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Entfellner: »Asylbewerber als Herausforderung der Zukunft«

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Unterwössen. Das Thema Asylbewerber findet immer mehr Resonanz im Wahlkampf zur Kommunalwahl am 16. März. Mit über 100 Zuhörern war die erste Wahlveranstaltung des CSU-Ortsverbandes Wössen in den Räumen der Deutschen Alpensegelflugschule Unterwössen (DASSU) sehr gut besucht. Der Unterwössner CSU-Bürgermeisterkandidat Ludwig Entfellner und CSU-Landratskandidat Siegfried Walch aus Inzell nutzten das, sich und ihre Ziele ausführlich darzustellen. Zur Frage der Asylbewerber waren sie einer Meinung.


Wer angesichts des Einladungstextes auf eine angeregte, öffentliche Diskussion gehofft hatte, wurde enttäuscht. Versammlungsleiter Hermann Minisini verwies im Anschluss an die Vorträge auf das private Gespräch mit den Kandidaten und Parteibewerbern. Davon machten viele Zuhörer Gebrauch.

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Bürgermeisterkandidat Ludwig Entfellner verlangte, mit der Frage der Unterbringung von Asylbewerbern offen und ehrlich umzugehen. Zunächst sei von jedem die Ehrlichkeit einzufordern, sich nichts vorzumachen. Wer in der wachsenden Zahl der Asylbewerber eine kurzfristige Zeiterscheinung sähe, mache sich etwas vor. Asylbewerber seien die Herausforderung der Zukunft. Wer sich das eingestehe, sei auf dem Weg, sich damit einzurichten. Musterbeispiel und zugleich Beispiel für eine nach seiner Ansicht starke Bürgerschaft in Unterwössen sei der hiesige Helferkreis Achental. 50 Helfer hätte der Initiativkreis zwischenzeitlich organisiert. Den Deutschunterricht erteilen ehrenamtliche Helfer. Die Kleidertauschbörse nimmt ihre Arbeit auf. Er zitiere gerne die Mitinitiatorin Regine Käuffer, sagte Entfellner: »Der Helferkreis ist keine Sozialromantik, sondern reiner Pragmatismus.«

Und Offenheit verlangt Entfellner, wechselseitige Offenheit zwischen Bürgern und Asylbewerbern. Das bedeute für ihn auch, wechselseitig Probleme anzusprechen, um sie lösen zu können. Offenheit verlange er aber auch vor allem im Verwaltungsverfahren. Die überraschende Unterbringung solle sich in der Zukunft verbieten. Entfellner brachte klar zum Ausdruck, dass ihm die schwerpunktmäßige Unterbringung in Einzelgemeinden ohne Rücksicht auf Einwohnerzahl und Struktur Sorgen machen würde.

Landratskandidat Siegfried Walch schloss sich dem weitestgehend an. Hatte er zuvor bereits in seiner langen Vorstellung das Thema Asylbewerber behandelt, machte die einzig zugelassene Wortmeldung im Anschluss an die Vorträge das noch einmal zum Thema. Der Oberwössner Willi Entfellner, Listenbewerber bei der Oberwössner Wählergruppe, schilderte noch einmal, wie Oberwössen von den Asylbewerbern im dortigen Gasthof zur Post überrascht worden sei. Von Siegfried Walch wollte er noch einmal konkret wissen, wie er in seiner Funktion als Landrat dieses Thema angehen würde.

Walch stellte zunächst einmal heraus, dass sich seine Heimatgemeinde Inzell in der gleichen Situation befinde. Er belegte das mit Zahlen. Sein erster und vordringlicher Wunsch sei es, dass Asylbewerber in einem vernünftigen Verhältnis zur Gemeindegröße und Einwohnerzahl aufgenommen würden. Er habe sich fest vorgenommen, die betroffenen Bürgermeister jeweils schon im Vorfeld auf eine anstehende Asylbewerberunterbringung hinzuweisen. Er habe das Gespräch mit der Staatsministerin Emilia Müller gesucht. Angesichts der übergeordneten Gesetzeslage gäbe es im Verfahren zwar wenig Spielraum. Er habe der Staatsministerin die besondere Situation kleiner und touristischer Gemeinden aber nachdrücklich verdeutlichen können. So hoffe er mit gutem Grund auf ein Umdenken.

Mehrfach kam in den verschiedenen Redebeiträgen zum Ausdruck, dass die DASSU mit Bedacht als Veranstaltungsort gewählt worden sei. Die Redner unterstrichen die Schlüsselfunktion der Einrichtung für das Achental und geschäftsführender Vorstand Rüdiger Ettelbrück belegte das mit Zahlen. Das im September zu feiernde, 60-jährige Bestehen sei für eine Segelflugschule beeindruckend. Rund 1,1 Millionen Starts habe es seither vom Unterwössner Flugplatz aus gegeben. Siegfried Walch erklärte auf Nachfrage, dass er im Fall seiner Wahl gern die alte Tradition fortsetzen möchte und als Landrat für das Amt des ersten Vorstandes der DASSU zur Verfügung stehen würde. lukk