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Einst fremde Pflanzen sind heute bei uns selbstverständlich

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In einer Schneise im Eschenforst, auf der eine Stromtrasse verlief und in deren Bereich nun die Bundesstraße 304 (Traunsteiner Nordumfahrung) verläuft, entdeckte man vor etwa 40 Jahren den Japanischen Staudenknöterich. Heute ist die Pflanze im Voralpenland weit verbreitet.

Kaum noch ein Waldrand, an dem nicht das allgegenwärtige Springkraut den Boden mannshoch überwuchert. Aber auch andere Pflanzen, die es bei uns vor Jahrzehnten noch nicht gegeben hat, sind auf dem Vormarsch: Fährt man auf der Autobahn von Süden Richtung München und weiter, dann begleitet einen am Mittelstreifen die extrem allergienauslösende Beifußambrosie und weiter nördlich kann man entlang der Waldränder den Riesen-Bärenklau sehen, bei dessen Kontakt schwere Hautentzündungen drohen. Die Natur außer Rand und Band?!


Das sind nur drei Beispiele, wie sich unsere Fauna verändert. Viele Pflanzen bereiten Hobbygärtnern Probleme, weil man ihren kaum noch Herr wird – aber die meisten Gartler kennen sie nicht einmal. Götterbaum, kanadische Goldrute, kanadische Wasserpest und orientalische Zackenschote sind Beispiele von pflanzlichen Einwanderern, die unsere Naturlandschaft nachhaltig verändern.

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Ein weiterer dieser »Einwanderer« ist der Japanische Staudenknöterich. Vor etwa 40 Jahren fand man ihn im Landkreis Traunstein erstmals auf einer Stromtrasse, für die lange zuvor eine Schneise durch den Eschenforst nördlich von Traunstein geschlagen worden war. Von Jahr zu Jahr wurde der Bestand der mehr als zwei Meter hohen Pflanze dichter. Wer heute auf der Bundesstraße 304 die Nordumfahrung von Traunstein befährt, der sieht die weißblühende Pflanze massenhaft entlang der Straßenböschungen – es ist der Bereich der erwähnten Stromtrasse. Vielerorts im Voralpenland, aber auch in Österreich und an anderen Standorten ist der Staudenknöterich inzwischen eine Plage.

Als »invasiv« bezeichnen es Fachleute, wenn gebietsfremden Arten in ein Ökosystem eindringen und in Konkurrenz zu heimischen Arten treten bzw. diese verdrängen.

Am bekanntesten und am weitesten verbreitet ist das drüsige Springkraut. Noch in den 1950er Jahren war es im Voralpenland ziemlich selten anzutreffen und wurde wegen seines riesenhaften Wuchses allgemein bestaunt. Heute gibt es kaum noch einen Waldrand oder Bachlauf, der nicht von dem Eindringling aus Fernost gesäumt wird. Er verdrängt andere Pflanzen und hat sich so stark ausgebreitet, dass eine Bekämpfung keinen Erfolg mehr verspricht. Dank seines Schleudermechanismus' kann das Springkraut seine Samen effektiv verbreiten und erobert Brachland binnen kürzester Zeit.

Viele einst hier nicht heimische Gewächse kamen als Zierpflanzen zu uns. Andere wurden unbeabsichtigt durch den internationalen Verkehr eingeschleppt. Deshalb sind Straßenränder und Bahnhöfe Bereiche, in denen sich gebietsfremde Arten bevorzugt ansiedeln. Die in den letzten Jahren erhöhten Durchschnittstemperaturen werden als weiterer Grund für die starke Ausbreitung invasiver Arten genannt. -K.O.-