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Entsteht ein neuer Waldkindergarten in Eisenärzt?

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Auf diesem Areal beim alten Waldschwimmbad in Eisenärzt soll der neue Waldkindergarten »Holzwurm« entstehen, wenn es nach dem Willen der Unternehmergesellschaft h & b learning geht. (Foto: Wegscheider)

Siegsdorf. Die Unternehmergesellschaft h & b learning präsentierte dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung ein schlüssiges Konzept für einen Waldkindergarten. Vorgetragen wurden die Eckdaten von Erzieherin Nina Schoepe, Kinderpflegerin Sarah Leifeld sowie Geschäftsführer Franz Huber, der bereits viele Waldkindergärten gegründet hat.


Geringe Lautstärke vermindert Stress bei Kindern

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Die beiden Waldpädagoginnen berichteten dabei von vielen positiven Erfahrungen, die sie seit über sechs Jahren gemacht haben. »Durch den großen Raum in der freien Natur und die damit verbundene geringe Lautstärke ist der Stress bei den Kindern sehr gering. Zudem wird die Sozialkompetenz durch verschiedene Rollenspiele gefördert, was auch der sprachlichen Entwicklung sehr zugute kommt«, so Schoepe.

Tägliche Förderung erfahren die Kinder etwa beim Balancieren auf Baumstämmen, Klettern auf Bäumen und dem Überwinden von einfachen Hindernissen, die in der Natur vorkommen. Weiterer Pluspunkt sei die nachgewiesene Stärkung des Immunsystems, weil die Kinder bei jedem Wetter in der freien Natur sind. Wegen der vielen Bewegung frieren die Kinder nicht. Im Ökosystem Wald könnten sie die Natur hautnah miterleben, kreativ sein und frei spielen. Bilder von Hängebrücke, Morgenkreis, Vogelprojekt, Hochbeet und vom Klettern verdeutlichten das. Die Kinder würden geschult, aufeinander Rücksicht zu nehmen, zusammenzuhalten und erlernten naturwissenschaftliche Zusammenhänge spielerisch. Wichtig seien auch der Umgang mit Tieren und die Ernährung.

»Der Geist ist wie ein Fallschirm – nur wenn er offen ist, funktioniert er«. Mit dieser Aussage zielte Franz Huber auf die Erfahrungen ab, die die Kinder in der freien Natur machen. Das in der Natur Erlernte könne gut in der Gesellschaft umgesetzt werden. Die Natur sei keineswegs perfekt, so müsse oft nach Lösungen gesucht werden, sei es beim Basteln, beim Baumhausbauen oder beim Klettern. Durch die viele Improvisation werde auch die Frustrationstoleranz geschult. Ein zufriedenes Miteinander stehe im Vordergrund.

Tiere würden untersucht, in die Hand genommen und dadurch auch Ekel vor Spinnen, Käfern und Schnecken abgelegt. Weiter würden Waldregeln besprochen und wie man mit Gefahren umgeht. Die Grundbedürfnisse der Kinder würden ausgelebt, denn Bewegung sei das Wichtigste. Basiskompetenzen würden gestärkt und so die Kinder auch auf die Schule vorbereitet. Zusätzlich würden wie im Regelkindergarten auch der Umgang mit Schere, Papier und Stiften erlernt.

Auf Anfrage meldeten sich die Eltern von 45 Kindern aus Siegsdorf, Ruhpolding, Bergen, Vachendorf und Inzell. Kinder in Waldkindergärten kämen oft aus anderen Gemeinden. Als Platz würde sich das Areal des alten Waldschwimmbads in Eisenärzt anbieten.

Nur das Holzhaus müsste ausgebaut werden

Hierfür sei nur ein Ausbau des Holzhauses notwendig, in dem sich die Kinder bei schlechtem Wetter aufwärmen können. Je mehr Kinder angemeldet würden, umso mehr Fördergelder erhalte der Kindergarten. Die Elternbeiträge sollen den Siegsdorfer Kindergärten angepasst werden. Nun müsse die Gemeinde noch einige Fragen klären, da der Bau des Gemeindekindergartens anstehe. Lothar Seissiger (UW) fragte nach der Nachhaltigkeit, worauf Franz Huber entgegnete, die Planungen für den neuen Waldkindergarten liefen mittel- bis langfristig.

Thomas Maier (CSU) sprach aus eigener Elternerfahrung und stellte dem Waldkindergarten im Allgemeinen sehr gute Noten aus. hw

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