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»Emotionaler Kochtopf hochgegangen«

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Als die Polizei den betrunkenen Randalierer vor gut einem Jahr in die Zelle bringen wollte, flippte der 22-Jährige aus. Er trat einen Beamten und biss einem anderen Polizisten in den Arm. Nun wurde der junge Mann zu einer Geldstrafe verurteilt. (Foto: dpa)

Traunstein – Ein 22-Jähriger randalierte vor gut einem Jahr in einem Lokal in Traunstein. Er biss zwei Bekannte und einen Polizisten. Ein weiterer Beamter erlitt eine Nasenbeinprellung, als der stark angetrunkene Mann auf der Dienststelle völlig ausflippte. Das Amtsgericht Traunstein mit Richterin Sandra Sauer verurteilte den geständigen Angeklagten am Donnerstag zu einer Geldstrafe von 1000 Euro.


Strafbefehl war noch deutlich höher ausgefallen

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Der Strafbefehl, gegen den der 22-Jährige aufgrund der Höhe Einspruch eingelegt hatte, war mit 150 Tagessätzen zu je 20 Euro noch dreimal so hoch ausgefallen. Viele Pluspunkte und ein geringeres Einkommen führten zu der »Ermäßigung«. Das Urteil wurde mit Zustimmung von Staatsanwältin Julia Fetschele rechtskräftig.

Der Angeklagte war am 10. August 2014 mit einem Arbeitskollegen auf Kneipentour in Traunstein. Gegen 1.35 Uhr waren die beiden in einem Lokal am Bahnhofsplatz. Dort biss der 22-Jährige einem flüchtigen Bekannten in den Unterarm. Neben einer kleinen Wunde waren Schmerzen und ein Bluterguss die Folgen. Eine Viertelstunde später biss der junge Mann auch seinem Arbeitskollegen in den Arm – mit den gleichen Folgen. Zwei über Notruf verständigte Polizeibeamte nahmen den Randalierer in Gewahrsam. Gefesselt schlug der 22-Jährige seinen Kopf im Dienstfahrzeug mehrfach an die Seitenscheibe und trat gegen die Türverkleidung. Die Beamten holten ihn aus dem Wagen heraus und fixierten den Angetrunkenen am Boden. Dagegen setzte er sich heftig zur Wehr. Die Polizisten bekamen üble Schimpfworte zu hören, darunter »Bullenschweine«. Verstärkung traf ein. Zu dritt schafften die Beamten den 22-Jährigen in einen VW-Bus. Einer der Tritte traf einen Polizisten an der Nase. Mit einer Nasenbeinprellung, Nasenbluten und Schmerzen war der Mann für die restliche Schicht dienstunfähig.

In der Polizeiinspektion leistete der 22-Jährige weiter massive Gegenwehr, als er in eine Zelle sollte. Er musste in den Keller getragen werden. Dabei stieß er erneut wüste Beleidigungen aus und biss einen der Uniformierten, der eine Wunde, Schmerzen und eine Schwellung erlitt.

Arbeitskollege schenkte ihm »Maulkorb« zum Geburtstag

»Wie konnte das Geschehen derart eskalieren?« Auf diese Frage der Richterin antwortete der ohne Verteidiger gekommene 22-Jährige: »Unvernünftig viel Alkohol hat maßgeblich dazu beigetragen. Ich bin 20 Jahre gefrustet durchs Leben gegangen. Bei mir ist ein emotionaler Kochtopf hochgegangen.« Der Angeklagte berief sich auf Schulprobleme, miese Freunde und eine depressive Lebensphase: »Ich hatte keine Arbeit, keine Zukunftsperspektive, wusste nicht, wie es weitergeht.« Derzeit lebe er von »familiärer Unterstützung«. Seine Oma nickte im Zuhörerbereich. Künftig wolle er »ganz von vorne beginnen«, eine Technikerschule besuchen und eine zweijährige Ausbildung absolvieren, berichtete der 22-Jährige. Zu seinen Randalierereien beteuerte er, er habe sich bei allen Betroffenen entschuldigt, bei den Polizeibeamten, die mit ihm nicht reden wollten, schriftlich. Sein Arbeitskollege habe den Armbiss mit Humor genommen und ihm zum Geburtstag einen »Maulkorb« geschenkt.

Das Gericht schloss sich dem Schlussantrag von Staatsanwältin Julia Fetschele über 1000 Euro Geldstrafe an. Die Geldstrafe aus dem Strafbefehl sei zu hoch gewesen, hob Richterin Sandra Sauer heraus. Alles sei in einer Nacht passiert. Für den 22-Jährigen sprächen sein Geständnis, die Entschuldigungen und die alkoholbedingte Enthemmung. Die Richterin warnte den jungen Mann vor Alkohol. Sollte er angetrunken wieder eine Straftat begehen, gehe der letzte Strafmilderungspunkt zu seinen Lasten: »Dann wüssten Sie nämlich, dass Sie unter Alkohol ausfällig werden.« kd