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Wie man sie kennt: Mit viel Herzblut und Engagement warb Claudia Roth beim Neujahrsempfang der Grünen in Traunstein vor allem für ein respektvolles Miteinander.

Traunstein – Es dauert nicht lange, bis sie das Publikum im Griff hat. Ein kurzes Erinnern an ihre gemeinsam mit Sepp Daxenberger gefochtenen Kämpfe gegen die CSU, ein augenzwinkernder Seitenhieb auf das lokale Urgestein der Christsozialen, Peter Ramsauer, und ihre herzliche, einladende Art auf Menschen zuzugehen, bringen die Gäste im gut gefüllten Hofbräustüberl auf Betriebstemperatur.


Kein Wunder aber, denn Claudia Roth hatte am Samstag beim Neujahrsempfang der Kreis-Grünen ein Heimspiel. Und das bringt sie routiniert wie sympathisch über die Bühne.

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»Stets streitbar, aber immer respektvoll«

Seit mittlerweile mehr als 30 Jahren ist die gebürtige Schwäbin bei den Grünen engagiert, früher als Bundesvorsitzende, heute als Bundestagsvizepräsidentin gehört die 62-Jährige zu den Gesichtern ihrer Partei. Jeder kennt sie, nicht jeder mag sie. Roth weiß das, sie sucht die Auseinandersetzung mit ihren Kritikern. »Stets streitbar, aber immer respektvoll«, betont sie in Traunstein.

Das respektvolle Miteinander ist auch so etwas wie das Leitmotiv der gut eineinhalbstündigen Rede, die Claudia Roth in Traunstein hält. Vom Heimatbegriff, den sie von Sepp Daxenberger geschenkt bekommen habe (»Er hat immer betont, dass Heimat nichts Geschlossenes, Exklusives sein darf, das sich nach außen abschottet«), über bayerische Landespolitik und Bundespolitik, bis hin zu den großen globalen Krisen schlägt Roth den Bogen.

Dabei präsentiert sie mit viel Herzblut ihre Lösungsansätze. Sie wirbt für die Willkommenskultur, ohne zu verschweigen, dass im Bereich der Migration viel zu tun ist, widerspricht vehement den »Beschmutzelungen« der CSU, die verlauten ließen, dass die Grünen bei Gelingen der Jamaika-Koalition alles mitgemacht hätten, sogar eine Obergrenze. »Niemals«, betont Roth und kritisiert im selben Atemzug die C-Parteien, die sich als Familienparteien generierten, beim Familiennachzug aber ihre aus dem Grundgesetz abgeleiteten humanitären Verpflichtungen ignorierten.

Über Brexit, Trump und Syrien kommt Roth in ihrem Vortrag auch zu den »Demokratieverächtern und Rechtsstaatsfeinden« in Polen, Ungarn, Österreich oder der Türkei. »Ich erwarte von der deutschen Politik, dass wir unsere Werte und Überzeugungen von Rechtsstaat deutlich machen«, sagte Roth und ergänzte mit Blick auf die Türkei: »Wir dürfen keinen Kotau vor Erdogan machen, nur, weil es ein dreckiges Flüchtlingsabkommen gibt. Da schäme ich mich dafür.«

Die Antwort auf die Unordnung in der Welt dürfe niemals der Rückzug in den Nationalstaat sein. Es brauche vielmehr Solidarität und Zusammenhalt, insbesondere auch in Deutschland, wo eine ungleiche Vermögensverteilung für eine immer tiefer werdende Spaltung der Gesellschaft sorge. Kinderarmut, explodierende Mieten und viele weitere Probleme müssten von demokratischen Parteien angegangen werden, nur so könnten diese den Rechtsextremisten etwas entgegensetzen. »Ich will keine Neiddebatte, aber es kann nicht sein, dass sich einige Reiche vom Acker machen, wenn es darum geht, Gemeinwohl zu organisieren«, betonte Roth.

Mit glaubwürdiger Politik bei Landtagswahl punkten

Zum Gemeinwohl gehört auch das respektvolle Miteinander in der Gesellschaft. Und um dieses sei es laut Claudia Roth in jüngster Zeit immer schlechter bestellt. Rassistische und sexistische Hetze würden stark zunehmen und hätten mit der AfD auch den Bundestag erreicht. »Da müssen wir Gesicht zeigen und entschieden einschreiten, wenn die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Hetze überschritten wird«, fordert Roth.

Die 62-Jährige sieht ihre Partei gut gerüstet für die anstehenden Landtagswahlen in Bayern und Hessen. Wenn eine mögliche GroKo schon die Klimaziele schreddere, dann müssten die Grünen mit glaubwürdiger Politik dagegenhalten. »Klimawandel ist nicht Fake-News, sondern eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Und um da gegen zu steuern, müssen wir klein anfangen, nämlich bei uns daheim.« nop