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Energiewende nur durch gemeinsames Handeln zu schaffen

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Der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer (rechts), und Landrat Hermann Steinmaßl sprachen zum Auftakt der Bayerischen Klimawoche im Landkreis Traunstein. (Foto: Buthke)

Traunstein. Zum Auftakt der Bayerischen Klimawoche, an der der Landkreis Traunstein bereits zum vierten Mal teilnimmt, kam der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer, ins Chiemgau-Gymnasium. Den Schwerpunkt seiner Ausführungen bildete die energetische Sanierung von Gebäuden und die damit verbundene Energieeinsparung.


Zudem stellte Landrat Hermann Steinmaßl das Energieleitbild des Landkreises Traunstein vor. Im Vorfeld der Veranstaltung konnten die neue Biomasse-Heizanlage der Stadtwerke Traunstein und eine Ausstellung zur Wasserkraftnutzung am Wasserkraftwerk »Unterwerk I« in der Nähe des Chiemgau-Gymnasiums besichtigt werden.

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Ziel ist grundlegender Umbau der Energieversorgung

»Unser Ziel ist ein grundlegender Umbau der Energieversorgung bis 2050«, stellte Ramsauer fest. Als Ziele nannte er eine Minderung der Treib-hausemissionen um 40 Prozent bis 2020 und mindestens 80 Prozent bis 2080 im Vergleich zu 1990 und die Verringerung des Primärenergieverbrauchs um 20 Prozent bis 2020 und 50 Prozent bis 2050 gegenüber 2008. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll 2050 mindestens 60 Prozent betragen.

Eine zentrale Rolle spielen für ihn Gebäude und Mobilität, die 60 Prozent der Endenergie brauchten. »Wir wollen bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreichen. Neubauten sollen bereits 2020 klimaneutral sein«, bekräftigte er. Nicht weniger ambitioniert zeigte sich Ramsauer beim Verkehr. Hier soll der Energieverbrauch bis 2020 um rund zehn und bis 2050 um rund 40 Prozent gesenkt werden. Diese Ziele seien jedoch nur zu schaffen, wenn alle Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie die Wirtschaft und nicht zuletzt die Bürger an gemeinsamen Lösungen arbeiteten.

Bei Gebäuden sei man auf einem guten Weg. Der Anteil für Heizung, Kühlung und Warmwasser betrage nur noch 31 Prozent, vor einigen Jahren noch 40 Prozent. Ramsauer be-tonte, sein Ministerium setze auf Anreizsysteme statt auf Ordnungsrecht. Denn es sei unsinnig, jemand zu etwas zu zwingen, das er nicht bewältigen könne. Seit 2006 habe man die energieeffiziente Sanierung oder den Bau von knapp drei Millionen Wohnungen gefördert. Für den Landkreis Traunstein bedeute dies 6000 bis 8000 Wohnungen.

Dabei wies er auf den ökonomischen Erfolg hin: die Investitionen schaffen und sichern jährlich bis zu 300 000 Arbeitsplätze im Mittelstand und örtlichen Handwerk. Dabei wies er auf das KfW-Programm »Energetische Stadtsanierung« hin, das Zuschüsse an Kommunen, private Eigentümer oder auch lokale Energieversorgungsunternehmen beinhaltet. Durch Forschung und Innovation gebe es bereits das »Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität« als Haus der Zukunft. Es liefere nicht ein Plus an Energie, sondern sei zu 100 Prozent nachhaltig konzipiert.

Eine der größten Herausforderungen

Landrat Steinmaßl nannte die Energiewende eine der größten Herausforderungen der Gegenwart, die gerade auch die Umsetzung auf Ebene der Kommunen und Landkreise erfordere. »Dies kann nur im gemeinsamen Handeln und in der engen Zusammenarbeit aller verantwortlichen Ebenen in Politik und Gesellschaft erfolgen«, sagte Steinmaßl.

Er machte auf die Ziele des Landkreises aufmerksam, den Strombedarf bis 2020 aus erneuerbaren Energien zu decken. Ferner sollen die Potenziale so genutzt werden, dass auch der Strombedarf der Industrie bis 2025 rechnerisch abgedeckt werden kann. »Bereits seit zehn Jahren, also lange vor Fukushima, befasste sich der Landkreis mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien«, betonte der Landrat. »Ihr Anteil stieg in diesem Zeitraum von 200 auf über 400 Millionen Kilowattstunden.« 2011 habe ihr Anteil beim Verbrauch für Haushalte, Kommunen und Gewerbebetriebe bei 65 Prozent gelegen.

Als wichtigen Schritt nannte er den gemeinsamen Energienutzungsplan »Strom«, der in dieser Form bisher einmalig in Bayern sei. Er zeige alle theoretischen Möglichkeiten für den Landkreis sowie seine 35 Städte und Gemeinden für alle fünf erneuerbaren Energiearten (Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie).

Weitere Schritte seien Energiepläne für Wärme und Mobilität in Kooperation mit den Kommunen. Vorbildlich sei die Klima- und Energiekonferenz des Landkreises unter dem Dach des »Sonnenkreises Traunstein«. Der Kreistag habe die Leitsätze für das weitere Vorgehen im neuen Leitbild verankert. »Unser gemeinsames Motto lautet E7.« Energie sparen, Energieeffizienz bei der Erzeugung, Nutzung und Vernetzung, erneuerbare Energien im Mix, einheimische Erzeugung unter Nutzung regionaler Ressourcen, Erkenntnis der bestmöglichen und wirtschaftlichen Technik bei Erzeugung, Speicherung, Transport und Verbrauch, Ehrlichkeit, dass dies nicht ohne Veränderung im Landschaftsbild möglich sein wird, sowie Einigkeit auf allen Ebenen.

»In der Summe stelle ich immer wieder fest, dass der Landkreis Traunstein sehr viele Chancen und Möglichkeiten für die Energiewende hat. So viele, wie kaum ein anderer Landkreis in Deutschland«, so Steinmaßl. »Deshalb bin ich überzeugt: Wenn es ein Landkreis schafft, dann der Landkreis Traunstein.« Dazu brauche man viele Partner und gemeinsames Wollen, aber auch Innovation und die Kompetenz von Experten. Bjr