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Energieagentur als neue Anlaufstelle

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Traunstein – Die Energieagentur Nummer elf in Bayern wird unter dem Titel »Energieagentur Südostbayern« in den Landkreisen Traunstein, Altötting, Berchtesgadener Land und Mühldorf entstehen. Die Agentur mit Sitz in Traunstein soll zentrale Anlaufstelle für Bürger, Unternehmen und Kommunen werden, neutrale und fachkompetente Information und Beratung zu den Themen Energie und Energetische Sanierung bieten.


Der Ausschuss für Umweltfragen, Abfallwirtschaft und Energie unter Vorsitz von Landrat Siegfried Walch befürwortete gestern einhellig das Projekt, das Martin Sambale vom seit 17 Jahren erfolgreich arbeitenden »Energie- und Umweltzentrum Allgäu« (EZA) in Einzelheiten präsentierte.

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Landrat Walch merkte grundsätzlich an, er sei »eigentlich skeptisch gegenüber freiwilligen Leistungen«. Aber das Allgäu habe sehr positive Erfahrungen gemacht: »Wir helfen damit, die Energiewende voran zu bringen, aber fördern auch die heimische Wirtschaft.« Der Freistaat Bayern bezuschusse die Energieagentur als Teil des Klimaprogramms 2020 mit 130 000 Euro in den ersten drei Jahren. Der Landkreis muss nach Walch mit einem Finanzierungsanteil von bis zu 85 000 Euro im kommenden Jahr und gestaffelt mit voraussichtlich 56 000 Euro im Jahr 2020 rechnen. Der Förderantrag müsste noch heuer gestellt werden, um bis 2018 staatliche Gelder zu erhalten.

Wärmeversorgung hat größtes Potenzial

Das größte Potenzial bei der Einsparung und Effizienz von Energie liegt im Bereich der Wärmeversorgung, wie der Landrat ausführte. Entscheidend sei, Haushalte, Wohnungswirtschaft und Unternehmen flächendeckend anzusprechen, zu Sparmaßnahmen zu motivieren und sie dabei qualifiziert zu beraten. Die zentralen Ziele und Maßnahmen seien zusammen mit den anderen drei Landkreisen in einem Strategiepapier erfasst worden. Mit Beratung von EZA sei daraus ein erster Konzeptentwurf für einen »Businessplan« einschließlich Finanzierungsplan entstanden.

Der Umweltausschuss fasste einstimmig alle grundsätzlichen Beschlüsse, auch zur Finanzierung. Das letzte Wort hat dann der Kreistag. In den nächsten Monaten wollen auch die anderen beteiligten Landkreise die Weichen endgültig stellen.

Fritz Stahl (SPD) fragte in der Diskussion, woher Geschäftserlöse kommen sollen. Sambale berichtete, 50 Prozent der EZA-Leistungen nähmen Kommunen in Anspruch, die dafür zahlen müssten. Es werde schwierig, wenn Anschubförderungen des Staats später wegbrächen, merkte Franz Parzinger (CSU) an. Andererseits sei es notwendig und sinnvoll, vorhandene Aktivitäten zu bündeln. Darin stecke »ein großes Potenzial«. Walch gab ihm recht, man müsse ein Projekt nach einer gewissen Zeit kritisch anschauen. Fünf Jahre sei der richtige Zeitraum. Im Allgäu sei der Eigenanteil der Landkreise gesunken, obwohl die Staatszuschüsse ausgelaufen seien.

Peter Ober (CSU) zeigte sich »begeistert« von einer Energieagentur hierzulande. Ins gleiche Horn stieß Bernd Gietl (CSU), der auch die Leistungen des Ökomodells Achental heraushob. Die personelle Ausstattung nur mit drei Mitarbeitern sei zu wenig. Er wollte wissen, ob dabei an »Kenner der Region« gedacht werde. Zum Personalbedarf erwiderte Walch, er könne jederzeit aufgestockt werden. Im Allgäu seien 30 Leute beschäftigt. Auf eine Frage von CSU-Kreisrat Josef Mayer verwies Sambale auf die mögliche Zusammenarbeit über die Grenzen der Region hinaus, etwa mit Salzburg.

Walch: »Riesensatz nach vorne«

Zu den vorhandenen Einrichtungen wie Ökomodell oder Forum Ökologie keine Konkurrenz aufzubauen, forderte Franz Helmberger (CSU). Sylvester Dufter vom Ökomodell bot an, die Energieagentur nach Kräften zu unterstützen. Von einem umweltpolitischen »großen Schritt«, »einem Riesensatz nach vorne« sprach Siegfried Walch. In den zurückliegenden Jahren sei über die Energiewende viel geredet worden: »Jetzt können wir was tun.«

Die Zukunft des »Sonnenkreises« schnitt Alexander Reinmiedl (Bündnis 90/Die Grünen) an. Dr. Birgit Seeholzer vom dafür zuständigen Landratsamt meinte dazu: »Wir brauchen die Beratung der Energieagentur.« Den Bereich der Profi-Energieberater brachte Dirk Reichenau (SPD) aufs Tapet. Im Allgäu wolle man die Bürger mit einem niederschwelligen Angebot erreichen, die sich sonst mit dem Thema nicht beschäftigen, gab Martin Sambale Auskunft. Für professionale Energieberater und Handwerk sollten »am Ende Aufträge herauskommen«.

Einen insgesamt positiven Überblick für 2014 beim Energienutzungsplan lieferte Referent Simon Achhammer vom Institut für Energietechnik an der Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Stromverbrauch von 1,04 Millionen Kilowattstunden sei im vergangenen Jahr gestiegen auf 50 Prozent, wenn man die Großbetriebe einrechne, ohne sie sogar auf 77 Prozent. Ob man das Ziel »100 Prozent« bis zum Jahr 2020 erreiche, sei für ihn »eher sekundär«, betonte der Landrat. Wichtig sei, dass enorm viel geschehen sei. kd