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Erste gemeinsame Gemeinderatssitzung

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Gemeinsam an einem Tisch: die Gemeinderäte aus Grassau und Tscherms. (Foto: T. Eder)

Grassau – Erstmals in der Geschichte der 54-jährigen Partnerschaft zwischen Grassau und der Südtiroler Gemeinde Tscherms tagte ein gemeinsamer Rat mit Doppelspitze der beiden Städte-Bürgermeister.


Natürlich handelte es sich dabei nicht um eine normale Sitzung, vielmehr stand der Austausch über die kommunale Verwaltung beider Gemeinden im Vordergrund.

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Nach einem gemeinsamen Besuch des Museums Salz und Moor in Klaushäusl trafen sich die Gemeindevertreter im Grassauer Sitzungssaal. Dort informierte Bürgermeister Jantke zunächst über das historische Gebäude und über die Idee des Zusammentreffens der Räte, das von den Tschermsern angeregt wurde.

Eine Besonderheit des Grassauer Gremiums sei, dass die Sitzordnung im Saal nach Alter aufgeteilt ist und sich so die einzelnen Fraktionen durchmischen. Dies habe sich bewährt und trage zur guten Zusammenarbeit bei. Roland Pernthaler, Tscherms Bürgermeister, freute sich, dass der große Holzapfel, den die Tschermser zum 50. Jubiläum mitgebracht hatten, im Sitzungssaal einen würdigen Platz gefunden habe. Er sei gespannt, wie die Kommunalpolitik funktioniere, und freute sich auf den Gegenbesuch der Grassauer Räte, um über die italienische Politik zu informieren.

Über Größe, Einwohner, Kommunalwahlen, Zusammensetzung des Gremiums, Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung informierte Geschäftsleiter Robert Höpfner. Bürgermeister Jantke fügte hinzu, dass die Gemeinde 100 Mitarbeiter beschäftige, darunter 40 in der Musikschule und 20 in der Verwaltung. Die finanzielle Ausstattung der Gemeinde mit einem Gesamthaushalt von 18,5 Millionen Euro legte Kämmerer Peter Enzmann dar. Die höchste Einnahme mit 3,4 Millionen Euro sei die Einkommenssteuerbeteiligung. Werden Schulden und Rücklagen gegengerechnet, so verbleibe eine Pro-Kopf-Verschuldung von 76 Euro. Enzmann berichtete auch von den hohen freiwilligen Ausgaben der Gemeinde in Bildung, Kultur und Sport.

Gefragt nach den Müll- und Abwassergebühren erklärte Jantke, dass für die Restmüllentsorgung der Landkreis zuständig ist. Trink- und Wasserversorgung sei eine Aufgabe der Gemeinde. Die Höhe der Gebühren, Trinkwasser 1,30 Euro pro Kubikmeter und 2,36 Euro Abwasser, zusammen also 3,66 Euro, erstaunte die Tschermser Kollegen, da diese in ihrer Gemeinde gerade einmal zwei Euro betrage.

Mit Interesse verfolgten die Tschermser auch die Informationen zu den Kindergärten. »Wir können den Träger der Einrichtungen selbst bestimmen«, so Jantke. In Tscherms, so Christa Ladurner, müsse dies ausgeschrieben werden, was das Verfahren nicht vereinfacht. Außerdem erkundigte sich Daniel Seifarth nach der Hundesteuer, nachdem die Vierbeiner in Südtirol keine Steuer verursachen. Laut Enzmann werde pro Hund eine Hundesteuer von 43 Euro fällig. Die Gemeinde vereinnahme dadurch 12 000 Euro im Jahr. Jantke fügte hinzu, dass die Gemeinde mittlerweile 32 Hundetoiletten im Gemeindegebiet aufgestellt habe und diese mit kostenlosen Hundekotbeuteln befülle.

Auch interessierten sich die Gäste dafür, wie Grassau ein neues Feuerwehrlöschfahrzeug finanziert und ob es hierfür Zuschüsse gibt. Der Rathauschef erklärte, dass im Dezember ein neues LF8 in Dienst gestellt wird, das 400 000 Euro kostet. Die Regierung bezuschusse die Anschaffung mit 100 000 Euro, den Rest zahle die Gemeinde. Zudem war die Finanzierung der neuen Turnhalle mit 4,4 Millionen Euro ein Thema und auch hier erstaunte die Tschermser der hohe Zuschuss.

Letztlich wurde über die Zusammensetzung des Kontaktkomitees beraten. Jantke berichtete, dass aus dem Marktgemeinderat Hans Genghammer, Mehdi Akbari, Werner Haslinger und Alfred Körner und sich zudem Albert Strehhuber und Peter Zeisberger, die nicht dem Gemeinderat angehören, zur Mitarbeit bereit erklärt haben. Es freue ihn, dass auf der Grassauer Seite junge Mitglieder in das Komitee eintreten.

Bürgermeister Pernthaler informierte, dass Astrid Kuprian für Helene Unterholzner-Eschgfäller, die vor kurzem verstorben ist, in das Tschermser Komitee eingetreten sei. Man hoffe nun, dass sie für Dr. Manfred Huber den Vorsitz übernehme. Zur Kommunalpolitik ergänzte Pernthaler, dass Italien sehr kompliziert sei und dies vor allem, wenn es um Ausschreibungen gehe. tb

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