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Erfolgreiche Großübung der Achentalwehren

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Den Schlusspunkt setzten zwei große Abschlusseinsätze in der Großübung der Achentalwehren in Oberwössen. Bei diesem Szenario mussten nach einem schweren Verkehrsunfall im Steilhang fünf Verletzte gesichert und gerettet werden. (Foto: Flug)

Unterwössen – Eine ganze Reihe an »Katastrophen« passierten am Wochenende in Oberwössen – glücklicherweise nur bei einer Gemeinschaftsübung der Feuerwehren im Achental. Am Ende eines langen Nachmittags war vielen Zuschauern der Übung bewusst, in den Händen von Feuerwehr und Rettungskräften gut aufgehoben zu sein. Die Einsatzkräfte sahen sich in Ausbildung und Ausrüstung bestätigt. Doch es blieb die Erkenntnis, dass sich die Einsatz- und Rettungskräfte ob der immer neuen Herausforderungen nicht ausruhen können. »So etwas zu erkennen, dafür sind die Übungen da«, sagte Kreisbrandinspektor Land 2, Georg König.


Alle zwei Jahre gibt es eine Gemeinschaftsübung der Wehren im Einsatzbereich Land 2-2, zudem mit Rettungsdienst, Bergwacht und Polizei. Am Ende beteiligten sich in Oberwössen insgesamt 185 Personen, darunter 103 Feuerwehrler. Mit dabei auf der Oberwössener Frei waren die Wehren aus Grassau, Marquartstein, Reit im Winkl, Rottau, Schleching, Staudach-Egerndach, Übersee, Unterwössen und Gastgeber Oberwössen. Zudem waren 18 Mitarbeiter der Rettungsdienste und acht Bergwachtler mit von der Partie. Die Polizeiinspektion Grassau stellte vier Polizeibeamte ab. Koordiniert wurde die Übung von der eigenen Leitstelle rund um die Einsatzleitfahrzeuge am Rande der Oberwössner Frei mit eigenem Digital-Funkkanal. Kreisbrandinspektor König legte kurz die Vorgaben für die Übung fest, ehe die Wehren zu den zehn Einsatzorten ausströmten.

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Die hatten es in sich. Auf dem Ruhlanderhof bot sich den Rettern folgendes Übungsszenario: In der Scheune war das Gestell eines Heukrans von der Decke gestürzt und hatte eine Person schwer verletzt. Völlig aufgelöste Angehörige störten die Rettungsarbeiten in der ohnehin so schwierigen Aufgabe, bis sie von Rot-Kreuz-Helfern beruhigt wurden.

An einem weiteren »Einsatzort«, dem Gasthof zur Post, musste aus dem zweiten Obergeschoß eine bewusstlose Person über eine Leiterstafette gerettet werden, weil die Drehleiter für diese Aufgabe nicht zur Verfügung stand. Zeitgleich befreiten Feuerwehr und Rettungskräfte an der Forstamtwiese eine Person aus einem Schacht. Bei einem Zimmerbrand im Erdgeschoß am Hammerergraben war eine Person vermisst. Null Sicht gab es beim Heizungsbrand in der Ferienanlage Post, wo der Rauch das Untergeschoß einnebelte. Aus unwegsamem Gelände musste ein Gleitschirmpilot mit Schirm aus einem Baumwipfel »gepflückt« werden. Simuliert wurden »normale« Einsätze aus dem Feuerwehralltag.

Kreisbrandinspektor König und die Feuerwehr Oberwössen hatten mit Engagement und Fantasie daraus Einsätze entwickelt, die es in sich hatten. Da waren die von Unfallmeldern übermittelten Standortkoordinaten im unwegsamen Gelände ungenau, die örtlichen Gegebenheiten schwierig, schweres Gerät in entlegene Bergregion zu bringen. Ein Mountainbiker war an der steilen Leithengasse gestürzt, als er mit einem Passanten kollidierte. Alle drei Beteiligten – ein Kind im Radlanhänger gehörte dazu – waren in das tiefe Bachbett gestürzt. Radler und Kinderanhänger hingen im steilen Hang. Der Passant lag im Bach, von oben nicht erkennbar, ob der Kopf unter Wasser lag.

16 Verletzten- und Unfalldarsteller schufen wirklichkeitsnahe Szenarien. Fachleute von der Realistischen Unfalldarstellung (RUD) des Bayerischen Roten Kreuzes hatten ihnen täuschend echte Verletzungen und blutüberströmte Kleidung verpasst.

Das Ende des Nachmittags setzten zwei große, parallel durchgeführte Abschlussübungen. Das eine Szenario war ein Brand mit zehn involvierten Personen im Gebäude eines Sägewerks an der Schleichsäge. Der andere Einsatzort war ein angenommener Verkehrsunfall mit fünf, teilweise eingeklemmten Verletzten in sehr steilem Gelände. Junge Oberwössner Feuerwehrleute hatten zwei Schrottautos an den Steilhang gelegt. So fanden die Einsatzkräfte unter Führung der Feuerwehr Übersee gleich mehrere Aufgabenbereiche. Da galt es den Verletzten sofort Hilfe zukommen zu lassen, die Fahrzeuge zu sichern, damit diese nicht weiter abstürzten und Rettungskräfte am unteren Hang gefährdeten.

Die Koordination der unterschiedlichen Rettungseinheiten von Feuerwehr über Bergwacht zum Rettungsdienst ist dabei eine zusätzliche Herausforderung. »Das ist es, was wir aus solchen Übungen lernen wollen. Wo hakt es, wo müssen wir was ändern oder üben, wo können wir besser werden«, so Kreisbrandinspektor König. Zudem wurde die Übung zur Ausbildung des Nachwuchses genutzt. Als Beispiel führte König die Schlechinger Wehr an, deren Kommandanten als Atemschutzträger dabei waren, die Leitung der Gruppe aber einem jungen Truppführer anvertrauten.

Für die Zuschauer war der Tag ein Erlebnis. Die Feuerwehr Oberwössen hatte einen Fahrdienst eingerichtet und boten einen spannenden Nachmittag. Am Ende stand eine umfangreiche Abschlussbesprechung der Einheiten an, die Oberwössner Feuerwehrmänner bekamen viel Lob für einen besonders gelungenen Übungstag. lukk