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»Eine Sauerei von vorne bis hinten«

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Übersee – Heftige Debatten zum Fortschritt der Straßenbaumaßnahme »Feldwieser Straße« gab es in der jüngsten Sitzung des Überseer Gemeinderats. Bürgermeister Marc Nitschke gab Aussagen von Vertretern der Baufirma und Landrat Siegfried Walch wieder, um Licht in das Durcheinander aus angeblich nicht eingehaltenen Absprachen und Terminen, Planungsfehlern, Schlampereien und Prognosen um das Ende der Bauzeit zu bringen. Doch für die meisten Gemeinderäte blieben die Bauverzögerungen offensichtlich eine – wörtlich geäußerte – »totale Verarsche« und »eine Sauerei von vorne bis hinten«.


Die im April begonnene Sanierung der in die Jahre gekommenen Überseer Durchgangsstraße sollte nach Absprache zwischen Landratsamt, Gemeinde und Baufirma in diesem Monat abgeschlossen sein. Tatsächlich ist aber erst die Hälfte geschafft.

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Zu Beginn seines Sachstandsberichts stellte Bürgermeister Nitschke noch einmal klar, dass Auftraggeber und Bauherr der Baumaßnahmen der Landkreis Traunstein ist und sich die Zuständigkeit der Gemeinde nur auf flankierende Maßnahmen wie Gehsteige und Straßenbeleuchtung beschränkt. Auch der ursprüngliche Bauzeitenplan sei nicht von der Gemeinde, sondern von der Baufirma selbst aufgestellt worden.

Zusätzliche Arbeiten an 55 Tagen

Nitschke verlas ein Schreiben des Ingenieurbüros HPC AG, in dem die Baufirma zu den Verzögerungen ausführlich Stellung nimmt. Danach gab es allein zusätzliche und unvorhergesehene Arbeiten im Umfang von 36 Tagen, die im Auftrag nicht enthalten waren. Zusätzlich hätten nicht eingeplante Behinderungen und der Anstieg des Grundwasserpegels durch anhaltende Regenfälle zu weiteren Verzögerungen geführt. »Bis jetzt wurde an 134 Tagen auf der Baustelle gearbeitet. Allein an 55 Tagen davon mussten zusätzliche Aufgaben erledigt werden oder man wurde behindert«, heißt es in dem Schreiben. »Hätte man in diesen elf Wochen die planmäßigen Arbeiten reibungslos erledigen können, wäre man jetzt noch im vorgesehenen Zeitplan.«

Bürgermeister Nitschke räumte ein, dass einige Leistungen in der Planung von vorne herein hätten berücksichtigt werden müssen. Trotzdem sei man aus Gemeindesicht mit dem Baufortschritt nicht zufrieden. Immer sei nur ein kleiner Trupp auf der Baustelle gewesen. Offensichtlich hätte es keine personellen Ressourcen bei der Baufirma gegeben, auch nicht für zusätzliche Einsätze an Samstagen oder auch am Brückentag.

Nach den Worten des Gemeindechefs habe ihm Landrat Siegfried Walch nach einem persönlichen Gespräch »die volle Unterstützung für einen schnellst- und bestmöglichen Abschluss der Baumaßnahmen zugesichert«: Allerdings käme es derzeit beim Wasserleitungsbau wieder zu erheblichen Verzögerungen, sodass die eingeplanten Asphaltierungsarbeiten im Bauabschnitt Angerpoint bis Seerosenweg auf Eis liegen. Auch der nachfolgend geplante Deckenbau ab der Autobahnanschlussstelle könne daher wohl heuer nicht mehr geschafft werden. Im kommenden Jahr soll die Baustelle laut Walch ab 1. März wieder in Angriff genommen und bis wahrscheinlich zum Mai beendet werden.

Stefanutti: »Das hätte man besser machen müssen«

Angesichts der von der Baufirma geschilderten Zusatzaufgaben schrieb Gemeinderat Anton Stefanutti (Die Grünen) dem Landratsamt massive Fehler zu: »Das hätte man besser machen und zeitlich berücksichtigen müssen.« Auch während der Maßnahmen hätte man sich mehr um die Baustelle kümmern sollen. Insoweit habe er den Eindruck, dass »man ganz bewusst keinen Druck ausüben will. Es ist eine Sauerei von vorne bis hinten.«

Auch Herbert Strauch (FBL) sah gewisse Kommunikationsfehler beim Landratsamt, weil man Verzögerungen nicht eher zugegeben habe. Im Übrigen könne man der Baufirma keine Vorwürfe machen, da sie für alle vier Bauabschnitte einschließlich der Dorfstraße einen Vertrag bis zum 30. Juni 2017 habe.

Verwirrt ließ Maria Steinert (SPD) ihrem Ärger freien Lauf: »Einerseits gibt es einen Bauzeitenplan bis zu diesem Monat, dann heißt das Ende wieder Juni 2017. Das ist doch die totale Verarsche.«

Angesichts der Querelen wollte Bürgermeister Nitschke jetzt nach vorne schauen. Er setze nun auf die Unterstützung des Landrats und ein Bauende bis zum kommenden Frühjahr – vorausgesetzt das Wetter mache mit. bvd