weather-image
11°

Erfreulich viele Vogelarten entlang der Tiroler Achen kartiert

4.6
4.6
Bildtext einblenden
Der Eisvogel war eine der 93 Vogelarten, die der Landesbund für Vogelschutz im Rahmen der Kartierung an der Tiroler Achen registrierte – unter anderem zwischen Marquartstein und Staudach-Egerndach  sowie  zwischen  Auwald im Naturschutzgebiet bis zur Dorotheenstraße bei Grabenstätt.

Staudach-Egerndach – 93 Vogelarten wurden bei der Kartierung im vergangenen Jahr festgestellt. Als erfreulich bezeichnete Projektleiterin Sabine Pröls bei der Vorstellung der Kartierung im Gasthof »Zum Ott« diese Ergebnisse. Auch einige sehr seltene Vögel konnte gesichtet werden.


Sechs Kartierer begaben sich auf die Suche nach den an der Tiroler Achen lebenden und brütenden Vogelarten. Untersucht wurde der Bereich von der Grenze zu Tirol bis zur Dorotheenstraße bei Grabenstätt. Das Achendelta wurde nicht kartiert, da dieser Bereich bereits beschrieben ist. Man beschränkte sich auf die 24 Kilometer auf bayerischer Seite. »Die Tiroler Achen hat viele Gesichter«, so Pröls. Bei Niedrigwasser habe sie einen Abfluss von 35,6 Kubikmeter pro Sekunde, bei einem mittleren Hochwasser fast das Zehnfache (342 Kubikmeter pro Sekunde).

Anzeige

Uferzonen wurden in sechs Abschnitten untersucht

In sechs Abschnitten wurden die Uferzonen untersucht, jeder Abschnitt viermal begangen und eine Nachtbegehung wurde unternommen. Häufigste anzutreffende Art sei der Buchfink gewesen. Unter den festgestellten 93 Arten befinden sich 34 Arten auf der bayerischen Roten Liste, 20 auf der deutschen Roten Liste und 40 auf der europäischen roten Liste.

Im Durchbruchstal zwischen Kössen und Schleching wurden 48 Arten festgestellt, darunter auch der Flussuferläufer, der höchste Ansprüche an das Gewässer stellt. Am häufigsten wurde hier der Grauspecht angetroffen. Aber auch Wasseramsel und etliche Bergwaldarten entdeckten die Kartierer. Von der Brücke Ettenhausen bis Unterwössen registierten die Kartierer mit 63 Arten die größte Artenvielfalt. Sogar zwei Reviere des Flussregenpfeifers konnten erspäht werden.

Zwischen Unterwössen und Marquartstein waren es 57 Vogelarten. Unter anderem gelang es sieben Reviere der Gebirgsstelze, sechs Reviere der Wasseramsel und ein Revier des Gänsesägers zu entdecken. Zwischen Marquartstein und Staudach-Egerndach wurden 55 Arten kartiert. Pröls erklärte, dass dort auch 16 Reviere des Haussperlings zu entdecken waren, was ungewöhnlich sei. Zudem wurde hier der Eisvogel beobachtet. So hatte jeder Abschnitt seine Besonderheit.

Auf der gesamten Strecke nur ein einziger Pirol

59 Arten waren zwischen Staudach-Egerndach und Osterbuchberg zu registrieren. Hier hielten sich auch 13 von 14 entdeckten, wassergebundenen Vogelarten auf. Hier war die einzige Dorngrasmücke zu sehen. Nur knapp 50 Arten wies das letzte untersuchte Stück vom Auwald im Naturschutzgebiet bis zur Dorotheenstraße bei Grabenstätt auf. Dafür fand sich hier ein Revier des Eisvogels. Enttäuschend sei, dass auf der gesamten Strecke nur ein Pirol zu entdecken war und der Kleinspecht nur selten vorkam. Diesbezüglich, so Pröls, hätte sie mehr erwartet.

Durch die Eindeichung des Flusses bleibe zu wenig Platz für die Vögel, wertvolle Strukturen gingen verloren, so Pröls. Auch die geringe Fluss-Dynamik mit wenigen Umlagerungsstrecken kritisierte sie. Auf Tiroler Seite wurde die Achen mehr aufgeweitet.

Zudem gebe es kaum Kiesbänke ohne Verbindung zum Ufer. Dadurch würden die Vogelarten, die diese Stellen zum Nisten brauchen, durch Spaziergänger gestört. Natürlich müsse der Hochwasserschutz gewährleistet sein, dennoch sei die Eindeichung kritisch zu werten. Man müsse versuchen, einen neuen Blick auf die Achen zu werfen. An manchen Stellen könnten Deiche zurückgelegt und Fluss mit Aue verbunden werden. Bei Unterwössen, so Pröls, wäre es möglich, die alte Achenrinne wieder anzubinden. Positiv wertete sie die Fischtreppe oberhalb des Marquartsteiner Wehrs. Dadurch sei die Durchgängigkeit wieder hergestellt.

Pflanzen auf den Deichen dienen als Verstecke

Schade sei, dass Anfang Juni der komplette Deich gemäht werde. Auch botanisch sei dieser Bereich wertvoll. Wünschenswert wäre, dass stellenweise Pflanzen auch über den Winter stehen bleiben könnten und somit Versteckmöglichkeiten bieten. Das Ausbaggern an der Kiesfalle bedeute eine erhebliche Störquelle. Es sei zu prüfen, ob eine Kiesentnahme noch berechtigt ist.

Die intensive Freizeitnutzung durch Spaziergänger und Radler sah sie dagegen als unproblematisch an. Auch das Rafting an sich störe nicht, wohl aber, wenn im Bereich des Durchbruchtals Leute aussteigen und hier pausieren. Mehr Probleme bereiteten nicht angeleinte Hunde. Hundebesitzer sollten selbst erkennen, wo ein freilaufender Hund problematisch ist. Der Naturpavillon in Übersee hatte hierfür ein Angebot zur Bewusstseinsförderung, das leider nicht angenommen wurde. Man solle an die Hundehalter appellieren. Als Vorschlag kam, mit Schildern auf die sensiblen Bereiche, in denen auch der Flußregenpfeifer vorkommt, hinzuweisen. tb