein großer Fan der Musik, mit der ihre Eltern groß geworden sind. Die Beatles sind ihre Lieblingsband. Da lag es für sie auf der Hand, ihre beiden Leidenschaften, die Musik und das Schreiben, miteinander zu verbinden.

Fünf Monate lang dauerte es, bis die Schülerin ihren 300-seitigen Roman fertig hatte. Auf Initiative ihrer Eltern und auf den Rat einer heimischen Verlegerin schickte Julia Schweiger ihr Manuskript an die Deutsche Literaturgesellschaft in Berlin, einen Verlag, der gezielt junge Autoren fördert. »Ich hätte nie mit einer Veröffentlichung gerechnet«, erzählt die 16-Jährige. Sie habe sich eigentlich nur eine Kritik erhofft, ein paar Tipps, wie sie besser werden könne.

Dass ihr Roman jetzt mit einer Auflage von 1500 Stück gedruckt ist, der Verlag »24 Lieder« sogar auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat, das hätte sich Julia Schweiger nicht erträumen lassen – und trotzdem ist es wahr geworden. »Wir sind total stolz auf unsere Tochter«, sagt ihre Mutter. Sie und ihr Mann geben das Buch ihrer Tochter an Freunde und Bekannte weiter, die Autorin selbst ist ganz zurückhaltend. »Ich hab's nur meinen Freundinnen gezeigt«, sagt sie. san

Julia Schweiger: »24 Lieder«, Deutsche Literaturgesellschaft, Berlin, 300 Seiten, ISBN 978-3-86215-272-8.