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Traunstein
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Traunstein

Eingreiftruppe bei Bränden auf dem Salinengelände

Salzwerk hatte seinerzeit eine eigene Feuerwehr – Restaurierte Fahne von 1889 belebt die Erinnerung


Traunstein – Mehrere Feuerwehren sorgen schon seit Jahr und Tag für die Sicherheit der Bürger in Traunstein. Ihre Mitglieder stellen sich in den Dienst an der Gemeinschaft und sind zur Stelle, wenn ein Brand ausbricht. Zum Löschen von Feuer auf dem heutigen Stadtgebiet war im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert außerdem eine Feuerwehr bereitgestanden, die schon längst in Vergessenheit geraten ist: Für Sicherheit sorgte damals auch die Werksfeuerwehr der Saline Traunstein. Mit der Stilllegung des Staatsunternehmens kam 1912 das Aus für die Einsatztruppe. Nach der Restaurierung der 1889 angefertigten Fahne erwacht nun wieder die Erinnerung an die »Feuerwehr des königlichen Salinenwerks Traunstein«.

Im Heimathaus am Stadtplatz ist die Standarte seit dem vergangenen Jahr ausgestellt. Wenn das Museum Anfang März nach der Winterpause wieder aufmacht, ist das gute Stück zu sehen. Und Erwähnung fand die Fahne schließlich im gerade erst erschienen Jahrbuch 2021 des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein.

Die Stadt Traunstein hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine »Freiwillige Feuerwehr«. Ihre Gründung folgte auf den Brand in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1851, der die Stadt verwüstete. Diese Schreckensnacht veranlasste den Lithographen, Buchdruckereibesitzer und Feuerversicherungsagenten Anton Miller anzuregen, in Traunstein – wie auch in Augsburg und Landshut – eine organisierte Feuerwehr aufzustellen. Der erste Entwurf für eine Feuerwehr, der auf die Verhältnisse an Ort und Stelle angepasst und für 49 Mann berechnet war, erfolgte am 20. August 1859. Wenige Tage später entstand ein zweiter Entwurf für 97 Mann.

Dieses Schriftstück ging an den Stadtmagistrat – und zwar mit dem Ersuchen, die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr zu unterstützen. Schon am 1. November 1859 exerzierte dann eine Abteilung mit einer vom Magistrat zur Verfügung gestellten Karrenspritze unter dem Kommando des zum Hauptmann gewählten Gründungsmitglieds Georg Schneider. Damit war die Gründung der ältesten Feuerwehr in Oberbayern und der viertältesten in Bayern vollzogen.

Die Au war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch selbstständig. Die Eingemeindung nach Traunstein erfolgte dann erst 1914 – und zwar nach der Stilllegung der Saline (1619-1912), die im Verwaltungsbezirk der kleinen Kommune vor den Toren der Stadt stand. In der damaligen Gemeinde Au existierten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Feuerwehren: Zum einen die Betriebsfeuerwehr der Saline und zum anderen die Freiwillige Feuerwehr, die aus Bürgern bestand, die nicht zur Belegschaft des Salzwerks gehörten.

Die Salinenfeuerwehr ließ 1889 eine Standarte anfertigen. Die Fahne sei in der Folge mutmaßlich, wie Stadtarchivar Franz Haselbeck meint, bei Prozessionen, Aufmärschen und Paraden zum Einsatz gekommen. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt sei sie dann im Feuerwehrmuseum im Gerätehaus an der Scheibenstraße gelandet. Wolfgang Falkinger habe 2019 im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der Saline vor 400 Jahren die Zuführung zum Stadtmuseum veranlasst.

Die Standarte bedurfte dringend einer Sanierung. Dieser Aufgabe nahm sich dann der Historische Verein an. Für knapp 600 Euro ließ er die Fahne von der Restaurateurin Magdalena Verenkotte-Engelhardt aus Nürnberg auf Vordermann bringen. Und so konnte die Standarte schließlich zur Ausstellung »Goldene Jahre« im Heimathaus im Juni des vergangenen Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt werden. pü

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