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Einer der größten Faschingszüge in der Region

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Vor elf Jahren veranstalteten die Faschingsfreunde Blau-Weiß Kammer zum ersten Mal einen Faschingszug. Am 12. Februar ist der Verein anlässlich seines 33-jährigen Bestehens wieder Ausrichter eines großen Gaudiwurms mit 40 Festwagen, 20 Fußgruppen und mehr als einem halben Dutzend Musikkapellen. (Foto: Oberkandler)

Traunstein – Einer der größten Faschingszüge, der in den vergangenen Jahren zwischen Salzburg und Rosenheim stattfand, wird sich am Sonntag, 12. Februar, um 14 Uhr von Kammer nach Rettenbach bewegen. 40 Wagen, 20 Fußgruppen und mehr als ein halbes Dutzend Musikkapellen haben sich bis jetzt angemeldet, um das große Jubiläum der Faschingsfreunde Blau-Weiß Kammer mitzugestalten.


Mit dem Wort Jubiläum muss man bei Faschingsvereinen allerdings vorsichtig sein. Ein »normaler« Verein feierte üblicherweise, wenn er 25, wenn er 50 oder wenn er 100 Jahre alt geworden ist – heutzutage auch, wenn er 35 oder 65 Jahre alt wird. Es gibt geradezu eine Inflation von sogenannten Jubiläen. Das trifft auf Vereine der närrischen Zunft nicht zu: Sie feiern, wenn sie elf oder 22 Jahre alt werden, oder wenn sie ein anderes »Jubiläum« mit einer Schnapszahl begehen. Deshalb findet der Zug von Kammer nach Rettenbach zum 33-jährigen Bestehen der Faschingsfreunde Blau-Weiß Kammer statt.

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Warum aber ausgerechnet die Elf, wird sich mancher fragen, der so viel Narr ist, dass er hinter die Symbolik von Zahlen schauen will. Nun, die Elf als Symbolzahl für die Narretei reicht in die Zeit der Französischen Revolution zurück. Es ging damals unter anderem um Redefreiheit und Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz. Das Schlachtwort der Revolution lautete Egalité, Liberté, Fraternité, zu Deutsch: Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit – und aus den drei Anfangsbuchstaben entstand die Losung »Elf«. Nach Napoleon entstand der Absolutismus; Bürgerrechte gab es vorübergehend so gut wie nicht mehr. Damals kam die kaiserliche Reichsstadt Köln unter preußische Herrschaft. Es entstand ein Elferrat, der sich als ein Gremium im bürgerlich-demokratischen Geist verstand und sich später unter der Narrenkappe verstecken musste. Später wurde der Begriff karnevalistisch verwendet. – Nach diesem Ausflug in die Geschichte zurück in den Chiemgau und das Großereignis in Kammer: Seit September laufen die Vorbereitungen bei den Faschingsfreunden, die vor elf Jahren zu ihrem 22-jährigen Bestehen erstmals einen Umzug veranstaltet haben. Damals nahmen bereits mehr als 50 Gruppen teil und an die 5000 Menschen waren auf der Straße, als sich der Gaudiwurm durch die von meterhohen Schneewänden gesäumten, Straßen bewegte. »Heuer werden es deutlich mehr sein«, verspricht Vereinsvorsitzender Martin Litwinschuh, der sich natürlich »Präsident« nennt – soviel Narretei muss sein!

Am 12. Februar erwarten die Kammerer befreundete Faschingsvereine aus ganz Oberbayern. Rund 200 Helfer werden für einen reibungslosen Ablauf sorgen und der kleine Ort zwischen Traunstein und Traunreut wird zu der Hochburg des Frohsinns in der Region werden.

Narren und Fußgruppen, die sich noch nicht zu einer Teilnahme entschließen konnten, haben noch kurzfristig die Möglichkeit, sich bei den Faschingsfreunden Blau-Weiß Kammer auf deren Homepage anzumelden. - K.O. -