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Eine lautstarke Begrüßung für das Christkind

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Die Berchtesgadener Weihnachtsschützen lassen ihre schweren Handböller krachen. (Foto: Franz Heger)
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Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend vorbereitet. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts and die vielen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: Das Christkindlanschießen.


Besonders bei Kindern führte dieser Begriff am Heiligen Abend zu großen Ängsten und Irritationen, wenn der Vater mit den Worten, er müsse jetzt das »Christkindl anschießen« sein Gewehr vom Haken nahm und auf den Hausvorplatz hinaustrat. Darüber berichten wiederholt Chronisten aller Epochen.

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Wenn dann der Schuss krachte, war die Angst allgegenwärtig, das Christkind wäre beim »Anflug« auf das Haus getroffen worden und könne nun nicht mehr kommen. Da half es dann auch nicht, wenn man wortreich zu erklären versuchte, es sei ja nur ein »Salut« gewesen, den man geschossen habe, um dem Christkind den Weg zu weisen. Was können Kinder schon mit dem Wort »Salut« anfangen!

Tatsächlich aber ist es seit Jahrhunderten ein weit verbreiteter Brauch, hohe Staatsgäste und kirchliche Würdenträger mit einem »Salut« aus Kanonen-, Gewehr- und Böllerschüssen zu begrüßen.

Sowohl Gebirgsschützenkompanien oder Feuerschützenvereine aller Art pflegen diesen Brauch des »Salutschießens« bei bestimmten feierlichen Anlässen bis heute. Insbesondere bei Papstbesuchen in Bayern und anderen hochrangigen Empfängen kann man das »Salutschießen« in der Formation in den Medien oder direkt vor Ort mitverfolgen.

Signal, dass man sich auf jemanden freut

Zu früherer Zeit, als es noch kein Telefon und kein Internet gab, war es eine der wenigen Möglichkeiten, mit einem krachenden und weithin hörbaren Salut jemandem, der aus der Ferne kam, zu signalisieren, dass man ihn bemerkt habe und sich auf ihn oder sie freue.

Beim Christkindl ist man heute noch darauf angewiesen, da es, soviel man weiß, als »allwissendes Wesen« nicht »online« sein muss.

Eine ganz besondere Form des Christkindlanschießens hat sich im Berchtesgadener Land erhalten und sogar vereinsmäßig organisiert. Dort schießen die Berchtesgadener Weihnachtsschützen, man spricht von 700 an der Zahl, am Heiligen Abend das Christkindl an. Die in Tracht gekleideten Schützen stehen dazu auf festen Standplätzen an den Hängen und lassen ihre schweren Handböller krachen. Es gibt genau vorgegebene Schussfolgen, die auf Kommando dann über das Tal »rollen«. Im majestätischen Angesicht von »König Watzmann« und der umliegenden »Berggrößen« ist das jedes Jahr aufs Neue ein beeindruckendes und einzigartiges Schauspiel.

Der erste Weihnachtsschützenverein geht auf das Jahr 1887 zurück. Im Jahr 1925 schlossen sich die Weihnachtsschützenvereine im Berchtesgadener Land erstmals verbandsmäßig zusammen. Wann aber das gemeinsame Weihnachtsschießen wirklich aufkam, kann wohl keiner so genau sagen, denn diese Art des »Anschießens« gab es in losen Gruppen bereits vor 1925. Auch hier würde es den Rahmen dieses Beitrag sprengen, wollte man intensiver auf einen wunderschönen, weil örtlich begrenzt gebliebenen Brauch zu Ehren des nahenden Christkinds eingehen. Das soll dem geneigten Leser daher selbst überlassen bleiben. fb