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Eine volksmusikalische Hommage an Wastl Fanderl

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Überzeugten mit fundiertem Wissen: Ortsheimatpfleger Sigmund Gehmacher (rechts) und Trachtenvorstand Martin Heigermoser. (Foto: Schick)

Bergen – Zu einer einzigartigen Hommage ist der Jubiläumsabend im vollbesetzten Festsaal geworden, mit der das volksmusikalische Bergen posthum an seinen berühmtesten Sohn, Sebastian »Wastl« Fanderl, erinnerte. Der weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannte Volksmusikant, Liedersammler, Referent und Moderator zahlreicher Rundfunk- und Fernsehsendungen wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Unter die gut 300 Besucher hatten sich auch einstige Weggefährten gemischt, Rupert Wörndl aus Frasdorf und Sigi Ramstötter aus Teisendorf etwa, sowie seine inzwischen 70-jährige Tochter Monika.


Während des kurzweiligen Abends entwickelte sich ein interessanter Diskurs zwischen Trachtenvereinsvorstand Martin Heigermoser und Ortsheimatpfleger Sigmund Gehmacher, der Wastl Fanderl und seine Familie persönlich gut gekannt und 15 Jahre lang mit ihm Theater gespielt hatte.

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Für den 77-jährigen Gehmacher war es ein leichtes, den Werdegang Fanderls von der Geburt bis zum Wegzug nach Frasdorf nachzuzeichnen. Als fünftes und letztes Kind der Baders- und Friseurseheleute Josef und Anna Fanderl kam der Wastl im Alten Schulhaus, dem ehemaligen Gemeindehaus, zur Welt. Da im Elternhaus viel musiziert und gesungen wurde, erwachte auch im jungen Fanderl schon früh die Liebe zur Volksmusik, die ihn ein ganzes Leben lang begleiten sollte.

In unnachahmlicher Art, flankiert von historischen Fotos, ließ Sigmund Gehmacher einzelne Stationen aus dieser Zeit wieder aufleben, so die prägenden Begegnungen mit dem Kiem-Pauli, dem er 1973 nach dessen Tod als Volksmusikpfleger nachfolgte, seine sängerischen Aktivitäten mit Gleichgesinnten wie Martl Maier, Bertl Witter, Schorsch Haindlmaier, um nur einige zu nennen, und die sozialen, sicherlich nicht leichten Lebensumstände zwischen den beiden Weltkriegen. Legendär die Gesangsgruppen, bei denen der unermüdliche Volksmusik-Mentor mitwirkte, sei es das Wastl-Fanderl-Trio, die »Vier vom Gamsstadl« oder noch früher die Verbindung mit dem unvergessenen Josef Buchner, alias »Gamsei«.

Auch Wastl Fanderls organisatorisches Talent kam zur Sprache, denn schon als 19-Jähriger organisierte er 1935 ein Sänger- und Musikantentreffen, das leicht drei Säle hätte füllen können, so enorm war der Ansturm auf die Sitzplätze. Seither ist Bergen auch unter dem Begriff »Das Dorf der 1000 Lieder« bekannt.

Der Ablauf des Jubiläumsabends wurde bewusst so gestaltet, wie Wastl Fanderl die vielen Begrüßungs- und Heimatabende für die Feriengäste durchführte: mit traditionellen, althergebrachten Darbietungen der Sänger, Musikanten und Trachtler. Da durfte natürlich das »Bergener Lied« vom Singkreis unter der Leitung von Gabi Reiser nicht fehlen, ebenso wenig wie der Kirchenchor mit dem neuen Dirigenten Stefan Feiks. Fein abgestimmt präsentierten sich zudem die »Chiemgauer Geigenmusi«, der »Bachbauern-Dreigsang«, die »Saitn-Knepf-Musi« und die Blaskapelle Bergen, die noch weit in den Abend hinein zünftig aufspielte.

Natürlich durfte auch »S' Basei« nicht fehlen

Die aktiven Trachtler begeisterten mit dem »Zwoasteirer« und dem Langschottischen-Plattler. Kein Auge trocken ließ der lustige Einakter »S' Basei«, hinreißend gespielt von den Mitgliedern des Theatervereins. Das umwerfende Stück um einen verwirrenden Testament-Poker gehört im Ort seit Jahrzehnten zum Kulturleben.

Erinnerungen an die großartigen Singwochen wurden wieder wach, als Volksmusik-Urgestein Sigi Ramstötter mit seinen 86 Lenzen von der Bühne herab die Zuhörer in bester Fanderl-Manier zum »Olperer-Jodler« aufforderte. ls