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Er gab den Opfern von Gewalt eine Stimme

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Günter Klott leitete 23 Jahre die Außenstelle des »Weißen Rings« in Traunstein. Nun legte er sein Amt nieder und hofft, dass sich baldmöglichst ein Nachfolger findet.

Grassau. Keine leichte Aufgabe hatte Günter Klott vor 23 Jahren übernommen, als er ehrenamtlich, noch während des aktiven Polizeidienstes, die Leitung der Außenstelle Traunstein des »Weißen Rings«, einer Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer und ihre Familien, übernommen hatte. Nun legte er das Amt aus privaten Gründen nieder. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt schaut er nun auf seine Zeit beim »Weißen Ring« zurück.


»Die Opfer bleiben mit ihren Ängsten im Verborgenen«

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»Meist stehen die Täter im Vordergrund – und die Opfer bleiben mit ihren Ängsten im Verborgenen«, erklärt Günter Klott. Den Opfern eine Stimme zu geben, für sie da zu sein, ihnen schnell und unbürokratisch zu helfen, wenn nötig auch einmal eine Schulter zum Anlehen zu bieten und einfach einmal nur zuzuhören – das war seine Aufgabe beim »Weißen Ring«. Doch die Hilfsorganisation leistet noch mehr: Sie kümmert sich um Kriminalitätsopfer und deren Familie, leistet neben dem persönlichen Beistand auch ganz konkrete Hilfe – zum Beispiel, indem es die Opfer zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht begleitet. Wichtig sei, so Klott, die Opfer gerade vor Vernehmungen auf das vorzubereiten, was ihnen bevorstehe. »Jeder Täter hat einen Anwalt, der ihn vertritt, das Opfer meist nicht«, so Klott. Hier könne der »Weiße Ring« helfen und Rechtsschutz bieten, sodass ein Rechtsanwalt sich um die Rechte und Würde des Opfers kümmert.

Über 500 Opferfälle hat Günter Klott in den vergangenen 23 Jahren betreut, die sich quer durch alle Deliktbereiche und das Strafgesetz bewegt haben. Er erzählt, dass ein kleiner Diebstahl einer Rentnerin zwar scheinbar nicht so schlimm sei. Wenn aber die Rentnerin so um die monatliche Rente gebracht werde und ihr kein Geld mehr zum Leben bleibe, sehe die Sache anders aus. Aber auch in vielen Fällen sexueller Gewalt galt es den Opfern zur Seite zu stehen. Dass hier Sensibilität gefragt war, versteht sich von selbst. Besonders schwer sei es für die Opfer gewesen, wenn Missbrauch oder häusliche wie auch sexuelle Gewalt in der Familie ausgeübt wurden und der Peiniger bekannt war. Sein schlimmster Fall sei gewesen, als ein Vater einen Säugling sexuell missbraucht habe. Der spektakulärste Fall sei der Mord an zwei Ausländern in Trostberg gewesen. Hier habe er die Ehefrauen und Kinder betreut und durch die erste schwere Zeit begleitet.

Viele Opfer wissen nicht, wo und von wem sie Hilfe erwarten können. Der »Weiße Ring« weiß Rat. So gibt es das Opferentschädigungsgesetz und das Opferschutzgesetz. Wie Klott betonte, sei die Zusammenarbeit mit anderen Institution wie mit dem Kriseninterventionsteam, dem Jugendamt und Jugendhilfe, Landratsamt, dem Frauenhaus und auch mit Psychologen hervorragend und von großem gegenseitigen Vertrauen geprägt gewesen. Gerade die psychologische Betreuung der Opfer sei oft sehr wichtig gewesen, fügte er an.

»Es war eine schöne Zeit, aber jetzt fehlt mir die Kraft«

Dieses Ehrenamt, so Klott, sei zwar zeitaufwändig, gebe aber auch sehr viel positives Feedback. »Es war eine schöne Zeit, doch nun fehlen mir der Elan und die Kraft«, sagt der Pensionist. Ihm liege es sehr am Herzen, dass schnell ein Nachfolger als Außenstellenleiter für ihn gefunden werde. Dieser müsse nicht aus dem Polizeidienst kommen, denn die Helfer werden für diese Aufgabe geschult.

Wer sich sozial engagieren möchte und Opfern helfen möchte, kann sich als Außenstellenleiter für die Außenstelle Traunstein und Berchtesgadener Land beim Landesbüro Bayern Süd, Hilaria-Lechner Straße 18, 86690 Mertingen bewerben. Der »Weiße Ring« finanziert sich über Spenden. tb