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Entscheidungshilfe für die Wähler?

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Kandidatencheck für die anstehende Landtagswahl (von links): Sepp Parzinger (SPD), Dr. Walter Buggisch (FDP), Landtagsabgeordneter Markus Fröschl (CSU), Dr. Lothar Seissiger (Freie Wähler), Michael Reiter (Die Linke) und Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen) stellten sich den Fragen der Zuhörer. In der Mitte die DGB-Moderatorin Katarina Koper. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Eine Diskussionsrunde mit sechs Landtagskandidaten aus der Region, deren Parteien im Bundes- oder Landtag vertreten sind, organisierte der DGB im Brauereiausschank Schnitzlbaumer. Während Markus Fröschl (CSU, in Vertretung des erkrankten Klaus Steiner) und Gisela Sengl (Grüne) um die Wiederwahl kämpfen, bemühen sich Sepp Parzinger (SPD), Dr. Lothar Seissiger (Freie Wähler), Dr. Walter Buggisch (FDP) und Michael Reiter (Die Linke) um den erstmaligen Einzug in den Landtag.


Moderatorin Katarina Koper, Jugendsekretärin der DGB Jugend Oberbayern, betonte zu Veranstaltungsbeginn, dass man sich nicht nur für die Themen in den Betrieben interessiere, sondern auch darum, wie die Lebensumstände für die Menschen außerhalb der Arbeitswelt seien. Ruckzuck ging es in die Diskussionsrunde und sofort zeigten sich die Unterschiede in Fragen der Bildungspolitik. »Wir wollen berufliche und akademische Bildung gleichstellen«, sagte Sengl, die kritisierte, dass die Feminisierung des Lehrerberufs dafür sorge, dass die Bezahlung tendenziell schlechter werde, was mit einer der Gründe für zunehmenden Lehrermangel sei.

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Seissiger sah weniger Strukturfragen in der Schule entscheidend: »Die Erziehung unserer Kinder ist das Problem. Zuhause ist die anscheinend so schlecht, dass in der Schule nacherzogen werden muss.« Parzinger monierte den Status-Quo: »Das Schulsystem ist viel zu undurchlässig.« Entscheidungen müssten viel zu früh in jungen Kinderjahren getroffen werden. Wichtig seien Ganztagsschulplätze. Fröschl kritisierte, die Schule verkomme immer mehr zum »gesellschaftlichen Reparaturbetrieb«. Er hielt die Lanze für das mehrgliedrige Schulsystem hoch, es gebe »keinen Abschluss ohne Anschluss«. Das System stellte Reiter infrage, die Klassen seien viel zu groß, es brauche bessere Betreuung, um die Schüler individuell besser fördern zu können. Schule sei auch eine gesellschaftliche Bildung und Lebensbildung. Buggisch wies darauf hin, dass man insbesondere in die Lehrer investieren müsse, Zeitverträge seien ein Unding. »Wir müssen deutlich mehr in die Ausbildung und in unsere Lehrer investieren.« Diese müssten in den Mittelpunkt der Bemühungen gestellt werden.

In so manchen Themen lagen die Positionen der Kandidaten – vereinzelt klar von den parteipolitischen Grundsatzprogrammen abweichend – gar nicht so weit auseinander. So zum Beispiel beim öffentlichen Personennahverkehr, für dessen Stärkung alle Kandidaten plädierten. Auch sei es wichtig, dass in der Region genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze angeboten würden, sodass es zu keinem Wegzug in die Ballungsräume komme. Während Parzinger mehr ein Hand-in-Hand-Arbeiten der Kommunen über die Landes- und Bundespolitik forderte, lobte Seissiger das Engagement auf Kreisebene, in der man mit dem »Zweckverband Heimat.Chiemgau« Wohnbauprojekte in Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und dem Landkreis mit finanzieller Unterstützung des Freistaats realisieren will. Während Sengl ebenfalls nach staatlicher Hilfe für den Umbau von größeren Einfamilienhäusern in teilbare kleinere Einheiten rief, forderte Reiter, gegen Spekulanten vorzugehen, die Objekte bewusst leer stehen lassen würden: »Die gehören für mich enteignet.« Fröschl monierte, dass es kein Patentrezept für die Wohnungsnot gebe, während Buggisch mehr auf die funktionierenden Kräfte von Angebot und Nachfrage verwies.

Unterschiede wurden deutlich, als die Kandidaten zum Abschluss Werbung in eigener Sache betreiben konnten. Während Sengl die Grünen als die einzige Partei definierte, die wirklich glaubwürdig sei, sah Reiter für die Linken den Vorteil, dass man als einzige Partei mit der CSU eine Koalition ausschließe. Die Stärken der Freien Wähler seien laut Seissiger, dass man sich ausschließlich auf die Kommunalpolitik konzentriere, während Buggisch den Fokus themenbezogen auf die Bayerische Polizei legte, bei der man gut aufgestellt sei, vieles aber besser machen könne. Parzinger sah, dass man mit den Sozialdemokraten im Landkreis jemand habe, »der sich endlich um soziale Themen im Landkreis kümmert«, während Fröschl auf die Erfolgsbilanz der Staatsregierung verwies. »Bayern steht gut da. Die CSU hat bewiesen, dass sie das kann.« awi