Corona-Test
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Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Erster Corona-Fall: Die Geschichte eines ganz besonderen Notrufs

Ein ganz besonderer Notruf traf am 30. Januar 2020 um 18.48 Uhr von einer Familie in Siegsdorf ein. Eine Frau teilte mit, der Zustand ihres Mannes habe sich massiv verschlechtert. Eine notfallmäßige Behandlung sei erforderlich. Über das Telefon war das Husten mehrerer Personen zu hören. Das war der erste bekannt gewordene Corona-Fall in Südostbayern. Letztlich musste eine fünfköpfige Familie, von der vier an Corona erkrankt waren, unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen ins Kreisklinikum Trostberg transportiert werden. Die gute Nachricht war: Etwa zwei Wochen später konnten alle fünf genesen entlassen werden.


Mit diesem ersten Corona-Fall zu tun hatten Joaquin Kersting, Oberarzt am Krankenhaus Trostberg, und Hubert Pilgram. Sie übernahmen später im Zug der Corona-Pandemie abwechselnd Verantwortung als »Ärztlicher Leiter Krankenhauskoordinierung«. Aktuell ist Pilgram Kerstings Stellvertreter. Ende Januar 2020 war Covid-19 noch ein völlig neues Thema. Beide Ärzte hatten nach ihren Worten damit bis dahin »keinerlei Erfahrung«. Zwei Jahre später seien derartige Einsätze »Routine«. Hauptaufgabe eines »Ärztlichen Leiters Krankenhauskoordinierung« ist, Patientenströme zu steuern.

Kersting und Pilgram sind zum Beispiel befugt, Kliniken bei Bedarf Patienten zuzuweisen und das Verlegen von Patienten in andere Krankenhäuser zu veranlassen. Wichtiger Partner ist dabei stets die ILS Traunstein. Die Leitstelle verfügt über die tagesaktuellen Fakten zum Stand in den Notaufnahmen und die Belegung der Intensivstationen in den einzelnen Kliniken. Joaquin Kersting und Hubert Pilgram sehen die Leitstelle »sehr gefordert durch eine hochkomplexe Aufgabe«. Hinzu kämen komplizierte Krankentransporte von Corona-Patienten in teils weit entfernte andere Krankenhäuser.

Die zwei Ärzte berichteten, in der dritten Corona-Welle seien aus dem Raum Berchtesgadener Land wegen überlasteter Intensivbetten viele Patienten in Einrichtungen in den Landkreisen Altötting und Mühldorf verlegt worden. In der vierten Welle seien zwischen Oktober und Dezember 2021 beispielsweise Reha-Kliniken für an Corona erkrankte Normalpatienten zur Entlastung herangezogen worden.

55 Covid-Patienten mussten verlegt werden

Vor allem ein Problem seien in der Zeit Betten für Intensivpatienten gewesen. Insgesamt 55 Personen hätten in Kliniken außerhalb der Region gebracht werden müssen. 49 Frauen und Männer davon seien auf Häuser in ganz Bayern verteilt worden, sechs Patienten nach dem Kleeblattprinzip in Kliniken wie Kiel, Delmenhost und Essen. Schwierig gestaltet hätten sich die Intensivtransporte auf dem Boden- und dem Luftweg – nicht nur wegen der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen, sondern auch wegen des vielen Nebels im vergangenen November, betonten die beiden Ärzte. Glücklicherweise habe sich die Situation bei den Intensivbetten seit Weihnachten 2021 entspannt.

Zwei große Herausforderungen stellten sich den »Ärztlichen Leitern Krankenhauskoordinierung« in den vergangenen beiden Jahren – einen Platz für jeden der schwerkranken Patienten zu finden und den Transport zu organisieren. Übereinstimmend meinten Joaquin Kersting und Hubert Pilgram: »Wir haben es geschafft, die Individualversorgung aufrecht zu erhalten. Wir mussten keine einzige Triage durchführen – auch wenn wir einmal kurz davor standen.« Zusammen mit allen anderen Beteiligten wie Regierung von Oberbayern, Gesundheitsamt, Leitstelle, Rettungsdienst und Kliniken habe man »sehr, sehr vielen Menschen helfen können«. Bilder wie in Bergamo habe es im Rettungsdienstbereich Traunstein mit den vier Landkreisen nie gegeben.

Andererseits wolle man Zustände wie im November 2021 »nie mehr erleben«. Sie seien »an die Grenzen gegangen«. ILS-Geschäftsführer Josef Gschwendner schloss sich an und betonte namens aller Helfer bei der Bewältigung der Corona-Pandemie: »So schwierig die letzten Jahre waren, so haben uns doch die Ereignisse noch stärker zusammengeschweißt.«

kd

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