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Eine Katastrophe auf unbestimmte Zeit – Wirte im Landkreis sind in großer Sorge

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Traunstein: Wirte und Gasthäuser im Landkreis in großer Sorge – Corona eine Katastrophe
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Die Bürger und vor allem auch die Wirte im Chiemgau warten gleichermaßen darauf, dass die Gaststätten mit ihren Biergärten wieder aufmachen dürfen. (Foto: dpa)

Noch einmal zugenommen haben die Sorgen in den Gaststätten im Landkreis Traunstein. Hatten viele Wirte gehofft, dass sie ihre Türen in der nächsten Zeit wieder aufsperren dürfen, so erfüllten sich ihre Erwartungen dann doch nicht: Ministerpräsident Markus Söder hat nun bekannt gegeben, dass die Betriebe weiter geschlossen bleiben.


In den Gaststuben rutscht die Stimmung nun endgültig in den Keller. Dass nach wie vor kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, sei »eine Katastrophe«, sagt Klaus Lebek, der mit dem Eichenhof in Waging selbst einen Betrieb führt, aber als Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) vor allem auch für seine Kollegen spricht.

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Auch im Weßner Hof in Marquartstein waren die Hoffnungen groß gewesen, dass die Beschränkungen im nächsten Monat auslaufen und der Betrieb wieder voll und ganz beginnen darf. »Wir hatten das Ziel, Mitte Mai wieder aufzumachen«, sagt Gast- und Landwirt Josef Moritz. Doch diese Hoffnungen haben sich zerschlagen.

Die Lage der Gastronomen sei jetzt erst recht »sehr schwierig«, meint Moritz. Schließlich liege schon eine lange Durststrecke hinter ihnen, die bereits Mitte März begonnen habe – und ein Ende sei nun noch immer nicht in Sicht. »Wir waren die Ersten, die zugemacht haben. Und wir werden die Letzten sein, die wieder aufmachen.« Und weiter sagt er: »Die Saison ist im Eimer.«

Nicht viel besser stehen die Dinge in einem anderen Familienbetrieb: im Gasthof Hinterwirt in Übersee. Zwar ist Wirt Josef Trummer persönlich »nicht böse«, dass die Sicherheitsvorkehrungen der Regierung gegen das Coronavirus andauern und die Gaststätten geschlossen bleiben. Denn sein Sohn zähle, bedingt durch eine Krankheit, die er überstanden habe, zu den Hochrisikopatienten. Doch für seinen Betrieb sei die Schließung, die kein Ende findet, – natürlich – schlecht. So macht der Wirt kein Hehl daraus, dass ihm die Zahlen die Sorgenfalten auf die Stirn treiben: Auf der einen Seite kommen keine Einnahmen in die Kasse, auf der anderen drücken die Ausgaben – die Pacht und die anderen Fixkosten.

Wie viele andere versucht auch Josef Trummer, sich mit Gerichten, die er zur Mitnahme anbietet, über Wasser zu halten. »Meine Frau und ich stehen am Wochenende in der Küche«, erzählt er. »Wir kochen auf Bestellung.« Und seine Frau steht dann am Fenster und überreiche das Gericht. Doch auch diese »kleine Speisekarte«, die er anbietet, sei nicht der Weg, der aus der Krise führt, sondern nur »ein Tropfen auf dem heißen Stein«. Die Probleme liegen woanders: »Wir haben so einen schönen Biergarten. Und der steht leer.«

Auch die Wirtin im Gasthaus »D'Feldwies« in Übersee drücken die Sorgen. Dass die Gaststätten nach wie vor geschlossen bleiben müssen, ist für Beate Stang »ganz schlecht«. Sie habe zwar Verständnis für die Maßnahmen der Regierung, die die Ausgangsbeschränkungen erst dann wieder rückgängig machen will, wenn danach kein Rückschlag droht und sich das Coronavirus nicht wieder ausbreitet. Schließlich möchte die Wirtin auf keinen Fall erleben, dass die Krise im August möglicherweise wieder aufflammt. Doch eine Schließung, die über Monate geht, sei »für mein Geschäft ein Albtraum«.

Spätestens im Juni müsse die Schließung der Gaststätten wieder aufgehoben werden, meint die Wirtin. So lange könne sie noch durchhalten, sieht sie dann aber definitiv und ultimativ das Ende der Fahnenstange erreicht. »Im Juli geht's nicht mehr.« Die Politik sei gefordert, ihr und den anderen Gastronomen den Weg aus der Krise zu ebnen. Unumgänglich sei, dass sie die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent senkt.

Reichen die geschäftlichen Sorgen nicht ohnehin schon, so muss sich die Wirtin in diesen Tagen zu allem Überfluss auch noch über die Betriebsversicherung ärgern, die sie genau für solche Fälle wie die jetzt coronabedingte Schließung vereinbart hat. 30.000 Euro seien ihr vertraglich zugesagt, doch weil vom Coronavirus nichts im Vertrag steht, habe sie jetzt gerade einmal 3700 Euro in Aussicht gestellt bekommen.

»Das Geld wird immer weniger«, sagt Josef Weiß, der Wirt des Forellenhofs in Eisenärzt. Er hatte gehofft, dass er seine Gaststätte Anfang Mai wieder aufmachen kann. Doch nun muss er seinen Notfallplan noch länger, als ihm lieb ist, aufrechterhalten. Auch er versucht, wenigstens ein bisschen im Geschäft zu bleiben. Den Grill zündet er immer wieder an, Forellen aus seinen Teichen legt er drauf, ehe er sie verkauft. Doch diese Einnahmen reichen seinen Angaben zufolge bei Weitem nicht aus, den Betrieb auf Dauer über Wasser zu halten.

Schon längst hat auch er alle Register gezogen, derer sich die Gastronomen in der Corona-Krise bedienen. Die Kurzarbeit ist eingeführt – und der Antrag auf Soforthilfe ist auch gestellt. Schon vor zwei Wochen hat er sich gemeldet, das Geld bekommen hat er allerdings noch nicht. »Wir warten immer noch darauf.«

Besonders drückend ist in den gastronomischen Betrieben, dass in den vergangenen Wochen ohnehin schon viel Umsatz unwiederbringlich verloren gegangen ist. So erinnert Klaus Lebek vom Eichenhof in Waging auch daran, dass nun schon das sonst so lukrative Ostergeschäft ausgefallen sei.

Als DEHOGA-Kreisvorsitzender weiß Lebek, dass nicht wenige gastronomische Betriebe ums Überleben kämpfen. In einigen Fällen sei unterdessen schon die Entscheidung gefallen. »Ich kenne sieben Betriebe, die nicht wieder aufsperren werden.« Er hatte gehofft, dass die Regierung eine »teilweise Lockerung« in Aussicht stellt und einen zumindest begrenzten Betrieb in den Gaststätten wieder zulässt. Und so ist Klaus Lebek nun nicht wenig enttäuscht, dass alles beim Alten bleibt. »Es ist eine Katastrophe.«

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