weather-image
28°

»Eine Visitenkarte für Traunreut«

5.0
5.0

Traunreut. Trotz Bedenken der Fachgutachter, sprach sich der Stadtrat in seiner Sitzung mit großer Mehrheit für die Ansiedlung von BayWa und Kaufland auf der grünen Wiese im Nordosten der Stadt aus. Von den 27 anwesenden Stadträten stimmten 20 für das Projekt. Wie berichtet, hatten nicht nur die Stadtplanerin Professor Anne Beer und der Wirtschaftsgeograf Dr. Ralph Popien vor den negativen Auswirkungen des Projekts auf das Förderziel »Stärkung der Innenstadt« im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms »Aktive Zentren« gewarnt, sondern auch die zuständige Regierung von Oberbayern.


Zunächst hatte es seitens der Regierung von Oberbayern geheißen, dass die Stadt, sollte sie die Ansiedlung eines Kaufland-Marktes zulassen, nicht mehr mit einer Aufnahme in das aktuelle Städtebauförderungsprogramm rechnen könne. Die Aussage der Regierung wurde zwischenzeitlich aber revidiert. Wie Bürgermeister Franz Parzinger in der Sitzung mitteilte, habe ihm am vergangenen Mittwochnachmittag ein Sachgebietsleiter der Regierung von Oberbayern telefonisch mitgeteilt, dass die bisherige Aussage so nicht zutreffend sei.

Anzeige

Eine schriftliche Zusage, dass das BayWa/Kaufland-Projekt Auswirkungen auf das Förderprogramm habe, liege bislang aber nicht vor. »Ich gehe davon aus, dass die Aussage auch seine Richtigkeit hat«, sagte Parzinger auf Anfrage von Stadtrat Ernst Biermaier (Freie Wähler), der sich für das Projekt starkmachte. Der Grund: Dieses sei von überregionaler Bedeutung und würde für Traunreut eine Visitenkarte darstellen, so Biermaier.

Auch der 2. Bürgermeister Ernst Ziegler (SPD) haderte mit den Aussagen der Regierung, die ohne schriftliche Information »nix wert« seien. Deshalb würde es auch seine Fraktion nicht scheuen, die Innenstadtsanierung in Eigenregie und ohne Fördermittel durchzuziehen. BL-Fraktionschef Sepp Winkler plädierte dafür, nach Alternativen zu suchen und dann in den Dialog einzutreten.

Parzinger wies aber mit Nachdruck darauf hin, dass eine erneute Verschiebung nicht in Frage käme. »Die BayWa erwartet heute eine Entscheidung«, konterte Parzinger. Kein anderes Thema sei im letzten Dreivierteljahr sowohl im Stadtrat als auch in der Bevölkerung intensiv und kontrovers diskutiert worden, betonte der Bürgermeister und erinnerte an den Stadtratsbeschluss, der vorgab, dass in der Oktobersitzung eine endgültige Entscheidung getroffen werden sollte.

Christian Gerer (CSU) vertrat die Ansicht, dass es durchaus Alternativen gegeben hätte, das Kaufland auch in der Innenstadt zu realisieren. Claus Ritter (CSU) war das Risiko zu groß, womöglich aus dem Förderprogramm rauszufallen. »Dann wird in den nächsten 15 Jahren in der Innenstadt wieder nichts geschehen«, mutmaßte er. Klar für die Ansiedlung auf der grünen Wiese sprachen sich die CSUler Reinhold Schroll und Hans-Peter Dangschat sowie Johannes Danner (Bürgerliste) aus. Traunreut brauche einen großflächigen Handel und eine attraktive Innenstadt, erklärte Danner. Beides sei seiner Meinung nach in der Summe möglich. Dr. Michael Elsen gab dem Projekt ebenfalls seine Stimme, weil, wie er betonte, sich die Stadt keine weiteren Kaufkraftabflüsse leisten könne. Für die Belebung der Innenstadt seien andere Wege zu beschreiten.

Gegen den Beschluss, den Neubau von BayWa und Kaufland an der Trostberger Straße im Nordosten der Stadt zu realisieren, sprachen sich Hans Baltin und Gretl Gineiger (beide Grünen-Fraktion), Gabi Liebetruth und Josef Winkler (beide Bürgerliste), Klaus Ritter (FW) sowie Christian Gerer und Andreas Haslwanter (beide CSU) aus. ga