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»Eine gute Entscheidungsgrundlage«

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Traunstein – Auf die Notwendigkeit einer Jugendhilfeplanung geht die neue Sozialraumanalyse zurück. Die letzte Erhebung ist sieben Jahre alt. Im Kreistag präsentierte Christian Rindsfüßer vom »Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik« (SAGS) aus Augsburg Zwischenergebnisse, die das Gremium zur Kenntnis nahm.


Während Landrat Siegfried Walch von »einer guten Entscheidungsgrundlage für Kreisgremien, Fraktionen und Wohlfahrtsverbände« sprach, kritisierte Grünen-Kreisrätin Walburga Mörtl-Körner die überholten Zahlen. Die Sozialraumanalyse basiere auf Zahlen zwischen 2013 und 2015. Rindsfüßer erklärte, das Statistische Landesamt liefere überregionale Daten erst spät. Lokale Daten könne man zwar selbst erheben. Dann hinke es aber an der Vergleichbarkeit.

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Die weitere Frage der Kreisrätin, ob der Bereich »Schulsozialarbeit« aufgenommen werde, verneinte Rindsfüßer. Bei einer Neuauflage könne das Thema berücksichtigt werden. Allerdings fehle dazu bislang eine verlässlichen Bundes- oder Landesstatistik.

In der Sozialraumanalyse nimmt die Jugendhilfe laut Walch besonderen Raum ein. Da Jugendhilfe »nicht nur Reparaturbetrieb« sein dürfe, wolle der Kreis mit dem Werk ein umfassendes Bild gewinnen. »Soziale Brennpunkte« wolle man identifizieren, um angemessen und früher reagieren zu können, so Rindsfüßer. Die Analyse habe »Frühwarnfunktion«. Beste räumliche Analyseebene sei »die einzelne Gemeinde«.

Im Norden des Landkreises lebten die meisten Kinder und Jugendlichen, so Rindsfüßer. In Tourismusgebieten hätten es Familien schwerer, Wohnungen zu finden. Im Detail erläuterte er Indikatoren aus der Jugendhilfe. Ausführlich beleuchtete er die Wahrscheinlichkeit eines jungen Menschen, zum »Scheidungskind« zu werden und die Zahl der Kinder von Alleinerziehenden. Der Norden des Landkreises habe mehr Arbeitslose, auch Minderjährige, mit Schwerpunkten in Traunreut und Trostberg auf. Weitere Kernpunkte waren die altersmäßige Zusammensetzung von Hartz- IV-Empfängern und die Einkommens- und Wohnsituation im Kreis. Weitere Bereiche würden untersucht, zum Beispiel Kinderbetreuung, Armut bei Kindern und Bevölkerungsentwicklung.

Das Fazit von Landrat Walch lautete: »Der Landkreis ist positiv aufgestellt.« Er halte die Regionalisierung für sehr wichtig. Man wolle unterschiedlich reagieren können. Bei ambulanten Hilfen für junge Menschen engagiere man sich stärker als bei den stationären Hilfen: »Wir helfen frühzeitig und haben dadurch geringere Kosten als bei stationärer Unterbringung.«

Ob statistisch erfassbar sei, dass in Vereinen engagierte Jugendliche weniger auffälliger sind, wollte Alfons Baumgartner, Bayernpartei, wissen. Dazu Walch: »Das ist statistisch nicht belegt. Aber die Vereine sind eine unersetzbare Achse in der Jugendhilfe.« Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, SPD, bezeichnete Kinderbetreuung als »spannende Frage«. Sie sei der Schlüssel, alleinerziehende Mütter wieder in Arbeit zu bekommen.

Bei der Gesellschafterversammlung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft stellte Walch als alleiniger Vertreter des Landkreises den Jahresabschluss 2016 fest, entlastete Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Die Gesellschaft habe wenige Sponsorenentgelte und andere Zuschüsse sowie Einspeisevergütungen aus dem Betrieb der Photovoltaik Litzlwalchen. Haupteinnahmequelle seien nach wie vor Mittel vom Landkreis. Die Bilanzsumme betrage gut 1,8 Millionen Euro. Dem Jahresfehlbetrag 2016 mit 435 962,30 Euro stehe eine Forderung des Landkreises für gestelltes Personal gegenüber in Höhe von 269 652,33 Euro. kd

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