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Entschleunigen und auf Süßes verzichten

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Nach den närrischen Tagen hat am Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen. Landrat Siegfried Walch verzichtet auf Süßes, Oberbürgermeister Christian Kegel möchte wieder mehr Sport machen und der evangelische Dekan Peter Bertram will seine Alltagsabläufe überprüfen.

Die Fastenzeit ist nicht nur für gläubige Menschen eine gute Gelegenheit, in sich zu gehen und auf liebgewonnene Laster wie Alkohol, Zigaretten und Süßigkeiten zu verzichten. Wir sprachen mit Landrat Siegfried Walch, dem Traunsteiner Oberbürgermeister Christian Kegel und einer Ernährungsberaterin über die Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern. Peter Bertram, der Dekan der evangelischen Kirche Traunstein, betont, dass es wichtig sei, auch einmal Pausen einzulegen und nicht immer sofort und überall erreichbar zu sein. Der katholische Pfarrer Quirin Strobl aus Inzell spricht von einer Zeit der inneren Einkehr und der Rückbesinnung auf den Glauben.


»Wir sollten uns in der Fastenzeit vor allem bewusst machen, dass es uns hier sehr gut geht und dass das keine Selbstverständlichkeit ist«, sagt Landrat Siegfried Walch. Er selbst verzichtet in der Fastenzeit auf Süßes, »das schadet nicht«, betont der 33-Jährige. Und am Aschermittwoch und Karfreitag esse er kein Fleisch. Zum Thema »Autofasten«, das das Umweltbundesamt und Klimaschützer ins Gespräch gebracht haben, sagt Landrat Siegfried Walch: »Das klingt ja ganz nett. Aber ich bin der Meinung, dass die wenigsten zum Spaß mit dem Auto unterwegs sind. Sie brauchen es, um in die Arbeit zu kommen.« Ähnlich sei das mit der Nutzung des Handys. »Das brauchen einfach viele Leute beruflich, um ihre Geschäfte zu erledigen. Ein absoluter Verzicht ist da schwer möglich.« Jeder müsse einfach für sich etwas finden, »das gut passt und wo es schwer fällt, zu verzichten. Darum geht es in der Fastenzeit.«

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Die evangelische Kirche ruft seit 1983 zu »Sieben Wochen ohne« auf. Dieses Jahr lautet das Motto »Sieben Wochen ohne sofort«. Das soll zu Entschleunigung und Pausen anregen. Man müsse ja nicht jede E-Mail sofort beantworten, sagt Peter Bertram, Dekan der evangelischen Kirche Traunstein. Auch er persönlich wolle die nächsten Wochen darauf ein Augenmerk haben. »Wir sind neugierig, immer präsent, überall erreichbar. Doch diese Flut nimmt uns auch gefangen.« Es gelte ein gesundes Maß zu finden, ohne untätig zu werden. »Denn manchmal muss man sofort präsent sein, egal ob ich ein Arzt bin oder ein Pfarrer. Es gibt aber auch Dinge, die ich nicht sofort, sondern zeitnah machen kann.« Er werde in der Fastenzeit seine Alltagsabläufe überprüfen. »Wo bin ich mehr Getriebener als Handelnder? Wo bin ich ganz bei mir, wo fremdbestimmt?« Das Motto der evangelischen Kirche »Sieben Wochen ohne sofort« gefalle ihm sehr gut, denn es passe einfach zur jetzigen Zeit. In Bezug auf das Fasten im klassischen Sinn habe er keine Ziele, sagt der 55-jährige evangelische Pfarrer.

»Fasten nur unter medizinischer Aufsicht«

»Fasten nur mit Brühe oder Säften würde ich in diesem Fall ablehnen«, sagt Birgit Pfingstl, Diätassistentin am Klinikum Traunstein. »Das sollte man wirklich nur unter medizinischer Aufsicht machen.« Denn das Ganze sei für den Körper eine Belastung, es könne beispielsweise zu Kreislaufproblemen kommen, so Pfingstl. Die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern habe einen religiösen Hintergrund. Hier gehe es eher darum, »auf Dinge zu verzichten, die einem weh tun, also Alkohol, Süßigkeiten oder auch das Handy«, sagt die 46-Jährige. »Es ist sehr sinnvoll, diese Dinge wegzulassen, denn wir sind überfüttert. Wir nehmen das ganze Jahr über viel zu viele Kalorien zu uns.« Wer Alkohol weglasse, spare Kalorien und schone die Organe. »Und auch Süßigkeiten sind nur leere Kalorien, die der Körper nicht braucht. Wer darauf verzichtet, kann den Blutzuckerspiegel senken und Gewicht verlieren«, betont die Ernährungsfachfrau.

»Ich habe keine größeren Laster«

»Ich bin in dieser Hinsicht ein langweiliger Mensch«, sagt Oberbürgermeister Christian Kegel. »Ich habe keine größeren Laster, auf die ich jetzt in der Fastenzeit verzichten müsste. Ich trinke nicht viel Alkohol, ich esse nicht viel Süßes. Das ist bei mir alles im Rahmen.« Er habe sich allerdings vorgenommen, »etwas weniger wenig Sport zu machen. Das wäre für mich ein schöner Ansatz. Mal schauen, ob das die Zeit hergibt.« Er versuche auch, sich etwas weniger über manche Dinge zu ärgern und sie in Relation zu den wirklichen Problemen der Welt zu sehen. »Aber das sollte man natürlich nicht nur von Aschermittwoch bis Ostern, sondern am besten das ganze Jahr über berücksichtigen«, betont Oberbürgermeister Christian Kegel.

Mit dem Aschermittwoch begann der erste Tag der 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern, die Sonntage werden dabei nicht mitgezählt. 40 Tage deshalb, weil in der Bibel steht, dass Jesus so lange in der Wüste gefastet hat. »Diese Zeit sollte für die Gläubigen auch eine Zeit der Besinnung und der inneren Einkehr sein«, betont Pfarrer Quirin Strobl aus Inzell. Man sollte sich auf den Glauben rückbesinnen und sich fragen: »Was sagt mir das Evangelium für mein Leben? Man sollte sich zum Beispiel bescheiden geben und für andere etwas tun«, betont der 65-Jährige. Er selbst will versuchen, in der Fastenzeit etwas früher ins Bett zu gehen. »Das ist gesund, wie auch weniger essen gesund sein kann.« KR