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Eltern-Kind-Plan hilft bei Regelung des Umgangs

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Links die Mama, rechts der Papa, das Kind in der Mitte – wer nach einer Trennung das Kind wann wie lange betreut, das regelt der Eltern-Kind-Plan, den der Kinderschutzbund Traunstein neuerdings anbietet.

»Bitte hört sofort auf zu streiten, sofort! Ich liebe Euch doch beide!« – so oder so ähnlich hört sich der Hilferuf eines Kindes an, dessen Eltern sich gerade trennen. Viele Kinder trauen sich nicht einmal, ihn auszusprechen, weil sie nicht alles noch viel schlimmer machen wollen. Denn in vielen Fällen gehen der Trennung starke Verletzungen der Partner voraus, und nicht immer gelingt es, die persönlichen Konflikte miteinander von der lebenslangen Rolle als Eltern zu trennen.


Hier bietet der Kinderschutzbund Traunstein jetzt ein neues Hilfsinstrument an: den Eltern-Kind-Plan. Nach dem Konzept der amerikanischen Mediatorin Nancy Porter-Thal haben Eltern dabei die Möglichkeit, sich von der Diplom-Sozialpädagogin Sylvia Schilbach drei Stunden lang beraten zu lassen. Ziel ist es, gemeinsam eine Regelung zu finden und schriftlich festzuhalten, wie der Umgang mit dem Kind gestaltet werden soll. »Das ist eine freiwillige Vereinbarung bei gütlicher Einigung der Eltern ohne das Gericht«, erklärt Schilbach im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Und diese Vereinbarung ist auch unabhängig davon möglich, ob nur ein Elternteil oder beide das Sorgerecht haben. »Im Idealfall berate ich beide Eltern, es ist aber auch möglich, nur einen zu beraten und ihm Möglichkeiten aufzuzeigen, wie er besser mit dem Ex-Partner kommunizieren und gute Lösungen für das Kind suchen kann.« Denn das Kindswohl ist die alles entscheidende Prämisse. »Die Frage ist immer: Was bedeutet das für das Kind?«

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»Wir haben im Wesentlichen zwei Gruppen von Eltern, die zu uns kommen«, berichtet der langjährige Familienrichter Fritz Burkhardt, der im Kinderschutzbund die kostenlose Erstberatung übernimmt. »Die einen sind bereits weitgehend kooperativ und brauchen nur noch ein bisschen Moderation. Aber auch die hoch strittigen Fälle haben etwas von dem Eltern-Kind-Plan, denn es hilft, Probleme zu verbessern, wenn es Regularien gibt, die beide Seiten einhalten.« Glücklicherweise gebe es immer mehr Familien, bei denen es beiden Eltern wichtig ist, im Falle der Trennung gute Lösungen für die Kinder zu finden. »Da wandelt sich die Gesellschaft generell, zum Glück.«

»Ich versuche immer, den Eltern einen anderen Blick auf ihre Situation zu ermöglichen«, erklärt Schilbach weiter. Ich muss mir nicht die Blöße geben, auf den anderen einzuhacken, nur damit ich Recht hab'.« Denn ebenso wie Kinder beide Eltern lieben, liebten ja auch beide Eltern ihr Kind. Und das sei die Basis für gemeinsam getroffene Entscheidungen.

Reibungspunkte im Idealfall im Vorhinein lösen

Der Eltern-Kind-Plan bietet Familien einen Rahmen, innerhalb dessen Wege und Möglichkeiten aufgezeigt werden, die die Familien dann individuell umsetzen können. Konflikte und Reibungspunkte werden im Idealfall im Vorhinein gelöst. Dabei sollen die Einzigartigkeit jeder Person und die persönlichen und individuellen Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder berücksichtigt werden.

Geregelt wird in diesem Plan detailliert, wer das Kind wann zur Schule oder in den Kindergarten bringt, wer es wann wieder abholt und wo wie lange betreut, wer welche Arzttermine oder Besuche bei sozialen Einrichtungen wie übernimmt oder wann die Großeltern besucht. »Gerade wenn das Kind quasi zwei Familien hat, ist es oft auch einfach hilfreich, einen schriftlichen Plan zu haben, an dem man sich orientieren kann«, sagt Schilbach.

Wer sich für das Angebot des Kinderschutzbundes interessiert, der kann sich informieren oder einen Termin vereinbaren unter Telefon 0861/12040. coho