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Erdwälle sind keine Hügelgräber

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Die Archäologin Andrea Happach (von links), Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika und Hannelore Herold vom Arbeitskreis Verkehr stehen vor einem der geöffneten angeblichen Grabhügel und studieren die Flurkarten, auf denen nachweislich acht vorgeschichtliche Grabhügel beschrieben sind. Die Untersuchungen verliefen aber ergebnislos. (Foto: Rasch)

Traunreut – Außer einem stark in Mitleidenschaft gezogenen Stahlhelm, der vermutlich aus dem Zweiten Weltkrieg stammt, sowie Resten von Teerpappe hat die Archäologin Andrea Happach auf der Baustelle entlang der Staatsstraße 2104 in Traunreut nichts gefunden. Wie berichtet, musste der Straßenausbaubereich archäologisch untersucht werden, weil dort acht vorgeschichtliche Hügelgräber vermutet wurden. Die Untersuchungen brachten jedoch keinerlei Anhaltspunkte, dass es sich um vorgeschichtliche Grabhügel aus der Hallstattzeit (Keltenzeit) handeln könnte. »Es gibt keinerlei Hinweise auf von Menschenhand angelegte Befunde«, bestätigte die Archäologin bei einer Abschlussbesprechung.


»Wir haben auch bei genaueren Untersuchungen nichts archäologisch Relevantes gefunden«, betonte Happach. Das bedeutet, dass die angenommenen Hügelgräber zum Bedauern von Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika jetzt aus der Bodendenkmalliste gestrichen werden müssen. Dr. Soika zeigte sich gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt enttäuscht. »Aus historischer Sicht wäre es schon schön gewesen, wenn sich die Verdachtsflächen bestätigt hätten.«

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Nicht von Menschenhand geschaffene Hügel

Dass die Traunreuter Hügel als Grabhügel eingeschätzt wurden, hängt nach Ansicht des Kreisheimatpflegers sicherlich damit zusammen, dass die Form dieser Hügel, die Anzahl und der Abstand zueinander in nahezu klassischer Weise dem Typus eines Hügelgräberfeldes entsprechen. In unserer Gegend seien diese archäologischen Besonderheiten schließlich auch mehrfach vertreten, etwa in Unterbrunnham bei Tacherting, so Dr. Soika. Das typisch topographische Erscheinungsbild dieser Ansammlung von Hügeln in Traunreut habe für jeden Archäologen nur den einen Schluss zugelassen, dass es sich um Hügelgräber handle. Aufgrund ihres Erscheinungsbildes seien diese Hügel bei der Erstellung der Liste der Bodendenkmäler in den 1970er Jahren auch als »Hügelgräber unbekannter Zeitstellung« eingetragen worden. Das Öffnen der Hügel habe aber nun gezeigt, dass es sich nicht um Grabhügel und nicht einmal um von Menschenhand geschaffene Hügel handle. Wer letztendlich die Hügel als »nachweislich Grabhügel« bezeichnet habe, werde sich nicht mehr feststellen lassen. Dieser für Traunreuts Geschichte schöne Gedanke sei von vielen Heimatbegeisterten begeistert, aber kritiklos übernommen worden.

Auch ihn habe die ergebnislose Untersuchung der Traunreuter Grabhügel nachdenklich gestimmt, weil eine ganze Reihe ähnlicher Objekte lediglich nur aufgrund ihres optischen Erscheinungsbildes in die Liste der Bodendenkmäler aufgenommen worden seien, so Dr. Soika. Diese Objekte sollen aber auch künftig denkmalgeschützt bleiben. »Doch werden zukünftige Grabungen die Forscher möglicherweise öfters enttäuschen als man heute glaubt«, so Dr. Soika.

Die Firma PHOINIX (Archäologische Lösungen für Bauherrn und Denkmalpflege) aus Pöcking wird nun einen Abschlussbericht erstellen. »Auch wenn nichts gefunden wurde, muss die Maßnahme als beobachtet und befundfrei belegt werden«, sagte Firmenchef Stefan Mühlemeier.

Das rund zwei Kilometer lange Straßenstück wird als sehr unfallträchtig eingeschätzt. Deshalb sollen durch den Ausbau die Kuppen in der Straße beseitigt und Linienführung und die Straßenbreite auf den heutigen Sicherheitsstandard angepasst werden. Auf der Südseite wird auch ein Geh- und Radweg angelegt. Nach Angaben des Staatlichen Bauamts soll spätestens Anfang Juli mit dem Ausbau begonnen werden. Während der Bauphase wird eine Vollsperrung der Straße notwendig. ga