weather-image
23°

»Einen möglichen Schaden muss der Eigentümer tragen«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
So  soll  die  Erweiterung  des Landhauses Tanner aussehen. Links oben der Anbau ans bestehende Bettenhaus, gegenüber ein weiteres Hotelgebäude mit Wellnessanlage und unten der Pavillon, der in den Biergarten eingebaut werden soll. (Plan: Büro Kleißl)

Waging am See – Das Landhaus Tanner in Aglassing will erweitern. Laut der Planung, die im Bauausschuss vorgestellt wurde, sollen drei weitere Gebäude entstehen: ein zusätzliches Bettenhaus, ein zweigeschoßiger Pavillon im Biergarten und – allerdings erst für die weitere Zukunft angedacht – ein Hotelgebäude mit Wellnessanlage. Der Bau- und Werkausschuss gab grünes Licht für den dazu notwendigen Bebauungs- und Grünordnungsplan »Ortsteil Aglassing – Sondergebiet Appartementhotel«. Jetzt soll die frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Drei Wochen lang wird deshalb der Bebauungsplanentwurf im Rathaus aufliegen.


Bereits vor mehr als zwei Jahren, im Juni 2013, war ein Aufstellungsbeschluss für diese zusätzliche Bebauung gefasst worden. Allerdings waren damals die öffentliche Bekanntgabe und die frühzeitige Bürgerbeteiligung noch zurückgestellt worden. Die jetzt vorgesehene, frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange soll deswegen erfolgen, wie es im Ausschuss hieß, um an Informationen zu gelangen, die für die Grundzüge der Planung unentbehrlich sind, insbesondere hinsichtlich der Belange des Natur- und Landschaftsschutzes, des Landschaftsbildes und der Wasserwirtschaft.

Anzeige

Dabei ist, wie sich bei den bereits vor zwei Jahren eingeholten Stellungnahmen zeigte, die Hochwassersituation offenbar nicht ganz unproblematisch. Das Wasserwirtschaftsamt hatte erklärt, dass das Baugrundstück, das an den Dobelbach angrenzt, zumindest teilweise im Überschwemmungsbereich des Bachs liege, und darauf verwiesen, dass durch die Baumaßnahme die Hochwassergefährdung für Anlieger und Unterlieger nicht vergrößert werden dürfe. Daher hatte das Wasserwirtschaftsamt ein Gutachten über die derzeitige und künftige Überschwemmungssituation sowie die möglichen Auswirkungen auf Nachbargrundstücke und Unterlieger verlangt.

Gutachten liegt nun vor

Dieses Gutachten lag nun vor, wie Planer Ludwig Kleißl im Ausschuss erläuterte. Laut des Büros »aquasoli« aus Siegsdorf ist die Hochwassersituation kein Problem. Zwar wurde in dem Gutachten festgestellt, dass etliche der Flächen des Bebauungsplans tatsächlich im Überschwemmungsgebiet von Dobelbach und Ramgraben liegen. Davon seien aber lediglich Flächen betroffen, die nicht bebaut werden. Und Geländeveränderungen seien nach Angabe der Planer nicht vorgesehen. Damit hätten die Baumaßnahmen keinen negativen Einfluss auf die Abflussverhältnisse im Überschwemmungsgebiet.

Diese Aussage stieß allerdings im Ausschuss auf einige Skepsis, da das Landhaus Tanner ja um die Jahre 1983 zwei Mal überschwemmt worden war. Gemeinderat Hias Schneider meinte dazu: »Es wundert mich schon sehr, dass hier kein Überschwemmungsgebiet sein soll«, wo doch eine der geplanten Bauflächen direkt neben dem Bach liege. »Aber es wird schon so sein«, stellte er fest, »ich jedenfalls hätte Totangst.«

Auch Bürgermeister Herbert Häusl gab zu bedenken, dass »100-jährige Hochwasser inzwischen alle fünf Jahre kommen«, meinte aber letztlich lakonisch: »Einen möglichen Schaden muss der Eigentümer tragen, nicht die Gemeinde.«

Keine negativen Auswirkungen

Das Landratsamt hatte in seiner Stellungnahme darauf verwiesen, dass eine Genehmigung des Vorhabens nur dann in Aussicht gestellt werden könne, wenn das typische Landschaftsbild im Schutzgebiet nicht beeinträchtigt werde und auch keine sonstigen negativen Auswirkungen auf das Landschaftsschutzgebiet zu befürchten seien. Aus diesem Grund mahnte das Landratsamt eine »sehr sorgfältige naturschonende Planung an. Neben einer gut durchdachten Grünordnung, die sicherstelle, dass sich die neuen Gebäude in die Landschaft einfügen und bestehende Grünstrukturen erhalten bleiben, sei auch die Gestaltung und Höhenentwicklung der neuen Gebäude ein wichtiger Punkt. Um eine Beurteilung auf die Auswirkungen auf das Landschaftsbild treffen zu können, seien bereits bei der Bauleitplanung die Grundzüge der Gestaltung der neuen Gebäude zu planen.

Planer Kleißl informierte schließlich noch darüber, dass es mit der Baumaßnahme nicht eile. Die Erweiterung solle »nicht von heut' auf morgen, sondern erst im Laufe der Zeit« erfolgen. Für heuer jedenfalls sei noch keine Bautätigkeit vorgesehen. Für die beiden großen Gebäude - Bettenhaus und Hotel - ist eine Wandhöhe von neun Metern vorgesehen, für den Pavillon sechs Meter - was dritte Bürgermeisterin Hedwig Witzleben zu der Bemerkung veranlasste, unter Pavillon hätte sie sich etwas Kleineres vorgestellt. Kleißl führte dazu noch aus, dass dieser »Pavillon« unten offen sei, im oberen Stockwerk geschlossen, sodass man bei schlechtem Wetter dorthin ausweichen könne. Eine Skizze für dieses Bauwerk gab es noch nicht.

Die vorhandenen Parkplätze seien auch für die Erweiterung ausreichend, ergänzte Kleißl noch; allerdings sei beabsichtigt, etliche der Parkplätze mit Garagen oder Carports zu überbauen. Eine Ausgleichsfläche ist ganz in der Nähe vorgesehen. Letztlich stimmte der Bauausschuss einstimmig der Aufstellung eines Bebauungsplans für das Vorhaben zu. he