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Else Pradella war die erste Frau im Traunsteiner Kreistag

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Sie war die erste Frau im Traunsteiner Kreistag: Else Pradella, die heute ihren 90. Geburtstag feiert. (Foto: H. Eder)

Traunreut. Sie war die erste Frau im Traunsteiner Kreistag und zusammen mit Heide Bär eine der ersten Frauen im Stadtrat von Traunreut. Die Rede ist von einer einstmals sozialdemokratischen Institution in der Stadt Traunreut, Else Pradella. Die im Erzgebirge zur Welt gekommene, sozial überaus engagierte Frau wird am heutigen Samstag 90 Jahre alt. Seit ein paar Jahren lebt sie, geistig und körperlich voll fit in einer betreuten Wohnanlage in Ebersberg, weil dort auch eine ihrer beiden Töchter zu Hause ist.


Sie engagierte sich von Anfang an bei der Arbeiterwohlfahrt in Traunreut, wo sie Mitbegründerin und Zweite Vorsitzende des Sozialdienstes war und 25 Jahre lang im Ortsverein den Schriftführerposten bekleidete. Ebenso lange war sie in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde als Leiterin des Frauenkreises aktiv und erreichte so in nur zwölf Jahren einen Bekanntheitsgrad, dass sie nicht nur in den Stadtrat, sondern auch in den Kreistag gewählt wurde. Else Pradella meint noch heute, es sei fast ein Wunder gewesen, dass sie damals den Sprung in den Kreistag geschafft habe: sie als evangelische Sozialdemokratin »in diesem katholischen, schwarzen Oberbayern, als Flüchtling und dann auch noch dazu als Frau«.

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Am 7. Dezember 1923 in Auerbach im Erzgebirge geboren, machte sie eine Lehre in einer Strumpffabrik. Nach dem Krieg war sie in ihrem Heimatort zwei Jahre als Gemeindeschwester tätig. Zusammen mit ihrem Mann Johannes und den zwei Töchtern kam sie 1954 in den Westen. Nach einer Zwischenstation in Bischofswiesen kam die Familie 1960 nach Traunreut. 1972 begann ihre politische Karriere, die letztlich in der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande gewürdigt wurde.

Sechs Jahre durfte Else Pradella sogar eine bis dato nicht mehr da gewesene Sitzverteilung genießen: Die SPD war seinerzeit stärkste Fraktion, hatte einen Sitz mehr als die CSU. An die Zeit im Stadtrat denkt sie gern zurück. »Da konnten wir was bewegen«, sagt sie und meint damit den weiteren Aufbau der Stadt Traunreut. Von 1972 bis 1990 war sie Mitglied des Stadtrates. Die Unterlagen aus dem städtischen Archiv geben Auskunft darüber, dass Else Pradella all die Jahre Mitglied im Haupt- und Werkausschuss war, zwölf Jahre im Rechnungsprüfungsausschuss, sechs Jahre im Planungsausschuss. Von 1978 bis 1984 war sie Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion und in dieser Zeit auch Ortswaisenrätin.

Else Pradella gehört zu jenen Menschen, die auch von politisch anders orientierten Leuten geachtet und geschätzt werden. »Was sie an der politischen Arbeit interessiert hat, war die Möglichkeit, die Welt ein bisschen gerechter und menschlicher zu machen«, schrieb einst der Traunreuter Chronist Peter Seeholzer. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Am heutigen Samstag wird im Kreise der Familie, zu der mittlerweile je vier Enkel und Urenkel gehören, groß gefeiert. Und am gestrigen Freitagvormittag wäre ein weiterer Anruf wegen einer möglichen Rückfrage zwecklos, beschied sie dem Berichterstatter nach einem freundlichen und sehr unterhaltsamen Gespräch: »Denn ab 10 Uhr bin ich beim Friseur.« Alter schützt eben nicht vor Eitelkeit. he