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Eine Sternstunde konzertanter Blasmusik

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Umjubelt war das Konzert der Blaskapelle Traunwalchen und ihrer Jugendkapelle in der Aula der Carl-Orff-Schule Traunwalchen. Das Konzert war der Auftakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 40-jährigen Bestehens. (Foto: Rasch)

Traunreut – Eine Blaskapelle gehört zum Dorf wie die Kirche und die Feuerwehr.


Dieses Muss ländlichen Lebens in Traunwalchen gab den Ausschlag für die offizielle Gründung der Blaskapelle im Jahr 1977. Ein konzertantes Geburtstagständchen zum 40. spielten sich die Musiker selbst. Mit Tuba, Trompete, Flügelhorn und anderen begeisterten die Blaskapelle und ihre Jugendkapelle bei ihrem Jubiläumskonzert in der Aula der Carl-Orff-Schule Traunwalchen und überzeugten eindrucksvoll, dass traditionelle Blasmusik alles andere als altbacken sein muss und nicht nur Marsch und Polka den Ton angeben: Es darf auch mal ruhig was Funkiges und Fetziges sein.

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Sich als Blasorchester zu etablieren und den Level kontinuierlich zu halten, ist nur durch eine gute Nachwuchsarbeit möglich. Den Beweis lieferte die Jugendkapelle, die sogenannten »Gelbhemden«. Es macht einfach Freude, den Buben und Mädchen, die offenbar ebenso viel Freude am Spielen haben, zuzuhören. Einige unter ihnen haben bereits ihre gelben T-Shirts gegen die offizielle Spieltracht ausgetauscht und sitzen in der zweiten Generation in der Blaskapelle.

Mit der bekannten Europahymne, dem Te deum von Marc Antoine Charpentier, eröffnete der Bläsernachwuchs unter der Leitung von Manfred Berger den konzertanten Geburtstagsreigen. Darauf folgte ein Ausschnitt aus der anspruchsvollen Nussknacker-Suite von Pjotr Tchaikovsky. Mit dem bekannten James-Brown-Song »I Got You« standen die jungen Musikanten dem energiegeladenen Komponisten in nichts nach und gaben unter Applaus und Bravo-Rufen die Bühne frei für die »Alten.«

Mit dem Auftaktmarsch, den Fanfarenklängen von Julius Fucik, gab die Kapelle gleich einen Hinweis auf das hohe Leistungsniveau. Musikalisch nutzte die Kapelle ihre beeindruckend große Besetzung perfekt aus und wurde dem Leitspruch »40 Jahre und kein bisschen leise« vollends gerecht. Üblicherweise werden zu den jährlich stattfindenden Konzerten immer neue Stücke einstudiert. Diesmal wurde in dem umfangreichen Repertoire zurückgeblättert: Zu ihrem »Runden« durften sich die Musiker aussuchen, welche Stücke sie im Konzert spielen möchten.

Chefdirigent Georg Angerer hatte eine »Best-of-Liste« aus den vergangenen vier Jahrzehnten aufgelegt, aus der die Spieler ihre Lieblingsstücke auswählen durften, darunter auch die Ouvertüre von Heinrich Oberortner »Musik erklingt«, die im ersten Konzert vor 35 Jahren von der Kapelle uraufgeführt wurde. Als absoluter »Hit« unter den Spielern entpuppte sich der Johann-Strauß-Walzer »An der schönen blauen Donau«, der auch das Publikum in seinem Dreivierteltakt mitriss. Bei den Polkas sei die Entscheidung schon etwas schwerer gefallen, sagte Angerer. Hier fiel das Los auf die Polka von Very Rickenbacher »Ein halbes Jahrhundert«. Nicht fehlen durfte der berühmte Florentiner Marsch von Julius Fucik, der Lieblingsmarsch der Flötistinnen.

Nach der Pause ging mit dem Konzertmarsch (Die Sonne geht auf) von Julius Fucik im wahrsten Sinne des Titels die Sonne weiter auf und strahlte mit Leroy Andersons »Bugler´s Holiday« und der Rhapsody »A Day of Hop« von Fritz Neuböck über den großen Teich hinaus. Auch John Miles berühmten Hit »Music« setzte das Orchester ebenso souverän um, wie den abschließenden »Gruß an Oberbayern.« Mit diesem Marsch von Georg Freundorfer, der ursprünglich für Zither geschrieben wurde, erfüllte sich auch für den Dirigenten Georg Angerer ein Geburtstagswunsch. »Das ist mein Lieblingsmarsch.« Der Aufforderung von Landtagspräsident a. D. Alois Glück, eine Zugabe zu spielen, kamen beide Kapellen auch auf Zuruf des Publikums gemeinsam gerne nach. Jubelnder Applaus am Ende des rund zweistündigen Konzerts.

Genauso abwechslungsreich wie die Musik war, war auch die Art und Weise, mit der durch den Abend geführt wurde. Mit sympathischer Lockerheit begrüßte der Vorstand der Blaskapelle, Hans Zillner, die Besucher und Ehrengäste, darunter auch den Schirmherrn des Jubiläums, MdB Dr. Peter Ramsauer. Ramsauer war begeistert und zollte den Musikern großen Respekt: »Das war eine Sternstunde konzertanter Blasmusik. Die Musikkapelle Traunwalchen und ihre Jugendkapelle setzen Maßstäbe. Die 40-jährige Arbeit trägt Früchte. Und die Jugend lässt weiterhin Großes hoffen. Eine wahre Freude auch für das Publikum, aber auch für alle Musiker, lobte er. ga

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