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Einst Schriftsetzer, heute Museumsführer

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Traunstein. Seit 65 Jahren ist er im Einsatz – und es ist noch lange nicht Schluss. Als 14-Jähriger hat Hans Reindl zum 1.   September 1947 seine Lehre bei der Firma Miller begonnen. Als Schriftsetzer war er angestellt – ein Beruf, den es heute nicht mehr gibt. »Er wurde ausgerottet und durch den Mediengestalter ersetzt«, erzählt der 79-Jährige den Besuchern des Druckereimuseums und führt sie dort im Keller des Verlagshauses an der Marienstraße jeden Mittwochnachmittag durch seine »alte« Berufswelt.


Flaues Gefühl am ersten Tag

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Jedes Mal macht er dabei eine Reise zurück in die Vergangenheit. Damals, als er in der Nachkriegszeit im September 1947 mit seiner Lehre begonnen hatte. Mit einem flauen Gefühl machte er sich am ersten Morgen auf den Weg in die Maxstraße. Da der Druckereisaal ziemlich kalt war und die Zentralheizung nicht funktionierte, ging es erst mal daran, die beiden Kanonenöfen zu befeuern. Der Jugendliche lernte in dieser Zeit auch viele »berufsfremde« Dinge; so half er auch mal dem damaligen Seniorchef Anton Miller bei der Tabakernte.

Vorrang hatten natürlich die Aufgabengebiete eines Schriftsetzers: von der Einteilung des Setzkastens, zum Setzen der ersten Zeile in einem Winkelhaken, bis zum Lesen der gesetzten Zeile in Spiegelschrift. Beim Drucken von Geschäftsdrucksachen am Handtiegel, dem täglichen Zusammenkehren des Arbeitsraumes und dem Säubern der Schnellpressen an den Samstagen vergingen die Wochen der Lehrzeit wie im Flug. Zur Berufsschule nach Rosenheim machte er zudem jede Woche »eine kleine Weltreise«.

In den darauf folgenden drei Jahrzehnten arbeitete Hans Reindl viel mit der Bleisetzmaschine und ließ dort die Ausgaben des damaligen Traunsteiner Wochenblatts entstehen. Zwei noch voll funktionsfähige Linotype-Maschinen stehen heute im Druckereimuseum und werden bei Führungen auch eingeschaltet. Dann drückt der 79-Jährige ein paar Knöpfe und Hebel, setzt sich auf den davor stehenden Stuhl und tippt wie früher mit seinen beiden Zeigefingern auf dem Buchstabenfeld herum. Zweieinhalb Stunden brauchte er so früher für die fünf Spalten einer Zeitungsseite. »Besonders lang dauerte es bei Tabellen, da musste es ja ganz genau gehen«, erklärt Reindl. Aber auch Plakate, Briefbögen und Visitenkarten wurden von ihm gefertigt. Da war fast immer auch seine künstlerische Ader gefragt, um die Wünsche des Kunden umzusetzen.

Mit der Einführung des Fotosatzes machten Hans Reindl und seine Schriftsetzerkollegen zum ersten Mal Bekanntschaft mit einer modernen Tastatur. Wochenlanges Üben in den Abendstunden stand auf dem Programm, ehe die neue Technik Ende der 1970er Jahre im Verlagshaus Miller Einzug hielt. Von da an ging das Erfassen von Texten um vieles schneller. In den Folgejahren gestaltete Hans Reindl in Absprache mit den Redakteuren nicht nur die Zeitungsseiten, sondern war auch für die Seitenplanung der einzelnen Ausgaben zuständig.

Zum 1. Januar 1996 ging der Traunsteiner nach über 49 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Doch schon neun Monate später konnte er als »Altgedienter« mit enormer Berufserfahrung wieder für das neu eröffnete verlagseigene Druckereimuseum gewonnen werden. Kaum einer weiß mehr über die dort ausgestellten Maschinen und hat jahrelang mit ihnen gearbeitet.

Überraschung zum Jubiläum

Das Museum war es auch, wo der 79-Jährige am Samstagabend von einer ganz besonderen Gruppe überrascht wurde. Verleger Thomas Miller hatte Hans Reindl gebeten, eine Gruppe von Touristen durch die Ausstellung zu führen. Doch als er ins Druckereimuseum kam, erwartete ihn eine Überraschung: Keine Touristen waren da, dafür die Verlegerfamilie, die ihm zu dem Jubiläum gratulierte und mit ihm und seiner Frau Christl dann bei einem gemütlichen Abendessen auf die letzten 65 Jahre zurückgeblickte – verbunden mit der Hoffnung, dass noch viele weitere gemeinsame Jahre folgen werden.