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Einsatz für Frieden »dringender denn je«

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Liedermacher Christoph Weiherer fand beim Ostermarsch in Traunstein geneigte Zuhörer für seine mit viel Power gesungenen Lieder mit den unmissverständlichen Texten. (Foto: H. Eder)

Traunstein – Dringender denn je sei es, sich für den Frieden einzusetzen, meinte Dr. Renate Schunck, die Vorsitzende der Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg, bei der Ostermarsch-Kundgebung auf dem Stadtplatz in Traunstein.


Mit dieser Meinung war sie nicht allein: Denn mit gut 150 Besuchern waren deutlich mehr Menschen dem Aufruf gefolgt als in den vergangenen Jahren. Und auch Liedermacher Christian Weiherer dürfte mit seinen Liedern etliche Leute zusätzlich angelockt haben.

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Norbert Eberherr von den Linken bezeichnete den Frieden als »wichtigstes Gut auf Erden« und bekam Lob von Renate Schunck, die den Linken dafür dankte, dass die Partei Jahr für Jahr dabei mitmache, »einen starken Widerstand auf die Beine zu stellen«.

Flüchtlingsthema stand im Fokus

Heuer stand beim Ostermarsch besonders das Flüchtlingsthema im Fokus. Eberherr stellte dazu fest, dass allen Parteien Wirtschaftswachstum um jeden Preis das Wichtigste sei. Bekämpft würden »nicht die Fluchtursachen, sondern die Leidtragenden der Fluchtursachen, die Flüchtlinge«.

Heftig kritisiert wurde Landrat Siegfried Walch. Bei einer eigenen Kundgebung am Landratsamt – allerdings in Abwesenheit des Amtschefs – wurden in seine Richtung bittere Vorwürfe ob seiner Flüchtlingspolitik laut. Walch solle, so forderte es Renate Schunck, »seinen Handlungsspielraum nutzen, um Asylbewerbern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, die Sprache zu erlernen, eine Ausbildung zu beginnen«. Zudem solle der Landrat »auf Umsiedlungen in zentrale Sammelunterkünfte verzichten« und damit nicht »die Integrationsleistung der Helfer vor Ort zunichte machen«. Und er sei gerne eingeladen zu einem Probewochenende in einer Sammelunterkunft seiner Wahl, etwa um Sanitäranlagen oder nicht absperrbare Duschgelegenheiten zu nutzen.

Hans Gandler, der DGB-Kreisvorsitzende, beschränkte sich in seiner kurzen Rede auf die Feststellung, dass soziale Sicherheit die Voraussetzung für sozialen Frieden sei; ansonsten hätten Populisten den idealen Nährboden. Darum rief er dazu auf, für ein Miteinander und Füreinander einzustehen und sich gegen Ausbeutung und Ausgrenzung einzusetzen.

Das Thema Frieden stand auch im Vordergrund der Rede von Ioannis Charalampakis von der Friedensinitiative, der für seine Ausführungen viel Applaus erhielt. Er machte den Kapitalismus als Hauptursache für die bewaffneten Konflikte der heutigen Zeit verantwortlich. Diese seien alle das »Resultat des Eingreifens der Imperialisten« in den jeweiligen Ländern: durch die Kommerzialisierung immer weiterer Lebensbereiche, neuerdings zunehmend auch der öffentlichen Daseinsversorgung, durch Wirtschaftssanktionen, durch Freihandelsabkommen, durch Anstiftung von Revolten, Bewaffnung und Finanzierung von Milizen sowie Unterstützung von Diktaturen.

Als Beispiel führte er den jüngsten Militärschlag der USA gegen Syrien an – ohne Beweise zu haben, dass der Giftgasanschlag tatsächlich von der syrischen Regierung ausgegangen sei. Das sei eine exakte Parallele zum Jahr 2003, als eine westliche Allianz unter dem Vorwand von Giftgasanwendung im Irak eingefallen war. Um gegen Propaganda dieser Art etwas tun zu können, müsse man aktiv sein, forderte Charalampakis, sich gegen Freihandelsabkommen wenden, gegen Rüstungsexporte und Militarisierung protestieren. Gewerkschaften, Parteien, Kirchengemeinden und regionale Initiativen seien dazu aufgerufen, sich zusammen zu tun und sich »für eine Welt in Frieden, Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit zu verbinden«. Nur so sei Frieden dauerhaft möglich.

»Schluss mit deutschen Waffenexporten«

Der offensichtliche »Versuch, die militärische Intervention Syriens zu provozieren«, war auch Thema der Ausführungen des Kurden Erol Dohan von dem Internationalen Zusammenschluss »Demokratischer Kongress der Völker« mit Sitz in München. Sein Fazit dazu: »Je größer die Lüge, desto glaubhafter wird sie.« Gruppen, die in Europa für Anschläge verantwortlich seien, würden in Syrien von westlichen Staaten unterstützt und mit Waffen beliefert. Ausführlich ging Dohan auf die problematische Situation in der Türkei ein und informierte über lang andauernde Hungerstreiks kurdischer Häftlinge in zahlreichen Gefängnissen. Die türkische Regierung versuche, »sämtliche Akteure, die sich für Menschenrechte und insbesondere die Rechte der Kurden einsetzen, zu kriminalisieren und letztendlich zu vernichten«. Daher bat er um Solidarität mit den demokratischen Kräften in der Türkei und um »Schluss mit deutschen Waffenexporten« in dieses Land.

Das Programm wurde aufgelockert durch Friedenslieder der Musikgruppe der Friedensinitiative unter Leitung von Waltraud Lehmann und den Rap »Warum dürfen wir nicht einfach leben?« zweier 13-jähriger Trostberger Flüchtlinge, Ramin aus Afghanistan und Mehdi aus dem Libanon. Danach setzte sich die Gruppe der rund 150 Teilnehmer mit zahlreichen Transparenten in Bewegung durch die Traunsteiner Straßen, machte den Zwischenstopp am Landratsamt und gelangte schließlich zur Kirche St. Georg und Katharina, wo zusammen mit den Pfarrern Nobs und Barthel Pichlmeier ein Friedensgebet gesprochen wurde. In die Gebete mit eingeschlossen wurden alle Menschen in den Kriegsgebieten und »alle Flüchtlinge und Vertriebenen, die auf Solidarität hoffen«, aber auch diejenigen, die »sich für Gewalt entscheiden«, »für die der Profit das Wichtigste ist und die für Ausbeutung verantwortlich sind«. Mit dem Segen und dem gemeinsam gesungenen Lied »We shall overcome« klang die Veranstaltung aus. he