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Erste Hilfe für Minderjährige in der Litzelau

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Neun neue Plätze für Kinder und Jugendliche, die das Jugendamt aus ihren Familien heraus in Obhut nimmt, schafft Ulrike Duda derzeit am Campingplatz Litzelau. (Foto: Flug)

Unterwössen – Die wachsende Zahl Minderjähriger in verzweifelten Lebenssituationen ist Antrieb für die Oberwössnerin Ulrike Duda, 500 000 Euro für Hilfe in die Hand zu nehmen und ihr Angebot auszubauen. Sie betreut Betroffene, die das Jugendamt aus Gründen des Jugendschutzes aus ihren Familien in Obhut nimmt. In enger Zusammenarbeit mit Gemeinde, Landkreis und Regierung von Oberbayern schafft sie in der Litzelau bis zu neun weitere Plätze, an denen Minderjährige Schutz finden und erste Schritte in eine sichere Zukunft gehen können.


Bundesweit steigen die Zahlen kräftig an

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Hatten sich die amtlichen Inobhutnahmen zwischen 1997 und 2001 bundesweit bei 31 500 Fällen eingependelt, bis 2005 sogar auf 25 664 reduziert, steigen sie seitdem wieder kräftig an. 2014 verzeichnet das Bundesamt für Statistik 48 059 Fälle. Der Zeitraum der Inobhutnahme soll genutzt werden, für den jungen Menschen eine Perspektive zu finden. Obhut finden Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien und Heimen, die sich in Verträgen mit Jugendämtern und Landesregierung verpflichten, sich für solche Notfälle bereitzuhalten.

In den seltensten Fällen hat das Kind oder der Jugendliche Straftaten begangen. Weit überwiegend entsteht die Notlage durch Überforderung der Eltern (17 215 Fälle 2014), weil es ihn als unbegleiteten Minderjährigen aus dem Ausland nach Deutschland verschlagen hat (11 642), weil es Beziehungsprobleme gab (6837) oder wegen Vernachlässigung (4785). Kindesmisshandlungen lagen mit 3831 Fällen an fünfter Stelle.

Notlagen werden meist über Dritte gemeldet

Meist melden Dritte solche Notlagen, etwa Verwandte, Betreuer oder Polizei (36 612). In 11 447 Fällen baten die Kinder und Jugendlichen selbst das Jugendamt um Hilfe. Verlangen die Sorgeberechtigten die Rückkehr der Kinder, entscheidet das Familiengericht.

Zu den Fachleuten gehört nun schon seit zwölf Jahren Ulrike Duda. Sie leitet in Oberwössen den Campingplatz Litzelau. Seit zwölf Jahren betreut die Erzieherin in dem zum Campingplatz gehörenden Wohnhaus bis zu fünf ständig wechselnde Kinder und Jugendliche in privater Trägerschaft. Weil sie wachsenden Bedarf sah, nimmt sie nun nach einem zähen Genehmigungsverfahren mit ihrem Lebensgefährten Christian Schmid 500 000 Euro in die Hand, um das Angebot auszudehnen.

Zunächst sorgte sie für die völlige Trennung von Wirtshaus Litzelau, Campingplatz und sozialer Einrichtung. Im abseits des Campingplatzes gelegenen Gelände hinter der Gaststätte bieten Umbau und Erweiterung zweier ehemaliger Garagen und der Kegelbahn die Grundstruktur für die neuen Räume. Im Rahmen der Antragstellung hat Duda ein 16-seitiges, pädagogisches Konzept ausgearbeitet, das das Ziel der Anlage festlegt. Es regelt die Zusammenarbeit mit Eltern, Vormund und Bezugspersonen.

Das Projekt ist privat finanziert

Der Umbau wird diesen Sommer fertig. Das Objekt ist privat finanziert, Zuschüsse gibt es nicht. Es entstehen sechs Zimmer, die auch als Zweibettzimmer genutzt werden können, mit je rund 20 Quadratmetern, Dusche und WC. Hinzu kommen ein Doppelzimmer, ein Einzelzimmer und ein Erzieherzimmer. Für Kleinkinder gibt es eine Spielfläche, für Größere und Jugendliche Aufenthaltsraum und Fernsehzimmer. Integriert sind Küche, Esszimmer und Wohnzimmer sowie Nebenräume. Der Garten bietet eine große Terrasse, Grill- und Spielplatz. Im Nebenhaus entstehen ein Therapie- und Besprechungszimmer, ein Einzelzimmer und ein größeres Bad.

Die Anlage steht nicht jedem bedürftigen Jugendlichen offen – es gibt Ausschlusskriterien. Kinder und Jugendliche mit gravierenden körperlichen, geistigen oder Sinnesbehinderungen werden nicht aufgenommen. Auch für selbst- und fremdgefährdende Kinder und Jugendliche ist kein Raum. Suchtkranke oder Insassen, die durch kriminelles und gewalttätiges Handeln aufgefallen sind, sind ebenfalls ausgeschlossen.

Die Belegung ist für bis zu 14 Minderjährige ausgelegt, die rund um die Uhr betreut werden. In der Beruhigungsphase sollen die Kinder persönliche Sicherheit erfahren und sich an einen Tagesrhythmus gewöhnen. Sie sollen sich in die Wohngruppe integrieren und die klaren Regeln übernehmen. In der nachfolgenden Phase geht es mit externen Fachleuten um die Klärung der Zukunft, die Analyse der bisherigen Probleme und die Ermittlung von Lösungen. Das pädagogische Konzept sieht auch ein Beschwerdemanagement für die Insassen und bei Bedarf eine Krisenintervention vor. Duda stellt im Rahmen der Erweiterung sechs neue Mitarbeiter aus den Berufen pädagogische Erzieher, Heilerziehungspfleger, Sozialpädagogen oder Heilpädagoge ein.

»Tag der offenen Tür« im August

Für die Öffentlichkeit gibt es einen Tag der offenen Tür am Freitag und Samstag, 19./20. August, jeweils von 10 bis 18  Uhr. Die Einrichtung nimmt zum 15. September den Betrieb auf. lukk