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Eine Stelle mit Vorbildcharakter

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Das Gute-Laune-Frühstückstreffen kam gleich beim ersten Mal gut an: 50 Gemeindebürger über 65 kamen in den Truchtlachinger Bürgersaal. Quartiersmanagerin Ulrike Ganslmeier – auf unserem Foto sitzt sie am vorderen Tisch links an der Stirnseite – nutzte die Gelegenheit, sich bei den Senioren vorzustellen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Seeon-Seebruck – Die Gemeinde Seeon-Seebruck beschäftigt seit einem guten halben Jahr eine Quartiersmanagerin. Ein wenig greifbarer Begriff, den Ulrike Ganslmeier aber einfach erklären kann: »Quartier steht hier für Gemeinde.« Und was sie in der Kommune vorrangig zu »managen« hat, das ist ebenso schnell gesagt: »Ich kümmere mich schwerpunktmäßig um Senioren.« Inzwischen hat sie schon vieles auf den Weg gebracht. Ihre Stelle hat durchaus Vorbildcharakter.


Zu 50 Prozent fördert der Freistaat Bayern die Stelle von Ulrike Ganslmeier. Der festgesetzte Aufgabenbereich einer Quartiersmanagerin ist umfangreich. »Um nicht den Überblick zu verlieren, habe ich anfangs alles auf einem Flipchart zusammengetragen«, erinnert sich die 52-Jährige schmunzelnd. Inzwischen hat die gelernte Altenpflegerin, die sich stets weitergebildet hat und unter anderem auch Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialökonomie ist, den Überblick und dadurch viel Konkretes auf den Weg gebracht.

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Sie hat eine Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz ins Leben gerufen. Zusammen mit ehrenamtlichen Helferinnen beaufsichtigt sie zwei Vormittage im Monat Betroffene. Die Treffen beginnen immer mit Bewegungsübungen und einem gemeinsamen Kaffeetrinken, danach stehen zum Beispiel Basteln, Musikhören oder Gedächtnistraining auf dem Programm. Die Angehörigen der Demenzkranken gewinnen so wertvolle Stunden für sich selbst. Eine kleine Auszeit, um wieder Kraft zu tanken für die oft anstrengende Pflege. Ergänzend dazu hat Ulrike Ganslmeier einen Besuchsdienst installiert. Hier betreuen Ehrenamtliche Pflegebedürftige zu Hause, die Angehörigen gewinnen so wieder zeitlichen Freiraum. In der sogenannten Angehörigengruppe, die Ulrike Ganslmeier gerade erst neu eingeführt hat, können sich die Familienmitglieder über ihre Pflegesituation austauschen, Rat holen und soziale Kontakte knüpfen.

Neu ist außerdem das Gute-Laune-Frühstückstreffen für Gemeindebürger über 65, das Ulrike Ganslmeier künftig einmal im Monat zusammen mit ehrenamtlichen Helferinnen anbieten wird. Bei der Premiere am Dienstag im Truchtlachinger Bürgersaal kamen auf Anhieb 50 Senioren. »Das hat mich wirklich gefreut«, erzählt die Quartiersmanagerin.

Taschengeldbörse bringt Alt und Jung zusammen

Auch eine Taschengeldbörse, die Alt und Jung zusammenbringt, hat Ulrike Ganslmeier auf den Weg gebracht. Da geht dann zum Beispiel ein Jugendlicher, der mindestens 13 Jahre alt ist, mit dem Hund eines Seniors Gassi – und bekommt dafür mindestens fünf Euro in der Stunde.

Zusätzlich zu diesen Projekten bietet Ulrike Ganslmeier regelmäßige Sprechstunden an und führt auch Hausbesuche durch. »Ich habe alleine zwischen Juni und Dezember über 200 Beratungen durchgeführt«, erzählt die Quartiersmanagerin. Dazu ist sie auch nicht nur im Rathaus, sondern auch in den einzelnen Ortsteilen, in Seeon, Seebruck und Truchtlaching, präsent.

Die Themen sind vielfältig. Den einen unterstützt die 52-Jährige beim Erstellen einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht, dem anderen hilft sie beim Ausfüllen eines Antrags zur Medikamentenbefreiung. Immer wieder geht es auch darum, einen Pflegegrad zu ermitteln.

Für ihre Arbeit erfährt Ulrike Ganslmeier große Wertschätzung. »Viele sagen: 'Ist das gut, dass Sie da sind'«, erzählt die Trostbergerin. Darum findet sie auch, dass jede Gemeinde vom Quartiersmanagement oder einer ähnlichen Einrichtung – Kirchanschöring hat zum Beispiel ein Sozialbüro, das noch breiter aufgestellt ist – profitieren würde.

Die Gemeinde Seeon-Seebruck setzt nicht ohne Grund auf eine Quartiersmanagerin. »In der Gemeinde gibt es kein Seniorenheim«, führt Ulrike Ganslmeier aus. Bürger mussten darum im Alter oft die Heimatgemeinde verlassen. Die Quartiersmanagerin kümmert sich jetzt darum, dass sie so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben können. Alle ihre Angebote sind kostenlos für die Gemeindebürger. san