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Erst mal ein kräftiger Schluck Starkbier ...

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Fastenprediger »Bruder Ambrosius« alias Kurt Lohwasser nahm erst einmal einen Schluck Starkbier. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Fastenprediger »Bruder Ambrosius« alias Kurt Lohwasser und der wandlungsfähige Dialektkünstler Oliver Lange waren die unterhaltsamen Stimmungskanonen beim sehr gut besuchten Starkbierfest im Chiemseebräu.


Bevor Ambrosius so richtig loslegte, gönnte er sich einen kräftigen Schluck »Starkbier-Zaubertrank«. Nach den Affären Hoeneß und Edathy traue sich im Ort ja kaum mehr einer was zu sagen, weil alle Angst hätten, eventuell Dienstgeheimnisse zu verletzen. Ihm sei aber hinter vorgehaltener Hand der »Grabenstätter-Gemeinde-Nachrichten-Dienst mit Sitz im Geschäft von Max Huber am Marktplatz« empfohlen worden, denn was man dort nicht erfragen könne, »ko net passiert sei«, verriet Ambrosius.

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Seehofer hört Schützinger ab

Aus anderen geheimen Kanälen habe er erfahren, dass der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer Bürgermeister Georg Schützinger – »den meistfotografierten Rathauschef in Südostbayern« – höchstpersönlich abhören lasse, weil er auch gerne so erfolgreich und schuldenfrei wäre. Für die Kommunalwahl 2020 machte Ambrosius allen politischen Gruppierungen den Vorschlag, den gleichen Wahlkampf-Prospekt drucken zu lassen, denn die Kandidaten hätten ja eh fast alle die gleichen positiven Ziele und Eigenschaften präsentiert. Mit erhobenem Zeigefinger riet er auch zu einer gemeinsamen Wahlplakatwand, denn »dieses wilde, völlig übertriebene Plakatieren verschandelt das ganze Dorf und verdrießt so manchen Wähler«.

Bei all dem angeschwemmten Plastikmüll und Treibholz in der Hirschauer Bucht »dat si sogar a kloane Müllverbrennungsanlage mit Kraftwerk rentieren«, meinte er und schob zum Trost hinterher: »Wenigstens san a alle Stanzen dasuffa und weggschwoabt worden«. Wenn ein Fischer in der Bucht mit seinem neuen Steg förmlich im Trockenen sitze, sei das so, wie wenn ein Bursch zum »Fensterln« eine gleichlange neue Leiter baue, obwohl das Dirndl einen Stock nach oben gezogen sei, löste Ambrosius schallendes Gelächter aus.

In punkto »Ausbau regenerativer Energien« brachte er ein kleines Wasserkraftwerk mit Staustufe am Mühlbach ins Spiel, »am besten mit einer direkten Fischtreppe zu den zwei zentral gelegenen Gasthäusern«. Windkrafträder brächten hoffentlich frischen Wind mit sich und würden viel Energie liefern. Zudem gelte es, das Wasserschutzgebiet fürs Marwanger Trinkwasser zu erweitern und oberhalb der Quelle einen Solarpark zu errichten. »Die Sonne braucht nämlich keinen Dung und keine Pestizide«, gab die Geistlichkeit zu bedenken. Ein Highlight sei die Festwoche zum 100. Gründungsjubiläum des GTEV »Chiemgauer« Grabenstätt gewesen. Leider sei der Ministerin Haderthauer vor ihrem Gastspiel im Bierzelt bei der Einweihung des Herzerlweges das Geld ausgegangen, als sie sich ein Herzel für 6,50 Euro leisten wollte. »Da is aber nur recht und billig, dass die Diäten um zehn Prozent erhöht werden«, ließ Ambrosius schelmisch verlauten und fügte an: »Prost auf die Diäten!!«.

Oliver Lange vierfacher Bürgermeister-Kandidat

Man habe eine europaweite Bürgermeister-Ausschreibung vorgenommen und tatsächlich hätten sich daraufhin vier vielversprechende Kandidaten gemeldet, betonte Ansager Hannes Biller und übergab das Wort an den ersten Bewerber Jaroslaw Schisdranitsch, der wie seine drei Konkurrenten unnachahmlich von Oliver Lange dargestellt wurde. Die alte Tankstelle Lex könnte in eine »Zockerbude« verwandelt werden und zahlungsfreudige Glücksspieler anlocken, riet der »Tscheche«.

Einen Hallenflohmarkt für schlechtes Wetter könne man in der neuen Mehrzweckhalle installieren, meinte Schisdranitsch, bevor er nach Belieben auf fränkisch, bayerisch und tschechisch parlierte. Einen ähnlich starken kurzweiligen Wahlkampf-Auftritt legte dessen Südtiroler Mitbewerber Luis Unterhofer hin. Seine Vorfahren hätten schon gegen die Franzosen und Italiener gekämpft und diese vererbte Kampferprobtheit prädestiniere ihn geradezu für das Grabenstätter Bürgermeisteramt. Als harte Konkurrenz für Schisdranitsch und Unterhofer erwies sich der griechische Rathausstuhl-Anwärter Ollios Bockbiermakakis. Als gebürtiger Grieche wisse er wie kein anderer, wie man Gelder einspare, sprich Steuern hinterziehe und Schulden verschleiere, verwies Bockbiermakakis auf seine finanz- und wirtschaftspolitische Fachkompetenz. Diese lockere griechische Mentalität würde auch Grabenstätt gut zu Gesicht stehen, meinte er unter dem Gelächter seiner potenziellen Wähler. Dem »Ruhrpottler« und langjährigen Grabenstätt-Urlauber Adolf Tegtmeier war es schließlich vorbehalten, die informative und unterhaltsame Kandidatenrunde abzuschließen. Er habe es sich zum Ziel gesetzt, mit geballter Manneskraft gegen die Verlandung der Hirschauer Bucht anzukämpfen und diese von den Hinterlassenschaften des Juni-Hochwassers zu befreien, erfüllte er seinen Wahlkampf-Slogan »Attacke Tegtmeier« mit Leben. Anschließend gelte es, den »Hirschauer Ballermann« auf Vordermann zu bringen, schäumte er regelrecht vor Arbeitseifer und Tatendrang.

Starkbierfest des Theatervereins

Zwischendurch sorgte Gstanzlsänger »Sepp Kupferschmied« aus Raubling mit seinen lustig-derben Sprüchen dafür, dass im feucht-fröhlichen Publikum keine Lachfalte glatt und kein Auge trocken blieb. Musikalisch umrahmt wurde der kurzweilige Abend von der »Hi-und-do-Musi« aus Ruhpolding. Die Besucher spendeten heuer für die Wasserwacht-Ortsgruppe Grabenstätt. Damit die 40-tägige Fastenzeit leichter zu überbrücken ist, steigt am Samstag, 22. März, um 19.30 Uhr im Gasthaus zur Post in Grabenstätt bereits das nächste Starkbierfest und zwar mit einer Fastenpredigt von Gustl Lex und einem Singspiel. Veranstalter sind der Theaterverein Grabenstätt und der Musikverein Grabenstätt. mmü