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Erpressungsopfer sagte vor Gericht aus: »Ich hatte Todesangst«

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Traunstein. Im Prozess gegen zwei 23-jährige Männer und einen 21-Jährigen aus Burghausen wegen versuchter schwerer, räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung und weiterer Delikte sagte gestern das 33-jährige Opfer vor der Jugendkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann aus.


Das Erstaunliche war: Der am 25. Januar 2014 in einer Wohnung in Burghausen durch Verbrühen mit heißem Wasser und einen Stich in den Oberschenkel verletzte und vielfach, auch durch eine in den Mund gesteckte Pistole, misshandelte Elektroinstallateur hat die Torturen ziemlich gut überstanden. Er meinte, er fühle sich körperlich »in Ordnung«. Seelisch merke er »eigentlich nichts«: »Aber wenn ich über den Fall nachdenke, ist es mir eher unangenehm.« Mit Plädoyers und Urteil in dem Prozess ist am heutigen Mittwoch zu rechnen.

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Opfer war ein Viertel Jahr krankgeschrieben

Der 33-Jährige wirkte vor Gericht besonnen, zeigte keinerlei Belastungseifer. Er war damals zehn Tage im Krankenhaus, ein Viertel Jahr krankgeschrieben und absolvierte eine kurze Psychotherapie auf Rat des Weißen Rings. Ganz folgenlos blieb das schlimme Geschehen nach Worten des 33-Jährigen jedoch nicht. Er schilderte im Zeugenstand: »Am Wochenende gehe ich nicht unbedingt weg, bleibe lieber zu Hause.«

Er sei an dem Abend angetrunken gewesen. In einem Lokal habe er den 21-jährigen Angeklagten getroffen, der ihn anpumpen wollte. Weil er sich geweigert habe, habe ihn der Mann draußen vor der Gaststätte geschubst und bestohlen. Der 33-Jährige erstattete Anzeige bei der Polizei und ging zurück zu der Kneipe. Kurz danach war er zum ersten Mal in der späteren Tatwohnung. Um an weiteres Bier zu gelangen, sei er mit vier oder fünf Leuten in Richtung der OMV-Tankstelle gelaufen. Nach einigen Halben Bier sei er »den anderen hinterher mit in ihre Wohnung«.

Zunächst lief alles friedlich und ohne Zwischenfälle. Der 33-Jährige hatte Bauchschmerzen und Durchfall. Als jemand in die Toilette wollte, war noch nicht wieder alles gereinigt. Der 23-Jährige wurde wütend und forderte zum »Saubermachen« auf. Im Flur erntete der 33-Jährige die ersten Schläge.

Der 21-Jährige prügelte ebenfalls mit der Faust auf das Opfer ein, vorwiegend gegen den Kopf. Als der 33-Jährige am Boden lag, traten beide Angeklagten zu – »überall, was sie erwischt haben, gegen alles, was ihnen vor die Füße gekommen ist«.

Auf einmal stand auch eine Geldforderung von 2000 Euro im Raum. Unter Schlägen rückte das Opfer seine EC-Karte heraus und verriet seine PIN-Nummer. Doch der 21-jährige Täter hatte damit auf der Bank keinen Erfolg. Der Grund: Das Konto war nicht ausreichend gedeckt. Das bedeutete die nächsten Schläge und Tritte.

Nach der Pistole kam das Küchenmesser ins Spiel

Plötzlich stand ein dritter Mann, ein Freund der beiden Täter, in der Wohnung. Der dunkel gekleidete Neuankömmling war vermummt, hatte eine Waffe in der Hand, lud sie vor den Augen des Elektroinstallateurs durch und forderte ebenfalls die 2000 Euro von dem Mann. Die anderen Zwei zwangen den 33-Jährigen, den Mund zu öffnen und sahen zu, wie der Maskierte ihm die Pistole in den Mund steckte.

Der 23-Jährige drückte dem Opfer in der Folge ein Küchenmesser einen halben bis einen Zentimeter tief in den Oberschenkel, zusammen mit dem 21-Jährigen übergoss er das Opfer vier- bis fünfmal abwechselnd mit heißem und kaltem Wasser. Der 33-Jährige schrie vor Schmerzen. Er bestätigte, »Todesangst« empfunden zu haben. Ein weiterer Besucher bedeutete an jenem Morgen die Rettung. Der Mann redete auf die Täter ein und meinte: »Das könnt ihr doch nicht machen.«

Nach fünfstündigen Qualen ließen die Angeklagten ihr Opfer laufen mit den Worten: »Hau ab, geh´ nicht zur Polizei und am Montag 2000 Euro.« Ein Rechtsmediziner stellte am nächsten Tag bei dem 33-Jährigen im Kreisklinikum Burghausen insgesamt 30, teils massive, Verletzungen fest. kd