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»Eine Verbesserung der derzeitigen Situation«

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Die Räume des ehemaligen Cafés im Rathausinnenhof werden künftig auch für den Jugendtreff genutzt. Ob dort dann auch Alkohol ausgeschenkt werden darf, ist derzeit noch offen. (Foto: Stadt)

Traunstein – Für Diskussionen sorgte im Stadtrat der Vorschlag, das ehemalige Café im Rathausinnenhof als Erweiterung des Jugendtreffs zu nutzen. Einig war man sich auch nicht, ob dort künftig Alkohol an über 16-Jährige ausgeschenkt werden soll.


Mit dem Verkauf des ehemaligen Kurhauses am Klosterberg musste der dort in einem Nebengebäude untergebrachte Jugendtreff aufgegeben werden und mangels Alternativen in das Gebäude am Stadtplatz ziehen. Wie mehrfach berichtet, sind die Jugendlichen dort stark eingeschränkt. So steht derzeit nur ein offener Raum zur Verfügung, zeitgleich stattfindende Projekte sind kaum möglich. Außerdem fehlen zum Beispiel geschlechtergetrennte Toiletten, es gibt keine Außenflächen und die vorhandene Küchenzeile ist lediglich ein Provisorium.

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»Übergangsweise für Entspannung sorgen«

»Wir kennen alle die Problematik des Jugendtreffs«, fasste Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) die Situation zusammen. Die Räume des ehemaligen Cafés als Erweiterung zum Jugendtreff zu nutzen, »ist eine Möglichkeit, übergangsweise für Entspannung zu sorgen«. Er betonte aber auch, dass es sich um »keine Ideallösung« handelt.

Jugendreferent Thomas Stadler (Grüne) machte kräftig Werbung für die Nutzung des Cafés. Im Jugendtreff möchte man mit den Jugendlichen arbeiten, die Räumlichkeiten würden aber nur wenig zulassen. »Es ist alles sehr beengt.« Mit der Übergangslösung könne man wenigstens »Dampf aus dem Kessel rausnehmen.«

Traudl Wiesholler-Niederlöhner begrüßte es im Namen der SPD-Fraktion, den Jugendtreff mit dem Café zu erweitern. »Das ist eine Verbesserung der derzeitigen Situation.« Außerdem sei man es den Jugendlichen schuldig, dass Bewegung ins Spiel komme.

Josef Kaiser (UW) hält eine Erweiterung für wünschenswert. »Eine wahnsinnige Verbesserung sehe ich aber dort nicht.« Er fände es besser, für das Café wieder für die Gastronomie zu nutzen. Auch Ernst Haider (UW) sah die Nutzung des Cafés kritisch. »Übergangslösungen neigen meist dazu, länger zu halten, als man möchte.« Er forderte, endlich eine langfristige Lösung anzustreben.

Karl Schulz (CSU) brachte noch ein anderes Thema mit ins Spiel, sollte man das ehemalige Café als Erweiterung des Jugendtreffs nutzen: Alkohol. »Ich bin massiv dagegen, dass in einem Jugendtreff Alkohol ausgeschenkt wird.« Seine Aussage führte zu heftigen Diskussionen.

Oberbürgermeister Kegel erklärte, dass der Jugendbeirat auf ihn zugekommen sei und gefragt habe, ob an bestimmten Tagen auch Bier an über 16-Jährige ausgeschenkt werden könne. Der Jugendtreff sehe die Räume als eine Art Jugendcafé und wolle damit auch die älteren Jugendlichen ansprechen.

Burgi Mörtl-Körner (Grüne) hält aus pädagogischer Sicht ein striktes Alkoholverbot nicht für den richtigen Weg. Jugendliche sollten lernen, verantwortungsvoll mit Alkohol umzugehen. Deswegen sollte der Ausschank auch unter Aufsicht erfolgen. Außerdem sei es Jugendlichen auch gesetzlich erlaubt, ein Bier zu sich zu nehmen. Mörtl-Körner befürchtet zudem, dass bei einem strikten Alkoholverbot weniger Jugendliche in den Jugendtreff kommen würden – »oder was viel schlimmer ist: Sie werden daheim vorglühen und angetrunken in den Jugendtreff kommen«.

Diskussion innerhalb der Fraktionen führen

Jugendreferent Thomas Stadler meinte schließlich, man solle die Diskussion zum Thema Alkohol innerhalb der Fraktionen führen und dann wieder ins Gremium bringen. »Wir müssen uns fragen, wie gehen wir mit dem Thema Alkohol um. Immerhin sind wir auch Bierstadt und werben damit.«

Am Ende stimmte der Stadtrat mit 14 zu 9 Stimmen dafür, die Räume des ehemaligen Cafés als Erweiterung zum Jugendtreff zu nutzen. Mit dem Thema, ob Alkohol ausgeschenkt werden soll oder nicht, will sich das Gremium in der nächsten Sitzung noch einmal auseinandersetzen. jar