weather-image
23°

Erste Hilfe nach giftigen Schwammerln

3.0
3.0
Bildtext einblenden
So sollte es nicht sein – der Schwammerlsammler landet nach dem Verzehr von giftigen Pilzen im Rettungswagen. Doch immer wieder kommt es zu Pilzvergiftungen. Um im Falle eines Falles richtig zu handeln, sollte man die Tipps des Roten Kreuzes beachten.

So mancher Schwammerlsucher im Chiemgau hat heuer schon reiche Beute gemacht. Doch neben Steinpilzen, Reherln und Maronen landen auch immer wieder giftige Pilze im Korb und auf dem Teller. Je nach Menge und Art des Pilzes kann ihr Verzehr im schlimmsten Fall zum Tode führen. Der Kreisverband Traunstein des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) gibt deshalb Hinweise, woran eine Vergiftung zu erkennen und wie wirksam Erste Hilfe zu leisten ist.


Symptome innerhalb der ersten vier Stunden

Anzeige

Wolfgang Raufeisen, Chefausbilder für Erste Hilfe im Traunsteiner BRK, erklärt die ersten Anzeichen einer Pilzvergiftung: »Es können sich Übelkeit, Krämpfe und Erbrechen, Schweißausbrüche, geistige Verwirrtheit, Unruhe oder Schläfrigkeit einstellen.« Die Symptome würden innerhalb der ersten vier Stunden nach dem Verzehr der Pilze auftreten. Solche Beschwerden können bereits eine schwere Vergiftung als Ursache haben. »Dann drohen Organschädigungen und es besteht akute Lebensgefahr.«

Beim Verdacht einer Pilzvergiftung sollte sofort Hilfe über die Notrufnummer 112 angefordert werden. Auch die Giftinformationszentrale unter der Nummer 089/19 240 kann wichtige Hilfestellungen geben. Wichtig sei es, den Betroffenen anzusprechen und zu beruhigen und behutsam Fragen zu stellen. Wann wurde welche Pilzart verzehrt und wann sind die ersten Beschwerden aufgetreten? Der BRK-Rettungsdienst benötige diese Informationen zur schnellen und wirksamen Versorgung des Betroffenen, sowie möglichst genaue Angaben über Ursache und Verlauf der Vergiftung sowie über Art, Zustand, Lagerung und Transport der Pilze.

»Verwenden Sie keine Hausmittel«

»Verwenden Sie keine Hausmittel wie etwa Milch«, ermahnt Raufeisen. »Sollte der Betroffene sich erbrechen, geben Sie ihm dabei Hilfestellung. Führen Sie jedoch kein zusätzliches Erbrechen herbei. Stellen Sie das Erbrochene, wie auch Reste der Mahlzeit sicher und übergeben Sie sie dem Rettungsdienst.« Die Beschriftung der Tüte mit Namen, Datum und Inhalt erleichtere die Arbeit im Labor. Zudem sollte der Ersthelfer nach Möglichkeit Schutzhandschuhe tragen.

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sollte immer wieder Atmung und Bewusstsein überprüft sowie den Patienten beruhigt. Ist er bewusstlos, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht und zugedeckt werden. Bei fehlender normaler Atmung und nicht erkennbaren Lebenszeichen beginnt der Ersthelfer mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (30-mal Herzdruckmassage und zweimal Atemspende im Wechsel.) Raufeisen: »Drücken Sie bei der Herzmassage mit dem Handballen das Brustbein etwa fünf bis sechs Zentimeter tief ein, und zwar mehr als dreimal alle zwei Sekunden.«

Häufigste Ursache für Pilzvergiftungen ist die falsche Bestimmung oder die Verwechslung von Pilzarten. Deshalb sollte der Pilzsammler nichts essen, was nicht eindeutig bestimmbar ist. Günstig ist es, die Pilze in einem gut belüfteten Korb zu transportieren und zu lagern, denn in Plastiktüten können sich Pilze schnell zersetzen.

»Pilze sollten möglichst schnell verwertet werden, denn verdorbene Pilze lösen eine Lebensmittelvergiftung aus. Achten Sie auf die richtige Zubereitung und ausreichende Garzeiten, nur wenige Pilze darf man roh verspeisen«, ergänzt Raufeisen.

Sollte sich jemand unsicher fühlen, ob er im Ernstfall wirklich schnell und effektiv helfen kann, empfiehlt ihm Raufeisen dringend, seine Kenntnisse in einem Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen.