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Eine Ziach ist sein Gesellenstück

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Stolz präsentiert der 19-jährige Sebastian Siglbauer aus Waging seine Ziach, die er in 150 Arbeitsstunden als Gesellenstück gefertigt hat. Dieses schöne Stück hat wesentlich zu seinem Erfolg als Kammer-, Landes- und Bundessieger in seiner Sparte beigetragen. (Foto: Hans Eder)

Waging am See. Sebastian Siglbauer (19) aus Waging kann stolz auf sich sein: Er ist im Ausbildungsberuf der Handzug-Instrumentenmacher Bundessieger geworden. Als Gesellenstück hat der aktive Musikant, der bei der Wabach Musi mitspielt und beim Instrumentenbauer Öllerer in Freilassing arbeitet, eine komplette Ziach gebaut. Bei der bundesweiten Ehrung der Bundessieger, die im Dortmunder Stadion stattfand und zu der sogar Bundespräsident Joachim Gauck zu einer Kurzvisite angereist war, bekam Siglbauer die Ehrung überreicht. Vorausgegangen waren bereits die Ehrungen zunächst zum Kammer- und später zum Landessieger.


Die Freude an der Musik ist dem jungen Mann offenbar von seinem Großvater Franz Maier vererbt worden, der zu seiner Zeit regelmäßig im Gasthaus in Rettenbach einen musikalischen Hoagascht veranstaltet hat. Und der hat dem damals achtjährigen Sebastian auch eine Ziach geschenkt – unter der Voraussetzung, dass dieser Stunden nimmt, was der auch getan hat. Drei Jahre hat er bei Uli Seehuber Ziach gelernt, dann bei Stefan Eglseer aus Egerdach weitergemacht und zudem im gesamten Alpenraum Volksmusikkurse besucht. Als Ziachspieler hat Siglbauer schon an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen und schöne Preise dabei geholt. Inzwischen gibt er selber Unterricht. Als zweites Instrument hat er noch Gitarre gelernt; dieses Instrument spielt er bei der Wabach Musi. Und jetzt hat er gar noch angefangen, Orgel zu lernen.

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Der Ehrgeiz von Sebastian Siglbauer ist groß

Als es nach der Schule darum ging, sich einen Ausbildungsplatz zu suchen, lag zunächst eine Beschäftigung im handwerklichen Bereich nahe. Da die Familie Siglbauer durch die Instrumente, die der Sohn immer wieder brauchte, Kontakt zum Instrumentenbauer Öllerer in Freilassing hatte, absolvierte Sebastian bereits während seiner Schulzeit zweimal ein Praktikum bei der Firma. Und so bekam er letztlich dann sogar die eigentlich nicht erwartete Lehrstelle. Von 2010 bis 2013 dauerte die Lehrzeit, neun Monate davon hat Siglbauer größtenteils in seiner Freizeit an einer eigenen Ziach gebaut, die sein Gesellenstück werden sollte.

Normalerweise reicht es für die Gesellenprüfung, nur einen Teil eines Instruments zu bauen. Aber Siglbauers Ehrgeiz war es von Anfang an, eine ganze Ziach zu bauen. Und das zog er auch durch – bei geschätzten 150 Arbeitsstunden. Das gute Stück, das im regulären Verkauf gut und gern seine 5000 Euro kosten würde, präsentierte er zur Gesellenprüfung, legte dazu auch den theoretischen Teil ab und kam bestens an damit. Für die Qualifizierung zum Bundessieger musste er zusätzlich noch eine Prüfung ablegen. Dabei prüften ihn Fachleute nochmals auf Herz und Nieren auf sein handwerkliches Können. Fünf Stunden hatte er Zeit, eine Ziach von der Akustik her komplett herzurichten und zu stimmen. Das schaffte er mit Bravour und erhielt dafür 97 von 100 möglichen Punkten. So durfte er schließlich in Dortmund stolz seine Auszeichnung in Empfang nehmen. Überreicht wurde sie von den Handwerkskammer-Repräsentanten Otto Kentzler und Karl-Heinz Schneider.

Weil es keine spezielle Berufsschule für die Handzug-Instrumentenmacher gibt, war Sebastian Siglbauer den Orgelbauern zugeschlagen worden; diese bekommen ihren Unterricht in der Oskar-Walcker-Schule in Ludwigsburg. Und so hat diese Nähe zur Orgel jetzt sogar dazu geführt, dass er seit Oktober eine Orgel-Ausbildung macht. Sein Lehrer ist Organist Stephan Wahl. he