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»Einer für alle – alle für einen«

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Die enge Bebauung in der Ortsmitte von Petting machte den Großbrand am 3. Juni 2016 für die Feuerwehren zur Herausforderung. Der Stall, den ein Blitz entflammt hatte, brannte lichterloh und drohte auf umliegende Gebäude überzugreifen. Für ihren Einsatz sind sie jetzt für die Auszeichnung »Feuerwehr des Jahres 2016« nominiert. (Foto:FDL/Lamminger)
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Petting – Ganz überrascht waren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Petting, als die Jury des Conrad Dietrich Magirus Awards anfragte, ob sich die Feuerwehrler nicht für die Auszeichnung »Feuerwehr des Jahres 2016« bewerben wollen. »Irgendjemand hat uns für die Auszeichnung empfohlen, wir wissen bis heute nicht, wer«, sagt Erster Kommandant Matthias Seidenfuß gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.


Vorgeschlagen wurde die Feuerwehr für ihren Einsatz am 3. Juni 2016. Ein Blitzeinschlag hatte den Stall eines Bauerhofs in der Ortsmitte von Petting in Brand gesetzt. Als die ersten Feuerwehrler anrückten, stand das Wirtschaftsgebäude bereits lichterloh in Flammen. 40 Rinder waren noch im Stall eingeschlossen.

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»Nominierung ist eine große Ehre«

»Dass wir unter die letzten zehn Nominierten kommen, ist schon eine große Ehre für uns, damit haben wir nicht gerechnet«, sagt Seidenfuß. Selbst habe man bei der Bewerbung den Einsatz als nicht sehr chancenreich eingestuft.

Anders sieht das die Fachjury des Conrad Dietrich Magirus Awards. Denn die Lage bei dem Einsatz im Juni war durch die enge Bebauung in der Ortsmitte von Petting sehr brisant. Unmittelbar neben dem brennenden Wirtschaftsgebäude in der Ortsmitte sind ein Raiffeisen-Lagerhaus, zwei Bauernhöfe, eine Schreinerei und ein Wohnhaus. Das Feuer drohte bereits auf das angebaute Wohnhaus überzugreifen. Wegen der großen Hitze bestand die Gefahr, dass das Feuer zudem die umliegenden Gebäude entzündet. Für die Jury steht fest: »Die Bereitschaft der Pettinger Feuerwehr ging weit über die Brandbekämpfung hinaus.«

Um der geschädigten Bauersfamilie nicht einfach einen »abgebrannten Stall« zu hinterlassen, wurde beschlossen, parallel zur Brandwache, das erste Obergeschoß in Handarbeit »besenrein« vom Brandschutt zu reinigen, das beschädigte Dach des Wohnhauses zu verschalen, und den Stall für die auf den Grünflächen untergebrachten Rinder wieder herzurichten. Einige Landwirte aus den Reihen der Feuerwehr besorgten Einstreu und Futter, sodass die Tiere gegen 6 Uhr morgens in den Stall zurückgebracht werden konnten. Anschließend molken die Landwirte, die als Feuerwehrler im Einsatz waren, sogar noch die Kühe. Bei diesem Einsatz wurde Hilfe nach dem Motto »Einer für alle – alle für einen« geleistet.

Konkurrenz aus Simbach am Inn und Bad Aibling

Jetzt hofft ganz Petting auf den Sieg der Feuerwehr. Auch wenn man sich wegen der starken Konkurrenz keine allzu großen Chancen ausrechnet. »Mit den Feuerwehren aus Simbach am Inn und Bad Aibling haben wir eine wirklich starke Konkurrenz, deren Einsätze während des Hochwassers in diesem Jahr bzw. während der Zugkatastrophe auf einem ganz anderen Level waren als unser Einsatz«, sagt Seidenfuß bescheiden. Ob Sieg oder nicht, dass stellt der Kommandant klar: »Eine Ehre ist die Nominierung allemal«.

Ob sie gewonnen haben, das erfahren die Feuerwehrler erst am 27. Januar bei einer großen Gala in Ulm. Bis dahin heißt es: Abstimmen für die Feuerwehr Petting. Seine Stimme für eine der zehn nominierten Feuerwehren aus ganz Deutschland kann man noch bis 11. Dezember auf der Homepage unter magirusgroup.com/award abgeben.

Der Conrad Dietrich Magirus Award wird seit 2013 jährlich national und international vergeben. Der Wettbewerb trägt den Namen eines Feuerwehrmannes aus Ulm, der als Pionier der Brandbekämpfung gilt. Magirus hatte sich zum Ziel gesetzt, die Brandbekämpfung für sich und seine Kameraden sicherer zu machen. Er erfand die »Ulmer Drehleiter« und gründete vor 150 Jahren das Unternehmen »Magirus«. Der Award will die Leistung der Feuerwehren in den Vordergrund stellen und gebührend würdigen. vew