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Elf Überseer Familien nehmen an Deutscher Umweltstudie teil

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Jede Menge Fragen hatten der zwölfjährige Anton (links) und seine Mutter Tina zu beantworten. Interviewer Rüdiger Bornhöft schrieb die Antworten fleißig mit. (Foto: Schwaiger-Pöllner)

Übersee – Das Umweltbundesamt untersucht regelmäßig in großen Umweltstudien, welche möglicherweise schädlichen Chemikalien und Umwelteinflüsse die Menschen in Deutschland belasten. Mit seiner sogenannten »GerES«-Studie, der Deutschen Umwelt-studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, ist die Behörde jetzt in Übersee zu Gast gewesen. Elf Familien beantworteten nicht nur jede Menge Fragen, sie gaben auch Trinkwasser- und Urinproben ab und ließen bei sich zu Hause Ultrafeinstaubpartikel und Schall messen.


Seit neun Tagen ist Interviewer Rüdiger Bornhöft in Übersee, hat bereits zehn Familien besucht. Jetzt sitzt er mit dem zwölfjährigen Anton, dem letzten auf seiner Liste, und seiner Mutter Tina am Tisch. Rund eineinhalb Stunden lang wird er den beiden jede Menge Fragen stellen. Mutter und Sohn kennen das Prozedere. Erst im Spätsommer hatte Anton an der vorgelagerten KiGGS-Untersuchung teilgenommen – freiwillig, wie auch dieses Mal.

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Für die Studie, so erklärt es Interviewer Bornhöft, seien quer durch die Republik und quer durch alle Gesellschaftsschichten Kinder und Jugendliche ausgewählt worden – zufällig über die Einwohnermeldeämter. Sie repräsentieren die Altersgruppe der 3- bis 17-Jährigen für ganz Deutschland.

Für Anton und seine Eltern war sofort klar, dass sie wieder mitmachen würden. »Diesmal interessiert mich vor allem, wie gut die Qualität unseres Trinkwassers ist«, gesteht Mutter Tina. Die Innenarchitektin, ihr Mann, die beiden Töchter und der Sohn trinken viel Wasser aus der Leitung. Zwei Wasserproben hat sie auf Anweisung von Rüdiger Bornhöft entnommen und in Kanister gefüllt: die erste gleich in aller Früh und die zweite gegen Mittag, nachdem mindestens vier Stunden lang kein Wasser aus der Leitung gelaufen ist.

»Welche Mengen Wasser aus der Leitung hat Anton gestern zu sich genommen?«, will Rüdiger Bornhöft vom zwölfjährigen und seiner Mutter wissen. Beide lassen den Tag Revue passieren, zählen zusammen – und kommen auf fünf Gläser. Der Interviewer fragt auch Antons Essgewohnheiten ab. »Wie oft hat Anton in den letzten vier Wochen in einer Kantine und in einer Mensa gegessen?«, will er wissen. Mutter und Sohn gehen in sich, überlegen und sind sich dann einig: »Nie«. Dann will Bornhöft wissen, wie es etwa mit Innereien (»Iiihh«), Krusten- und Schalentieren (»Ja, etwa zweimal im Monat«), Fast Food (»Anton holt sich gerne Döner«) und Kaugummi (»einmal in der Woche«) aussieht.

Wie viele Stunden verbringt Anton in seinem Zimmer?

Bornhöft will außerdem wissen, wie viele Stunden Anton in seinem Zimmer verbringt – inklusive Schlaf. »Nicht so viel«, meint seine Mutter. Dann zählen sie und ihr Sohn nach. »Zwölf Stunden«, sagt die 49-Jährige schließlich und schiebt nach, »nicht mehr.« Dann fragt der Interviewer, ob Antons Zimmer ein Fenster zur Straßen hin hat (»Nein«) und ob er bei gekipptem Fenster schläft. »Im Sommer schon«, sagt Anton, nachdem er ein wenig überlegt hat.

Eine ganze Reihe weiterer Fragen muss der Zwölfjährige beantworten, zum Beispiel ob er sich von Nachbarschaftslärm belästigt fühlt oder ob er Lederschuhe ohne Strümpfe trägt. Beides verneint der Bub. Zuletzt geht es darum, wie viel er sich an zwei exemplarisch ausgewählten Tagen im Freien aufgehalten hat. »So, jetzt sind wir fertig, du bist erlöst«, sagt Bornhöft.

In sein Zimmer kann Anton allerdings noch nicht zurück. Dort ist ein Gerät, das dort eine Stunden lang die Ultrafeinstaubpartikel in der Luft gemessen hatte, zwar bereits abgebaut. Dafür liegt auf dem Fensterbrett des geöffneten Fensters jetzt ein Gerät, das wie ein Mikrofon aussieht und den Schallpegel misst.

Mutter Tina füllt nicht nur einen Fragebogen zur Gesundheit ihres Sohnes aus, sondern beantwortet vor allem Fragen, die das Haus der Familie betreffen. Gibt es eine mechanische Lüftungsanlage im Haus? Welchen Brennstoff verwenden Sie? Was für Fußbodenbeläge gibt es im Haus? Benutzen Sie Raumspray? Haben Sie Haustiere? Gibt es im Umkreis von 50 Metern eine Tankstelle? Die Themen sind vielfältig und die Fragen oftmals auch speziell. »Ist in Ihrem Haus in den letzten zwölf Monaten ein quecksilberhaltiges Fieberthermometer zerbrochen?«, will der Interviewer zum Beispiel wissen. »Nein«, antwortet Antons Mutter. »Aber wir haben tatsächlich noch eins.«

Daten werden an 167 Orten ermittelt

Nach eineinhalb Stunden ist Rüdiger Bornhöft fertig. Für ihn geht es nun weiter ins hessische Velbert. Wenn die Untersuchungen im Juni beendet sein werden, dann war er 30 Monate lang quer durch die Republik für die Studie unterwegs. Er und seine Mitstreiter besuchen an 167 Orten Kinder und Jugendliche. »Die Studie trägt dazu bei, gesundheitsgefährdende Schadstoffbelastungen zu identifizieren und frühzeitig Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der nachwachsenden Generation zu ergreifen«, heißt es in einer Pressemitteilung des Umweltbundesamts.

»Die Untersuchungsergebnisse aus Übersee werden in etwa vier bis sechs Monaten vorliegen«, informiert Interviewer Rüdiger Börnhöft. Auf sie sind nicht nur Anton und seine Mutter Tina gespannt. san