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Ereignisreiches Jahr für Lebenshilfe Kreisvereinigung

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Das inklusive Wohn- und Begegnungsprojekt in Traunstein ist im Zeitplan und kann dieses Jahr bezogen werden.

Die Lebenshilfe Kreisvereinigung Traunstein hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Das neue inklusive Wohn- und Begegnungskonzept Traunstein ist entstanden und die Umwandlung des operativen Bereichs der Lebenshilfe in eine gGmbH wurde vorbereitet. Heuer warten weitere Herausforderungen: Verschiedene Bauprojekte an den unterschiedlichen Wohnheimstandorten müssen geplant werden und die Vorbereitung auf das Bundesteilhabegesetz sowie die daraus resultierenden Veränderungen läuft.


Zeit- und Kostenplan wird eingehalten

Beim inklusiven Wohn- und Begegnungskonzept, das derzeit in Traunstein entsteht, befindet sich die Lebenshilfe im Zeit- und Kostenplan. Vorgesehen ist, dass die Verwaltung im Juni nach Traunstein umzieht, damit anschließend die Räume der Zentralverwaltung in Traunreut barrierefrei saniert werden können. Dort zieht dann die Frühförderung ein, die bisher in angemieteten Räumen in Altenmarkt untergebracht ist. Geschäftsführerin Annemarie Funke sieht diesen Umzug als vorteilhaft, »da die Lebenshilfe eine Kooperation mit der Diakonie hat und beide dann in Traunreut ihren Standort haben und enger zusammenarbeiten könnten. Hier in Traunreut ist auch der größte Bedarf hinsichtlich der Leistungen in der Frühförderung«.

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Im zweiten Gebäude des Traunsteiner Projekts wird es Wohnen für Menschen mit und ohne Behinderung geben. Dort stehen elf Appartements zur Verfügung, eine Wohntrainingsgruppe für vier Personen sowie Praxisräume. »Die Appartements sind bereits vergeben und es gibt weitergehenden Bedarf, sodass noch ein zusätzliches Haus dieser Größe ohne Probleme gefüllt werden könnte«, erklärt Annemarie Funke. Vier Appartements sind im Sinne des inklusiven Wohnkonzepts an Menschen vergeben, die keine Leistungen seitens der Lebenshilfe in Anspruch nehmen. Im dritten Gebäude in Traunstein stehen dann 24 Plätze bereit für Menschen, die in einer Werkstätte beschäftigt sind und eine durchgehende Betreuung und Begleitung benötigen. Auch diese Plätze sind bereits belegt und es besteht eine Warteliste.

Wohnheime an neue Verordnung anpassen

Eine große Herausforderung für die Lebenshilfe bedeutet die »Ausführungsverordnung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes«, die eine umfassende Anpassung der technischen Voraussetzungen in den Wohnheimen der Lebenshilfe erforderlich macht. Es geht dabei um detaillierte Vorschriften in Bezug auf Barrierefreiheit, eine rollstuhlgerechte Anordnung von Flächen, feste Mindestgrößen der Zimmer, die Umstellung von Doppel- auf Einzelzimmer, einen direkten Zugang zu einem Sanitärraum aus jedem Wohnraum, Vorgaben zu den Gemeinschaftsräumen und viele weitere sicherheitsrelevante Vorschriften. Bis ins kleinste Detail ist in der ausführlichen Verordnung festgelegt, wie die Ausstattungen aussehen müssen: von der Entfernung der Toilette zur Tür, über die WC-Sitzhöhe sowie Höhe und Anordnung von Handläufen und manches andere mehr.

»Von unseren zwölf Wohnheimen sind einige in die Jahre gekommen und können diese Anforderungen nicht in vollem Umfang erfüllen«, erklärt Annemarie Funke. Eine Generalsanierung wäre dabei oft teurer als ein Neubau. »Deshalb erfolgt im Frühjahr 2018 ein Ersatzbau in Seeon und 2019 ein Ersatzbau in Waging.« Aufgrund des weiter steigenden Bedarfes seien auch zusätzliche Wohnalternativen vorgesehen. Deshalb soll im südlichen Landkreis ein ganz neues Wohnprojekt entstehen, weitere Grundstücke beziehungsweise Gebäude für Betreutes Wohnen in Form eines inklusiven Konzeptes werden im Landkreis gesucht.

»Gesetz ist ein Bürokratiemonster«

Völlig geänderte Voraussetzungen schafft auch das 2016 verabschiedete Bundesteilhabegesetz. Dabei ist ein zentraler Punkt das »Wunsch- und Wahlrecht« der betroffenen Personen. Der Mensch soll im Vordergrund stehen, die Angebote seinen Bedürfnissen angepasst werden, es soll mehr Teilhabe bestehen, »Personenzentrierung statt Institutsorientierung« heißt das Schlagwort. Während bisher soziale Einrichtungen stationäres Wohnen anbieten, in dem es ein Rundum-Paket von Betreuung und Versorgung gibt, sollen die Menschen mit Behinderung künftig selber wählen, welche Leistungen sie von welchem Anbieter nehmen wollen. Eine komplette Systemumstellung sieht dann vor, dass anstatt einer Pauschale nur noch Fachleistungsstunden angeboten und verrechnet werden, die Betreuten sind künftig Mieter der Einrichtungen und zahlen die Miete aus ihrer Grundsicherung. »Dieses Gesetz ist in meinen Augen ein Bürokratiemonster«, sagt Annemarie Funke. Sie hofft, dass dann in der Praxis die Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass der Aufwand nicht übermäßig hoch wird. Momentan wisse aber noch niemand, wie das Ganze dann tatsächlich umgesetzt werden soll.

Umwandlung zu gGmbH trat zum 1. Januar in Kraft

Ein wichtiger Schritt für die Kreisvereinigung Traunstein ist die Umwandlung in eine gGmbH, die zum 1. Januar in Kraft trat. Alle Leistungsbereiche sowie die Zweck- und wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe werden in dieser Gesellschaft in eigener rechtlicher und wirtschaftlicher Verantwortung weitergeführt. Den im Laufe der Jahre massiv gewachsenen Aufgaben, die bisher vom eingetragenen Verein Lebenshilfe ehrenamtlich geleistet wurden, will man in der neuen Rechtsform künftig besser Rechnung tragen können. »Wichtig ist, dass die Ziele der Elternvereinigung im operativen Tagesgeschäft in festen Strukturen und Organisationsabläufen umgesetzt werden«, erklärt Annemarie Funke. Die Kreisvereinigung beschäftigt über 350 Mitarbeiter und hat eine jährliche Bilanzsumme von fast 25 Millionen Euro.

Noch ein weiteres drängendes Problem spricht die Geschäftsführerin an: »Wir suchen händeringend nach Fachkräften.« Jedes Jahr seien bereits 20 bis 25 Auszubildende in den entsprechenden Berufen bei der Lebenshilfe Traunstein. Diese Zahl soll sogar noch erhöht werden, »weil wir einfach nicht wissen, wie wir dem Fachkräftemangel sonst entgegenwirken können«. mix