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Eine Vollblut-Lehrerin in den Ruhestand verabschiedet

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Zum Abschied nach 38 Jahren an der Grund- und Mittelschule sagte die vierte Klasse ihrer Klassenlehrerin Christine Hartmann besonderen Dank. Sie hat ihre Dienstzeit um ein halbes Jahr verlängert, um ihrer Klasse einen Wechsel im Schuljahr zu ersparen.

Unterwössen – Hochgerechnet 19,5 Schulklassen hat Grund- und Mittelschullehrerin Christine Hartmann ins Leben begleitet, rund 1000 Schülern das Lesen und Schreiben beigebracht und gut 2000 Zeugnisse geschrieben.


Zum Schluss ihrer beruflichen Laufbahn ist sie in die Verlängerung gegangen, um ihrer vierten Klasse einen Klassleiterwechsel während des laufenden Schuljahres im Schuljahr zu ersparen. Doch zum Ende dieses Schuljahres geht Christine Hartmann nach 38 Lehrerjahren an der Schule Unterwössen und insgesamt 41 Dienstjahren in den verdienten Ruhestand. Gestern bereitete ihr die Schulgemeinde einen berührenden Abschied in der Turnhalle am Zollweg.

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Beinahe hätte Christine Hartmann ihren Traumjob verfehlt, als sie im September 1971 einen Ferienjob als Chefsekretärin des Leiters der Gewerbeschule in München antrat, berichtete Schulrektor Otto Manzenberger. Weil sie schwanger wurde und zum Unterhalt der jungen Familie beitragen wollte, blieb sie dort bis 1973. Nach dem Studium trat sie im September 1976 als Lehramtsanwärterin in Reit im Winkl, Ruhpolding und Chieming an, ehe sie zum 1. August 1979 nach Unterwössen versetzt wurde. Dort lehrte sie in ununterbrochener Folge bis heute.

Genauer, so erinnert Manzenberger, habe sie in Oberwössen angefangen, weil die Unterwössner Hauptschule bzw. Mittelschule erst gebaut wurde. Im alten Schulhaus Oberwössen waren zwei Klassen untergebracht, eine Kuhglocke gab etwas unregelmäßig die Schulstunden vor. Seit dem Schulneubau 1985 war Christine Hartmann ununterbrochen in Unterwössen in den Klassen der Jahrgangsstufen 1 bis 9 eingesetzt. Sie erwies sich – so Otto Manzenberger – als perfekte Grundschullehrerin, die man zwar für alles gebrauchen konnte, aber wirklich begnadet als Lehrerin der Klassen eins und zwei arbeitete.

Im September 1994 gewann sie auf Anhieb einen weiteren Fan, als er selbst als junger Kollege an die Schule kam, erinnert sich Manzenberger. Mit Hartmanns Lehrerjahren sieht der heutige Schulrektor eine Ära an der Grund- und Mittelschule zu Ende gehen.

»Mit Frau Hartmann verlieren wir nicht nur eine Vollblutlehrerin mit einer vorbildlichen Dienstauffassung, sondern eine bei Eltern, Schülern und Lehrern gleichermaßen beliebte Kollegin und einen lieben Menschen«, beschrieb Manzenberger wehmütig den Abschied. »Liebe Christel, von Dir kann man lernen, wie Schule und der Umgang mit Kindern funktioniert und wie der Beruf als Lehrer als Berufung verstanden werden kann. Deine Klassen trugen unverwechselbar Deine Handschrift, danke dafür«, schloss Manzenberger.

Hartmann könne stolz darauf sein, dass die Schüler sie bis zum Schluss als Verbindungslehrerin der Grundschule gewählt hatten. Als Dienstälteste vertrat sie bei Bedarf den Schulrektor zuverlässig und souverän, bescheinigte ihr Manzenberger. Projekten wie die internationale Zusammenarbeit oder dem Auftritt im Schauspiel drückte sie in humorvoller Art ihren Stempel auf.

Mit einem langen Lied auf der Melodie des Songs »Radio Gaga« der Band Queen huldigten die Schüler ihrem »Christl-Star«. Elternbeiratsvorsitzende Sabine Aberger sprach Hartmann die Gabe zu, in jedem Kind das Gute zu sehen. Sie beschrieb sie als ruhig, geduldig, humorvoll, dazu fesch und sportlich. »Weil wir wissen, dass Sie eine ganz Wilde sind«, gab es als Geschenk einen Gutschein für Abenteuerunternehmungen.

Mitglieder des Fördervereins mit der Vorsitzenden Brigitte Tillner dankten für ihre aktive Mitarbeit als Beisitzerin im Verein. Als Klassensprecher aller Klassen sich mit einer Rose bei Christine Hartmann bedankt hatten, sagte ihre letzte Klasse, mit einem Lied ganz besonders Dankeschön.

Gern hätte Christine Hartmann noch selbst ein paar Worte an ihre Wegbegleiter und Schüler gesprochen. Doch ihre Rührung ließ das nicht zu. Schulrektor Manzenberger sagte an ihrer Stelle einen herzlichen Dank. Am Ende feierten alle ihre scheidende Lehrerin mit lang anhaltendem, kräftigem Beifall und einem Fußgetrampel, dass die Turnhalle bebte. lukk