weather-image
19°

Erste Schritte zu einer neuen Kirchenorgel in Schleching

2.7
2.7
Bildtext einblenden
Das Orgelspiel von Matthias Wittmann wurde auf der Leinwand in den Kirchenraum übertragen, sodass die Besucher des Benefizkonzerts der Musik nicht nur lauschen konnten, sondern auch sahen, wo die Probleme bei der alten Orgel liegen. (Foto: Wunderlich)

Schleching - Nachdem vor einigen Wochen die Projektgruppe »Orgel für Schleching« ins Leben gerufen wurde, haben die Mitglieder jetzt einen weiteren Schritt in Richtung neuer Orgel getan: mit einem Benefizkonzert in der Pfarrkirche St. Remigius.


Die alte Orgel der Pfarrkirche kann nicht repariert werden. Das wurde in mehreren Gutachten aus dem Jahr 2009 und 2013 von Professor Friedemann Winklhofer, Orgelsachverständiger des Amts für Kirchenmusik im erzbischöflichen Ordinariat München, bescheinigt. Das sollte den Besuchern via Videoprojektion beim Benefizkonzert vorgeführt werden. Die Idee dazu hatte Dr. Bernhard Wittmann, Mitglied der Projektgruppe. Seit fast 50 Jahren verbringt er mit seiner Familie regelmäßig die Ferien in Schleching.

Anzeige

Leinwandübertragung beeindruckte die Besucher

Da Kirchenbesucher in der Regel keine Möglichkeit haben, einem Organisten beim Spielen zuzusehen, fanden die Zuschauer die Übertragung auf der Leinwand beeindruckend. Bernhard Wittmann erläuterte die Zwickmühle, in der sie steckten – einerseits ein schönes Konzert zu geben, andererseits die schweren Mängel der Orgel zu demonstrieren. Er lobte die Kirchenmusikerin Maria Blank, dass sie bei den Gottesdiensten von den 16 Registern nur die noch wohlklingenden Register verwende, um so die Kirchenbesucher vor den schrillsten Klängen zu bewahren.

Hauptursache für den desolaten Zustand der Orgel sei, dass in den 50er Jahren, als die Orgel geplant und gebaut wurde, aus Kostengründen an der Qualität der Materialien gespart wurde. Dazu kommt, dass damals pneumatische Spieltrakturen gebaut wurden. Das bedeutet, die Tasten betätigen nur kleine Steuerventile. Diese lassen oder entlassen die Luft durch lange, dünne Bleirohre. Damit werden weitere Ventile gesteuert, die letztlich dafür sorgen, dass die Pfeifen erklingen. Der große Nachteil dieses Übertragungssystems ist die Verzögerung zwischen Tastendruck und Pfeifenansprache.

Heute werden Orgeln wieder wie vor 200 Jahren mit einer mechanischen Verbindung von den Tasten zu den Ventilen gebaut. Sie erlauben dem Organisten ein präzises Spiel. Orgeln, die nach dieser alten handwerklichen Kunst gebaut werden, »funktionieren dann auch wieder 200 Jahre oder mehr«, so Dr. Bernhard Wittmann. Zusammen mit dem Orgelbaumeister Michael Stumpf aus Bad Kissingen erläuterte er, warum eine Restaurierung der jetzigen Orgel hinausgeworfenes Geld wäre. Stumpf war gerade zufällig auch im Urlaub in Schleching. Als regelmäßiger Gast hatte er die Probleme mit der Orgel schon viele Jahre verfolgt.

Großer Aufwand rechtfertigt Neuanschaffung

Pneumatische Trakturen können nur mit großem Aufwand wiederhergestellt werden, erläuterten die Experten. Es wurde der weiße Belag an den Orgelpfeifen im Bereich des Fußlochs gezeigt, der sogenannte »Bleizucker«, der die Pfeifen mit der Zeit auflöst. Außerdem wurde auch noch Schimmelbefall entdeckt.

Nach all diesen Erläuterungen konnte sich das Publikum trotzdem an den dargebotenen Stücken von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Antonin Dvorák an Orgel und Violine erfreuen. Gespielt haben die Söhne von Bernhard Wittmann, Matthias an der Orgel und Andreas an der Violine.

Abschließend erinnerte Dr. Bernhard Wittmann daran, dass die Schlechinger schon vor fast 300 Jahren, als das Gotteshaus gebaut wurde, viel Kraft dafür aufgewendet haben, es in der langen Zeit immer wieder renoviert und in guten wie in schlechten Zeiten erhalten haben, hier getauft wurden, geheiratet haben, verabschiedet und begraben wurden. »Ich hoffe, Sie können alle zustimmen, wenn ich sage, dass diese herrliche Barockkirche auch für die nächsten Jahrhunderte ein angemessenes Instrument verdient hat.«

Neue Orgel kostet etwa 250 000 Euro

Um eine neue Orgel bauen zu lassen, sind 250 000 Euro nötig. Mit 752 Euro, die die Besucher an diesem Abend spendeten, ist ein Anfang gemacht. Gespendet werden kann auch auf das Konto der Kirchenstiftung St. Remigius in Schleching bei der Volksbank-Raiffeisenbank, Kontonummer: DE 56 7116 0000 0109 0104 59, BIC: GENODEF1VRR, Verwendungszweck: Orgelpfeifenpatenschaft. wun

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen