weather-image
20°

Ernstfall nach Übungsende

0.0
0.0

Inzell. Die Sommerübung der Bergwacht gemeinsam mit den Nachbarbereitschaften Traunstein und Ruhpolding wurde von der Bergwacht Inzell im Bereich des Kienbergs organisiert. Das Besondere daran: Zu einer Übungsbesprechung am Ende kam es nicht mehr, weil die Teilnehmer am Ende der Übung zu einem realen Einsatz gerufen wurden.


Ein Bergsteiger hatte über Handy Hilfe angefordert, weil er sich verletzt hatte und etwas unterhalb der Kohleralm sei. Dann war die Verbindung unterbrochen. Da alle verfügbaren Bergwachtler, die Fahrzeuge und das Material am Kienberg waren, war zunächst einmal Phantasie gefragt. Der Rettungshubschrauber Christoph 14 war bei einem Bergeinsatz am Watzmann, Polizeihelikopter wegen Hochwassereinsätzen auch nicht verfügbar.

Anzeige

Da man nicht wusste, wo der Verletzte ist und was ihm fehlt, wurde der Hubschrauber aus Salzburg angefordert, zeitgleich aber gleich wieder das Quad als Voraustrupp mit zwei Helfern ins Tal geschickt. Weitere Einsatzkräfte wurden mit dem Geländewagen der Bergwacht nachgesandt. Während der Salzburger Rettungshubschrauber den Bereich von oben absuchte, erreichte der Voraustrupp zu Fuß den Verunglückten. Seine Verletzung am Bein war nicht so schlimm und man brachte den Mann ins Tal.

Die Alarmierung für die vorangegangene Übung erfolgte originalgetreu über die Rettungsleitstelle. Es wurde angenommen, dass ein Mountainbiker im Bereich der Einfahrt oberhalb Rossgasse in die Tiefe gestürzt ist. Zunächst musste man das Unfallopfer abseits des befahrbaren Weges in nicht begehbarem Steilgelände finden. Mit Hilfe von Fixseilen und Seilgeländer erreichten die Helfer den Verletzten versorgten und sicherten ihn. Wegen der Schwere der Verletzungen musste der Notarzt zum Verunglückten gebracht werden. Die Bergung erfolgte mittels Gebirgstrage und Seilwinde, weil kein Hubschrauber zur Verfügung stand.

Die Einsatzleitung und Sammelstelle wurde am Rossgassboden eingerichtet. Während dieser Einsatz nach Plan lief, hatte sich die Übungsleitung einen zweiten Unfall in der Nähe des Kienberggipfels einfallen lassen. Die Einsatzstelle wurde wiederum über die Integrierte Leitstelle mit GPS-Koordinaten übermittelt. Dies entspricht auch den immer öfter vorkommenden Unfallmeldungen, da in den modernen Mobiltelefonen diese Koordinaten meist angezeigt werden.

Erneut musste man eine abgestürzte Person suchen, sichern, versorgen und dann abtransportieren. Den Notarzt von der ersten Unfallstelle musste man möglichst rasch nach oben bringen. Trotz bestem Flugwetter war natürlich kein Helikopter zu bekommen. In dieser Situation bewährte sich das Quad der Inzeller Bergwacht hervorragend.

Während das erste Unfallopfer relativ einfach nach unten mittels Seilwinde geborgen wurde, musste der zweite Verletzte zunächst etwa 50 Meter abgeseilt werden und mittels Mannschaftszug über die Aschgrün wegen der schweren Rückenverletzungen schonend in der Gebirgstrage mit Vakuumbett nach oben gebracht werden. Dies forderte die gesamte Mannschaft extrem. Das Erreichen der Hochebene bedeutete das Übungsende und die etwa 30 Bergwachtler wollten sich an der Kienbergalm zur Übungsbesprechung treffen. Aber so weit kam es wegen des eingangs geschilderten Ernstfalles nicht.