weather-image

»Erneuerbare Energien brauchen ökologische Leitplanken«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Vorsitzende der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, Beate Rutkowski, überreicht die Silberne Ehrennadel an Karlheinz Dobel für sein Engagement für die Kendlmühlfilzn. (Foto: Giesen)

Traunstein. Agrarwende und Energiewende sind die beiden großen Themenkomplexe, mit denen sich die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN) in Traunstein im vergangenen Jahr beschäftigt hat. In der gut besuchten Jahresversammlung im Gasthof Jobst in Rettenbach gab Vorsitzende Beate Rutkowski einen Bericht über die vielfältigen Arbeitsgebiete des Umweltschutzverbands und seine Aktivitäten.


Bei der derzeitigen Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik gehe es den Umweltverbänden um eine faire Bezahlung der gesellschaftlichen Leistungen der bäuerlichen Betriebe und um eine Ökologisierung der Landwirtschaft, so die Vorsitzende. Dafür habe auch der Bund Naturschutz mit vielen Bauern aus dem Landkreis in Berlin demonstriert. Leider seien die Reformen auf Druck von Ilse Aigner stark verwässert worden, aber einige Schritte in die richtige Richtung gäbe es trotzdem.

Anzeige

Zur Energiewende sagte Rutkowski, dass Erneuerbare Energien ökologische Leitplanken bräuchten. Es gebe schwerwiegende Gründe gegen die Verbauung der letzten freien Flusskilometer an Salzach und Tiroler Achen. Die Energiegewinnung sei technisch aufwändig und wegen des zu geringen Wasserangebots nicht rentabel. Für Wind- und Sonnenenergie sei dagegen im Landkreis noch viel bisher ungenutztes Potenzial vorhanden.

Als weiteres wichtiges Thema sprach Beate Rutkowski den Flächenverbrauch im Landkreis an. Der BN wehre sich gegen überzogene Projekte wie das Kaufland/BayWa-Projekt in Traunreut und das Einkaufs- und Tourismuszentrum Aventura in Neukirchen. Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz gab im abgelaufenen Jahr 73 Stellungnahmen ab, unter anderem zu Bau- und Gewerbegebieten, Freizeitprojekten und Kiesgruben.

Bei den kürzlich abgeschlossenen Zählungen der Amphibien betreute die Kreisgruppe vier Zäune. Das wichtigste Anliegen sei dem BN die Amphibienwanderstrecke am Weitsee – mit bis zu 40 000 Kröten, Fröschen und Molchen pro Saison, wahrscheinlich die bedeutendste Strecke in Deutschland. Der Bund Naturschutz kämpfe schon seit Jahren für den Bau einer festen Amphibien-Leitanlage mit Tunnel, aber es gehe nichts vorwärts, sagte Rutkowski. Der Schwarze Peter werde zwischen Straßenbauamt und Gemeinden hin und hergeschoben. Die derzeitigen Straßensperrungen bei Nacht seien für den Erhalt der Population nicht ausreichend. Die Kreisgruppe habe inzwischen den Landesvorsitzenden Hubert Weiger mit der Sache befasst.

Für seine langjährigen Verdienste um den Naturschutz überreichte die Vorsitzende das Vereinsabzeichen in Silber an Karlheinz Dobel aus Raiten. Wie Hermann Eschenbeck, Stellvertretender Vorsitzender der BN-Kreisgruppe, in seiner launigen Laudatio betonte, hatte Dobel in den Neunzigern durch seine unermüdliche und engagierte Arbeit die Renaturierung der Kendlmühlfilzn entscheidend vorangetrieben.

Bei der Zusammenkunft wurde auch die neue hauptamtliche Geschäftsstellenleiterin des Bund-Naturschutz-Büros in Traunstein, Beate Sachs, vorgestellt. Sie hatte unter anderem viele Jahre lang beim Forum Ökologie in Traunstein gearbeitet.

Maria Noichl, Landtagsabgeordnete der SPD, forderte in ihrem Grußwort »soziale Nachhaltigkeit«. Eingriffe in die Natur sollten »enkelverträglich« sein. Als Negativbeispiele nennte sie das zunehmende Bienensterben durch Pflanzenschutzmittel. Anne Franke, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, sprach sich gegen neuerliche Freisetzungen von Gentechnik aus.

Einen begeisternden Vortrag mit außergewöhnlichen Bildern zu seltenen Schmetterlingsarten hielt abschließend Dr. Thomas Rettelbach zum »Tagfalter-Monitoring im Kalkquellmoor Diesenbach« bei Surberg. Er zeigte, dass sich die BN-Kreisgruppe durch den Ankauf eines Kalkquellmoors in Diesenbach einen »Schatz« hat erwerben können. gi